Dee Day Dub wagen den Schritt von der Bühne ins Studio - was live funktioniert, muss auf Platte nicht, kann aber.
Singha Dee, Schlagzeuger und zugleich Kopf des Zürcher Kollektivs Dee Day Dub, schart schon seit mehreren Jahren Musiker für regelmässige Jam-Sessions vor Publikum um sich. Live schmieden sie Songs - dies führte sie selbst auf eine ausgiebige US-Tour, und auch dazu, einige dieser spontan entstandenen Songs festzuhalten - das Resultat davon ist seit Anfang Jahr auf "Chaos Theory" zu belauschen.
Dee Day Dubs Musik trägt viele Eigenschaften des Jazz in sich, dass am Anfang von "Chaos Theory" die musikalische Anarchie stand, ist aber kein naheliegender Schluss, die Spontaneität ihrer Live-Auftritte ist in den Momentaufnahmen auf Tonband nicht mehr zu bemerken. Lebendig und erfrischend ist der Sound dennoch: Die düsteren Eleganz des Trip Hops ist ein Merkmal, aber eine atypische Nervosität ist präsenter: Die komplexen Sounds sind nicht weit von 70er-Art- oder Jazz-Rockmusik entfernt, das "Dub" im Bandnamen gibt die prominenteste Eigenschaft preis.
So scheppern Drums in Zeitlupe, E-Gitarren schleppen sich vorwärts, oder krachen temporeich über alles hinweg, souliger Gesang und der satte Bass geben wohliges Gegensteuer. Am besten klingt "Chaos Theory" dann, wenn der Dub Überhand gewinnt, wie im groovenden "Tokyo", wo auch Sängerin Evelynn Trouble auftrumpft. Zum Leidwesen des Autors gehen diese Elemente aber immer wieder flöten, so geht "Down In The Drain" im Refrain einen überraschenden Weg und klingt schlagartig nach Hard-Rock-Kneipe und nicht mehr nach dem nachtschwarzen Dub-Rock der Strophen. Ungewöhnlich milde Töne schlägt hingegen "Moving On" an, ein Verweis auf die frühen Zero 7 scheint angebracht, bis der Titel einen housigen Weg einschlägt. Dabei klingen Dee Day Dub oft etwas gezwungen cool, was aber weniger stört als bei den Worten, denen ausnahmslos etwas Prätentiöses anhaftet, schon kaum mehr zu ertragen in "Doomed" etwa. Was sagen, wenn man eigentlich nichts zu sagen hat?
"Chaos Theory" ist eine Ansammlung spannender Ideen, nostalgisch und vorwärtsgerichtet gleichzeitig und einwandfrei produziert, ein hartnäckiger Verdacht bleibt aber auch nach den elf Songs bestehen: mit den 35 Stunden Songmaterial, aus welchem sich Mastermind Singha Dee bediente, hätte es eigenltlich vermeidbar sein können dass man sich mit Ausrutschern wie "Guns without triggers" rumschlagen muss.
Seit 29. Januar 2010 im Handel erhätlich.
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Anspieltipps:
> Digital Renegades
> Tokyo
Diskographie:
> Dee Day Dub (2010)
Ähnliche Künstler:
> Massive Attack
> Living Colour
> (stellenweise) Moloko
> Dub Inc