Die
Truppe um Kreativkopf Bradford Cox zeigt mit ’Microcastle’ deutlich,
dass der Psychedelic-Pop der 60er auch heutzutage noch gehörig zu
verzaubern weiß.
Deerhunter sind schwer zu fassen, ihr Debut ’Cryptograms’ gefiel zwar, trotzdem wurde man aus der Sache nicht wirklich schlau. ’Microcastle’ macht im Vergleich zum Vorgänger jedenfalls einen Schritt Richtung Pop, die Melodien wurden eingängiger, die Songstrukturen deutlicher. Aber keine Panik, Deerhunter sind noch immer sehr weit weg vom Mainstream. ’Microcastle’ ist eigentlich nur als Gesamtwerk geniess- und beschreibbar. Ich versuche hier trotzdem, den einen oder anderen Kommentar zu einzelnen Songs loszuwerden. Diese fliessen wunderbar unscheinbar ineinander über, wobei man das Ganze irgendwo zwischen verträumtem, psychedelischem 60er-Pop und Garage einordnen kann. Noch besser würde die Sache nach ein paar Bier oder dem Konsum ähnlich legaler Substanzen funktionieren, doch dazu ist es schlicht noch zu früh.
Das Album beginnt mit ’cover me (slowly)’ langsam, verzerrt und drogenschwanger, die Grenze zu ’Agoraphobia’ wird einzig durch die leichte Tempoverschärfung deutlich. Aus dem schrägen Gesurre wird ein melodischer, leicht müder Popsong. ’Never Stops’ erinnert dann als einziges Stück an das eher garage-lastige Debut, gefällt jedoch sehr. Bis anhin anständiger Pop, danach hebt die Sache endgültig ab bzw. verliert sich in den 60ern. Die Songs lümmeln grossteils in einer dem gesunden Menschenverstand kaum zugänglichen Sphäre rum. Der Titeltrack ’Microcastle’ schwebt federgleich während gut zwei Minuten vor sich hin, dann dürfen Gitarre, Bass und Schlagzeug kurz ihren queren Senf dazu geben. Ich sehe kurz das Bild einer ungewaschenen, ekstatisch tanzenden Hippiemenge vor mir aufblitzen. Nach diesem Ausbruch geht es wieder mit verträumtem Gesumme und einigen Engelsgeräuschen (keine Ahnung wie die tönen, die Sache hat jedoch etwas wunderschön Warmes, irgendwie Jenseitiges an sich) weiter. Einzelne Klaviertöne, Cox singt, haucht und schnurrt, synthetische Träumer- und Klimpereien im Hintergrund. Dies dauert relativ lange, doch Zeit und Raum haben sich schon lange verabschiedet, am Besten lässt man sich widerstandslos treiben und verzaubern. ’Nothing ever happened’ wirkt darauf wie ein Weckruf. Die Gitarre nimmt die Melodie von Cox' Gesang auf, dazu ein treibendes Schlagzeug. Dieses Stück ufert dann irgendwann in wildem, verzerrtem, unendlich scheinendem Gitarrengeqietsche aus. Sehr deftig.
Dieser Text war jetzt nicht besonders aufschlussreich, ich kann jedoch im Sinne eines Fazits sagen, dass Deerhunter mit ’Microcastle’ eine grossartige musikalische Traumwelt erschaffen haben. Wer sehr entspannten, unglaublich verträumten, abgehobenen und gleichzeitig anspruchsvollen Pop sucht soll sich bitte ein Ohr voll gönnen.
Seit 24. Oktober 2008 im Handel.
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Anspieltipps:
> Never Stops
> Nothing ever happened
Diskographie:
> Cryptograms (2007)
> Microcastle (2008)
Ähnliche Künstler:
> The Doors
> I love you, but I’ve chosen darkness
> Radiohead
> Blonde Redhead
> MGMT