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Deftones - Saturday Night Wrist

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von Michael Rothen am Mittwoch, 25. Oktober 2006 in Neuerscheinungen   
Genre: Alternative
Label: Maverick
CH-Vertrieb: Warner Music
Unsere Wertung:Deftones - Saturday Night Wrist

Das schwere Vermächtnis in Form eines weissen Ponys
Deftones - Saturday Night WristAlle jene, die sagten, der Nachfolger des Huftiers sei missraten, mögen jetzt staunen. Denn wäre "Saturday Night Wrist" der eigentliche Nachfolger von "White Pony", die Schrei noch viel lauter gewesen.

Es geht mir offensichtlich öfters so. Die Nachfolgeplatte der Überplatte mag ich meistens mehr, als dies die anderen Menschen tun und am Ende gar mehr, als den Vorgänger – den Meilenstein selbst (z.B. The Strokes, Tool usw.). Ebenso bei den Deftones. Ich bin enttäuscht, von dem was ich hier höre. Umso mehr, nachdem ich so sehr erfreut war, nach der Verzauberung ob des Openers "Hole In The Earth". Aber doch bitte der Reihe nach, andernfalls ich nicht in der Lage sein werde, Euch aufzuzeigen, warum ich durchaus geteilter Meinung bzgl. des neusten Outputs aus Sacramento bin:

Hole In The Earth
Feedback, ein fettes Deftones-Riff, Chino schaut kurz vorbei, sagt Hallo und dann erklingt diese Melodie und jenes atmosphärische Bandspiel, in einer vorher selten gehörten Transparenz und Weise, und schliesslich ein Refrain, der diese Bezeichnung beinahe neu definiert. Nichts wird erzwungen, alles scheint ganz selbstverständlich zusammen-, in- und auseinander zu fliessen. Schliesslich bleibt's der beste Track und einer der eben solchen von den Deftones überhaupt. Klasse, spitze, toll und umwerfend zugleich!

FM
Brechstange 1, jedoch gut funktionstüchtig. Gutes Drumming – wie immer, Abe ist spitze – doch der Matschsound, resp. die zu fetten Gitarrenwände halten bereits Einzug (seit meinem letzten Deftones Konzert mit A Perfect Circle im Vorprogramm in Frauenfeld verabscheue ich diesen Gitarrensound zutiefst). Ungewöhnlich viel an Synth in diesem Brecher, kommt trotzdem gut – wenn ich wünschen darf – jedoch nur als Abwechslung zu Songs der Güteklasse "Hole In The Earth"!

Beware
Vielversprechendes Intro. Tolle Intonation von Moreno, feine Melodie. Ein Langsamer mit Psycho-Feeling. Spitze Bridge, gefolgt von für mich "Play Dead"-ähnlichem Björk-Refrain. Die Rechnung scheint voll aufzugehen. Zur Einleitung des Schlusses offeriert man Gestöhn über erneute Gitarrenwände; diesmal passt's besser.

Cherry Waves
Sehr sphärisches Intro. Schöner Basslauf, welcher für einmal auch hörbar bleibt. Die Überleitung zum Refrain, sowie jener selbst scheinen mir jedoch bereits früher mal verkauft (bzgl. Melodie). Das war mal nett, doch zweimal muss ja nicht sein. Deftones covern Deftones anno 2006. Enttäuschung.
(Anm.: Deftones-Melodien sind seit jeher ziemlich unverkennbar, jedoch scheint mir diese Passage nicht nur vertraut, sondern déjà-entendu!)

Mein
Ha, auf den war ich gespannt, warum wohl?! Keine Gefangenen beim Intro sowie bei der gleichförmigen Strophe. Abe galoppiert und dann passiert das für mich unfassbare: Wieder eine mir so sehr geläufige Melodie! Diesmal von Robert Smith – The Cure ("…I like to pour it into me..." oder ähnlich!). Zuerst Björk dann sich selbst und nun The Cure? Der Refrain scheint mir dann auch nicht wirklich einer zu sein. Ein Schrammelsong von A bis Z, wenigst inspiriert. Das einzige, was mich hier hören macht, ist die tiefe Stimme nach dem Refrain. Klingt für Deftones zwar ziemlich fremd, jedoch erzeugt es eine gewisse Spannung. Erinnert aber geradewegs an System Of A Down, wenn wir schon mal dabei sind.

Interlude
Ohne Gesang. Eher progressiv und ohne zu fette Gitarrenwände. Flockiges Drumming und wohlige Atmosphäre mit sehr schönen Harmonien. Eine Zäsur der Besinnung – Rückbesinnung? Ein Teiler, meint, einer das Album in zwei Teile teilender... Was da wohl noch kommen mag?

Tilde
Klavier und tightes Drumming. Entzückende Melodie. Weniger scheint bei den Deftones 2006 tatsächlich so viel mehr zu sein. Der Refrain schraubt dann doch wieder etwas das Qualitätsniveau nach unten, wobei Chino mit unverkennbarem und sich im Ohr festkrallenden "Goodbye" den Ohrwurm begründet. Mittelprächtig! Von meiner Warte aus gesehen, würde ich "Tilde" aber als Single auskoppeln, sodass die Landung bei Top Of The Pops gesichert und der Albenverkauf nachhaltig gefestigt ist. Der Schluss-Kanon macht dann alles/jede klar.

Rats
Naja, was Ratten heisst, rockt auch dementsprechend (Brechstange 2). Der Härteste hier. Typisches Deftones "Around The Fur"- und "Adrenaline"-Riffing mit sehr bekanntem Disharmonienbreak. Chino sägt erst und dann – leider – ein unsäglicher Refrain, natürlich gut gedrummed, aber trotzdem nutzlos. Das will nicht ganz passen. Ein kleines Ohrenzückerchen zum Schluss: Slayer-Intermezzo, voll drauf.

Pink Cellphone
Etwas Electronica gefällig? Leider Gottes nicht mal so gut und zu allem Überfluss viel zu lang – wirklich überflüssig (ganz im Gegenteil zu "Lucky You" von "Deftones", 2003). Vielleicht gefällt's Anderen besser. Ich erachte es nach rund einenhalb Minuten als gehört, nur dauert es dann weitere dreieinhalb. Handys sind eh scheisse, der grösste offizielle Feldversuch, der Atomisierungsbeschleuniger überhaupt...

Combat
Auf zu guten Taten. Eine weitere Rückbesinnung hier. Das hätte gut auf "Around The Fur" gepasst. Nach tightem Intro eine Mosh-Strophe, fett abhängend gedrummed (ich wiederhole mich, ich weiss; aber man muss das Gute loben, nicht?) und ein so psychedelisch wie nur irgendwie möglich gesungener Refrain, der mir viel besser passt, als das Top Of The Pops-Zeugs davor. Das ist Hardness mit Melodie, wie ich es schätze. Daumen hoch; obwohl - gegen Schluss schrummelt's dann doch auch wieder; wenigstens nicht ganz so beliebig, wie bei den schlechten Eltern davor.

The Earth
Das Intro macht die Sache bereits klar, hier kommt ein Knaller wie "Combat" einer war. Wirklich ein Wumms, wenn die Gesamttruppe einfällt. Offenbar liegt Chino das Welt-Thema (vgl. Song #1). Der Song lebt für mich dann in den Refraingefilden doch auch wieder mehr vom rückführenden "The Earth"-Aufschrei Chinos und nicht wirklich von sich selbst. Reicht also doch nicht ganz an "Combat" ran. Tut trotzdem gut.

Comache
Der Schluss, der Letzte, das Letzte!? Eher zurückhaltender Beginn, schön klingend. Chino säuselt, feines Gitarrengemauschel, dann eine scheinbar entgleisende Gitarre aus welcher Jerry Cantrell einen wunderschönen Alice In Chains-Song machen täte, wenn's denn noch was brächte. Hernach ein rhythmisches Versatzstück, gefolgt von Haudraufmusik. Naja, irgendwie ein Schluss schon, kaum Erinnerungswert.

Die drei Sterne gibt's, weil "Hole In The Earth" einfach einzigartig ist und immer bleiben wird. Ansonsten wären zweieinhalb Sterne passender gewesen, leider!


Ab 27. Oktober 2006 im Handel.

Anspieltipps: Hole In The Earth, Combat, The Earth, Beware
Trackliste: 1) Hole In The Earth; 2) FM; 3) Beware; 4) Cherry Waves; 5) Mein; 6) Interlude; 7) Tilde; 8) Rats; 9) Pink Cellphone; 10) Combat; 11) The Earth; 12) Comache
similar artists: Duran Duran, Bjork, System Of A Down, The Cure

> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > MySpace > Label > CH-Vertrieb

Bio:
Intensität und Energie, die eigentlichen Charakterzüge der Deftones, sind es, die im Jahre 1995 die Welt des harten Rocks erschüttern, aufwühlen und nachhaltig verändern. Das Debütalbum „Adrenaline“ auf dem Madonna-Label!!! Maverick – produziert von Terry Date – katapultiert die vorher wenig bekannte Band aus Sacramento ins weltweite Rampenlicht.
Der gleichgleisige Nachfolger „Around The Fur“ manifestiert die gefassten Meinungen und erhält aufgrund des Killer-Tracks „My Own Summer (Shove It)“ Heavy-Airplay. Die Touren der Deftones ziehen sodann immer weitere Kreise. Doch erst mit dem Album „White Pony“ im magischen Jahre 2000 gelingt der Band – nachdem sie gleichartigen Bands wie Korn oder Limp Bizkit deren Erfolgsweg vorgeebnet haben – der endgültige und hochverdiente eigene Durchbruch. Kontinuität umschreibt gemeinhin das, was die Deftones mit dem selbstbetitelten Album im Jahre 2003 abliefern (Stagnation auf sehr hohem Niveau).
Vor "Saturday Night Wrist" verkürzt eine liebevolle B-Seiten- und Raritätensammlung die Wartezeit. Per Ende Oktober hat das Warten ein Ende, denn dann ist das neue Album der Deftones am Start!

deftones2
Diskographie:
> Adrenaline (1995)
> Around The Fur (1997)
> Live (1998)
> White Pony (2000)
> Back To School [EP] (2002)
> Deftones (2003)
> B-Sides & Rarities (2005)
> Saturday Night Wrist (2006)


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