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Deine Lakaien - April Skies (2005) (EMI/EMI Music)

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von Ivana Leiseder am Freitag, 1. April 2005 in Neuerscheinungen   

April, April, der weiss nicht, was er will!

Deine Lakaien - April Skies (2005) (EMI/EMI Music) Da sind unsere beiden Dark Wave-Gothic-Lakaien also endlich wieder. Das Warten auf ein neues Studioalbum der Düstermänner war lange. Sehr lange. Ob es sich auch gelohnt hat?

Ah, die lieben, lieben Lakaien - ein Duo, das mir schon seit Ewigkeiten am (schwarzen) Herzen liegt. Ernst Horn und Alexander Veljanov haben im Laufe ihrer Karriere einige Geniestreiche hingelegt, mit dem letzten Album "White Lies" aber mehr als enttäuscht. Nun sind sie nach drei Jahren Absenz mit dem achten Studioalbum zurückgekehrt, das den überaus treffenden Namen "April Skies" trägt. "April Skies", da die Songs auf dem neusten Streich genauso facettenreich seien wie der Aprilhimmel - sagen sie. Dies ist überaus wohlwollend ausgedrückt, scheint es doch eher der Fall zu sein, dass die Lakaien sich irgendwie nicht entscheiden können, ob sie denn nun gut sein wollen oder nicht. Auf dem Album, auf dem erstmals zahlreiche Gastmusiker der "White Lies"-Tour zu hören sind, die der Musik ein gänzlich neues Gesicht verleihen, wechseln sich nämlich schwache und starke Momente ab - gerade, wenn die Sonne aus dem Dickicht der Wolken hervorlugt, bricht wieder ein tosendes Gewitter aus, das die Begeisterung wegschwemmt. Das Album wird so in gleicher Weise von schlechten wie guten Stücken dominiert. Entstellte, orientalisch anmutende Streicher bestimmen die poppige, tanzbare Singleauskopplung ("Over And Done"), fliehende Violinen verschlingen sich mit herzzerreissenden Celli-Soli zu wunderschünen Songkonstrukten ("Slowly Comes My Night"), verzerrte, ungewohnt rockige Gitarrenriffs stampfen mit harten Elektrobeats um die Wette ("Midnight Sun"), sanfte Chorstimmen werden mit ausdrucksstarken Streicherkompositionen zur Ballade gesponnen ("Satellite"), folkig-mittelalterliche Elemente untermalen eine melancholische Erzählung ("Dialectic"). Das treibende, hypnotische "Heart Made To Be Mine" steigert sich gar sukzessive zu einem apokalyptischen, ausgeklügelten Feuerwerk. All dies wird stets angeführt von Veljanovs emotionsgeladener, dunkler Stimme, die in jeder Hinsicht überzeugt und jede noch so düstere Klage und Hiobsbotschaft glaubwürdig macht.
So viel Neues und durchaus Hörbares sich auch auf dem neusten Streich befindet, gibt es auch einige dunkle Momente, die das Hörvergnügen trüben - so verunstalten z.B. unharmonische, grässliche Frauenchöre, die schon auf "White Lies" ihr Unwesen treiben, die schönen Arrangements ("Secret Hideaway", "When You Lose") oder EBM-lastiges, technoides Gehämmer gesellt sich zu einem anmassenden Text ("Take A Chance"). Bum, bum, bum, "graveyards, dark stars, some lonely princess far away", spricht Veljanov schon beinahe und erzeugt eine pseudo-dunkle, eher belustigende als erschreckende Atmosphäre. Auch nicht gerade zum Vorteil der Lakaien ist der auf französisch gesungene, schlagerartige Track "Vivre", der von Veljanov dahingesülzt wird und die Gehörgänge förmlich krümmen lässt. Nicht nur dieses Stück überzeugt sprachlich in keinster Weise; auf dem unharmonischen, unrhythmischen "Through The Hall" wird zudem mehr als deutlich, dass sich ein Deutschsprechender an der englischen Sprache versucht. Veljanov spricht/singt den Text dermassen holprig aus, dass man beinahe meinen könnte, die Lyrics würden von einem La(ka)ien vorgetragen.
"Enjoy and listen", singt Veljanov und ja, wir versuchen wirklich, den neusten Wurf zu geniessen und ihn uns bis zum Ende anzuhören. Das Hörerlebnis hinterlässt aber aufgrund der Ambivalenz des Albums gemischte Gefühle. Was die beiden Lakaien nach knapp 20 jährigem Bestehen hervorgebracht haben, ist - mit Einbezug einer ordentlichen Portion Gutmütigkeit - alles in allem eigentlich nicht unbedingt sehr schlecht, enttäuscht aber trotzdem und kann früheren Werken nicht das Wasser reichen.
Bleiben wir also bei Altbekanntem und hören uns das grandiose, makellose "Dark Star" zum tausendsten Mal an. Einen Geniestreich wie diesen wird es sowieso kein zweites Mal geben. "There is no hope in heaven, there is no hope on earth." Wie dem auch sei: Auf ein besseres nächstes Album, verehrte Lakaien. Auf mehr Inspiration. Und weniger Prätention. D'accord?


Seit 14. März 2005 im Handel.

Anspieltipps: Over And Done, Slowly Comes My Night, Supermarket (My Angel), Midnight Sun
similar artists: Diary Of Dreams, Helium Vola, Dead Can Dance, Psyche

⇒ Hören und Kaufen ⇒ Offizielle Seite ⇒ Label ⇒ CH-Vertrieb

Bio:
Deine Lakaien bestehen aus dem charismatischen Sänger Alexander Veljanov und dem klassisch geschulten Komponisten, Pianisten und Schlagzeuger Ernst Horn, die sich über eine Annonce kennenlernten und 1985 schliesslich Deine Lakaien gründeten. (Der Name ist von einer Textzeile der Einstürzenden Neubauten geborgt.) Das erste Album erschien 1986 im Eigenvertrieb und Deine Lakaien avancierten nur langsam zum Geheimtipp in der Indie-Szene. Als die Band ihre Musik aber auch auf der Bühne zu präsentieren begann, avancierten Horn und Veljanov zu Kultfiguren. Mit dem dritten Album, "Forest Enter Exit", erlangten sie den grossen Durchbruch. Seitdem erreichten alle Studioalben die Media Control Charts. "Kasmodiah" und "White Lies" platzierten sich gar in den Top 10.

Deine Lakaien - April Skies (2005) (EMI/EMI Music)
Diskographie:
⇒ First Album (1986)
⇒ Dark Star (1991)
⇒ 2nd Star (1991)
⇒ Dark Star Live (1992)
⇒ Forest Enter Exit (1993)
⇒ Acoustic (1995)
⇒ Winter Fish Testosterone (1996)
⇒ Kasmodiah (1999)
⇒ White Lies (2002)
⇒ 1987 (The Early Tapes) (2003)
⇒ Live In Concert (2003)
⇒ April Skies (2005)


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