Der Spannungsaufbau - eine der Qualitäten des britischen Synth-Pop-Trios Depeche Mode. “In Chains“ und “Hole to Feed“ sind zwei eiskalte Tracks, denen die rauen Funk-Gitarren-Riffs von Martin L. Gore hitzige Schübe verpassen. Selbst wenn das Tempo gleich bleibt, die Stücke wirken beschleunigend, eine Startrampe, für das was folgt: Martialisch schreit Dave Gahan im nächsten Stück “Wrong“ über mächtig fortschreitenden Synth-Bass-Flächen – natürlich wirkt das zuweilen lächerlich, aber spätestens wenn zu den hohen Synth-Akzenten Gores Back-Vocals hinzu kommen, ist's um alle geschehen. Die zwei folgenden Stücke führen in die entgegengesetzte Richtung, die Spannung lässt nach und feinfühlige Töne nehmen Überhand. Bei “Fragile Tension“ ist es noch die verzerrte Gitarre im Refrain, die den Song zum Favoriten erhebt, die Ballade “Little Soul“ verzichtet aber gänzlich auf aufgeregte Klänge und zaubert mit einer Vereinung eisiger Keyboard-Flächen und wärmender Gitarren eine derart traumhafte Stimmung herbei, dass durchaus vom besten Song des Albums zu reden ist.
Mit den ersten fünf Songs gelangen Depeche Mode in Höhen, die sie in der zweiten Albumhälfte nicht mehr erreichen. Depeche Mode geraten ins Stolpern, fallen hin (“In Sympathy“, “Miles Away/The Truth Is“) und rappeln sich wieder auf (“Jezebel“, “Come Back“). Und hie und da gibt es auch Stellen, bei denen nicht mehr so klar scheint, wo's lang geht. “Peace“ etwa ist wunderschön und hervorragend eingesungen, aber gleichwohl ist diese Hymne schon so pathetisch, dass die Schmerzensgrenze längst überschritten wurde. Mit dem trashigen Instrumental “Spacewalker“ gewinnen Depeche Mode Sympathiepunkte bei jenen, die das Stück als Hommage an die SpaceAge/Lounge-Sounds der 50er erkennen und zum Albumtitel mag das ja auch gut passen, aber im Albumkontext verpufft das Stück als Füller.
Weniger stringent als der starke Vorgänger, reiht sich “Sounds Of The Universe“ als weiteres gelungenes Album in der Diskographie der besten aller Synth-Pop-Gruppen ein. Ein Album, das sich bei mehrmaligem Hören zwar entfaltet, aber nur selten die gleiche Grösse des direkten Vorgängers erreicht.
Seit. 17. April 2009 im Handel
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Anspieltipps:
> Wrong
> Little Soul
> In Chains
> Fragile Tension
Diskographie:
> Speak And Spell (1981)
> A Broken Frame (1982)
> Construction Time Again (1983)
> Some Great Reward (1984)
> Black Celebration (1986)
> Music For The Masses (1987)
> 101 (1988)
> Violator (1990)
> Songs Of Faith And Devotion (1993)
> Ultra (1997)
> Exciter (2001)
> Playing the Angel (2005)
> Sounds Of The Universe (2009)
Ähnliche Künstler:
> Recoil
> Camouflage
> New Order
> The Human League
> De/Vision
2Kommentar
am Montag, 20. April 2009 08:04
Hab mich das auch schon gefragt, und ich nehm an, es ist so, weil sie den Blues haben ... das auch in musikalischer Hinsicht.
Und Ivle, nur weil der Typ das Stück für seine Kämpfe "verwendete", hat Vangelis "Conquest of Paradise" noch lange nicht für ihn komponiert :D ... ich nehm an, du hast verloren, freu dich auf ausgiebige Dylan-Sessions.