Genre: Pop, Indie | Label: PIAS (Musikvertrieb) | Unsere Wertung: 6.5/10
Der Tanzbär
„Constant
Now“ heisst ein Lied auf „Keep You Close“ und das könnte zugleich auch
das Motto des Albums sein. Die Belgier dEUS bringen uns poppige Melodien
mit zwei Streichresultaten.
Man kann dem neuen Album von dEUS auf zwei Arten begegnen. Entweder man stellt es in den Gesamtkontext der Bandgeschichte oder man betrachtet es für sich alleine, losgelöst von Erwartungen und Idealvorstellungen. Je nachdem unterscheidet sich die Perspektive hinsichtlich Wertung und wählt man die zweite Alternative, so kommt man nicht umhin, „Keep You Close“ ein interessantes, hörenswertes Album zu finden. Wäre das ein Debüt einer neuen Band, dann würde die Reife und die Abgeklärtheit hervorstechen. Man würde in einzelnen Songs Ähnlichkeiten mit R.E.M., Crowded House oder gar – und jetzt nicht gleich durchdrehen – Starsailor ausmachen. Natürlich ist das kein Debüt und natürlich spielt der Gesamtkontext trotz allem eine Rolle. Die Band aus Antwerpen war mit „The Ideal Crash“ ihrer Zeit etwas voraus – mit „Keep You Close“ hinken sie ihr etwas hinterher. Dies alles ändert aber nichts daran, dass Tom Barman immer noch in der Lage ist, den etwas anderen Song zu schreiben.
„Keep You Close“ beginnt sehr stark mit dem Titeltrack sowie „The Final Blast“ und lässt damit zuerst keinen Spielraum für Enttäuschung oder Missgunst. Man ist mittendrin statt nur dabei, von der ersten Sekunde an. Barman geigt einem seine Meinung mal mit Streichern, mal mit Bläsern und sehr oft mit weichem Sound. Es ist kein aggressives, sondern vielmehr ein überlegtes Album, gut ausgewogen und in sich stimmig. Eine gewisse Konstanz ist in den neun Liedern zu erkennen. Das bricht den inneren Widerstand, den man haben könnte, will man „Keep You Close“ unbedingt an dem messen, was die Belgier alles schon geleistet oder eben vielleicht nicht mehr immer geleistet haben. Es gibt zwar Durchhänger, namentlich die beiden musikalischen One-Night-Stands „Ghosts“ und „The End of Romance“, die – sagen wir es einmal vorsichtig – gewöhnungsbedürftig sind. Auf neun Songs hochgerechnet kein unwesentlicher Umstand, der „Keep You Close“ nicht zu einem der besten dEUS-Alben macht. Es ist aber trotz viel Bombast nicht grössenwahnsinnig und verliert sich auch nicht komplett Richtung Pop, sondern fühlt sich oft sogar sehr entspannt und tanzbar an. Das hält dann vielleicht nicht für immer, aber sicher einmal einen schönen Herbst lang.
Seit 16. September 2011 im Handel.
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Anspieltipps:
> Keep You Close
> The Final Blast
> Second Nature
Diskographie:
> Worst Case Scenario (1994)
> In a Bar, Under the Sea (1996)
> The Ideal Crash (1999)
> Pocket Revolution (2005)
> Vantage Point (2008)
> Keep You Close (2011)
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> Ghinzu