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Dinosaur Jr. - Beyond

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von Michael Rothen am Montag, 9. April 2007 in Neuerscheinungen   
Genre: Alternative Rock
Label: Pias
CH-Vertrieb: Musikvertrieb
Unsere Wertung:Dinosaur Jr. - Beyond


Altes Geschütz auffahren...
Beyond...und wie gewohnt mit Kanonen auf Spatzen schiessen, ohne weitere Gefangene zu machen!

Unzählige Tourneen haben es peu à peu angedeutet und nun ist es wahr: Die Alternative Rock-Überväter Dinosaur Jr. haben in Ur-Besetzung eine neue Platte in altem Klangkleid eingespielt. Eigentlich zu schön, um wahr zu sein, nicht?
Nun, wer die Band nicht kennt – bisher nicht kannte – wird wohl heutzutage kaum vollständig nachvollziehen können, warum Dinosaur Jr. fast überall eine derartige "Ich-fall-vor-euch-in-die-Knie"-Huldigung erfahren; zumal der Sound ausgesprochen altbacken und, ich nehme mal schwer an, aufs Band und nicht auf die HD gespult wurde. Die Band, oder besser gesagt hauptsächlich Mastermind J. Mascis haben sich zwar auf ihre eigene Art weiterentwickelt, stehen aber mit ihren musikalischen Vorlieben weiter denn je abseits eines jeden Trends.
Für den Beflissenen kann das zumeist nur Vorteile bieten. Trotz allem: Auch diese Reunion-Baustelle erzeugt Staub und ich mein' nicht nur den aufgewirbelten. War man sich bei den letzten Dinosaur Jr. Alben gewohnt, dass diese kontinuitätsstrotzend von Mascis im Alleingang geschrieben, eingespielt, ja produziert wurden, so stellt man auf "Beyond" ernüchtert fest, dass der Drumsound zu weit nach hinten gemixed, einzelne Gitarrensoli hingegen – welche bei den Urtieren stets genüsslich und genügend oft zelebriert werden – abartig laut und weit nach vorne platziert und einige Kompositionen den Bach hinunter komponiert wurden (klingen mehr nach den Foo Fighters, denn nach ausgestorbenen Tieren).
Fazit: Streckenweise halbgar diese Produktion, wenn auch verbunden mit Sentimentalität, Wehmut und Erinnerungen an die Zeit, die bereits heute jene ist, welche besser war.
Zu den Songs von "Beyond" möchte ich mich lediglich im Sinne von summa summarum äussern: Die Mehrheit der Tracks bedient den Tierliebhaber ganz gut; zwei, drei Vertreter hinken hintendrein, da langweilig, uninspiriert oder belanglos; wie schlechte Lemonheads-Stücke irgendwie.

Wer also Dinosaur Jr. kennt und mag, ist mit "Beyond" ganz okay bedient.
Wer die wirklichen Urgetiere kennenlernen möchte, lässt die Finger von "Beyond" und kaufe sich besser "Bug" (1988).
Wer damit leben kann, dass er Dinosaur Jr. vornehmlich als Ego-Projekt von Zampano J. Mascis entdeckt, halte sich an die herausragenden "Where You Been" (1993) und "Without A Sound" (1994).

Zum Schluss: Der Natur zu trotzen, kann im Allgemeinen nur bedingt gut geheissen werden; ergo sollte Ausgestorbenes beizeiten auch die wohl verdiente Ruhe finden können...


Ab 27. April 2007 im Handel.

Anspieltipps: Almost Ready; Crumble; This Is All I Came To Do; I Got Lost
Trackliste: 1) Almost Ready; 2) Crumble; 3) Pick Me Up; 4) Back To Your Heart; 5) This Is All I Came To Do; 6) Been There All The Time; 7) It's Me; 8) We're Not Alone; 9) I Got Lost; 10) Lightning Bulb; 11) What If I Knew
similar artists: Lemonheads, Sonic Youth, NoMeansNo, Firehose, Throwing Muses, Pixies

> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > MySpace > Label > CH-Vertrieb

Bio:
Der Beginn der 1983 gegründeten Dinosaur endet kurz nach dem 1985er Debut "Dinosaur" mit einer angedrohten Namensklage seitens Robert Hunter (Texter für Grateful Dead) bzw. dessen eigener Band Dinosaur. Daher das geheimnisvolle Anhängsel "Jr." im namen von Dinosaur Jr.
Die sogenannten Wegbereiter des Grunge retten anno dazumals durch krachig-lärmige Inszenierungen und minutenlange Gitarrensoloeinschübe die anderen Merkmale des Vermächtnisses von Grössen wie Led Zeppelin, Black Sabbath oder Deep Purple – fernab der Genital-nach-vorne-streck-Manier des "Gleis 2" Heavy Metal. Schliesslich kommt die Musikwelt damit in den Genuss zweier sich hoch entwickelnden Genres.
Die Millionen werden aber wie im Musikgeschäft so üblich nicht Dinosaur Jr. einheimsen, sondern viel mehr deren Schüler und Nachkommen wie Nirvana und Co.
Die Bandgeschichte der Urtiere ist geprägt durch Differenzen, Spannungen und globale Geringschätzung. So kommt es, dass die Band mal als Originaltrio mit Basser Lou Barlow (Vater von Sebadoh), streckenweise nur als Duo mit Drummer Murph und Frontman J. Mascis oder zu weilen gar als Ego-Projekt von J. (der grundsätzlich alles kann und das sogar überdurchschnittlich gut) Qualitätsplatte um Qualitätsplatte raushauen und dabei stets eine "lediglich" feste Grösse im Underground bleiben. Der Streit und die Rivalität zwischen Lou Barlow und J. wiegen schwer, zu schwer.
1997 trägt ein sichtlich ernüchterter Mascis seinen Wirbelriese zu Grabe: "Die Band hat ihr Rennen gemacht". Gesagt, getan! So widmet er sich seinem alten Nebenjob als Produzent (Breeders, Buffalo Tom usw.) sowie seinem musikalischen Feierabendbier J. Mascis & The Fog.
2005 dann die unglaubliche Versöhnung J. vs. Barlow, inkl. Konzerte in Originalbesetzung mit Drummer Murph; in 2006 schliesslich entering the Homestudio und 2007 die Veröffentlichung von "Beyond"...

Dinosaur Jr.
Diskographie:
> Dinosaur (1985)
> You're Living All Over Me (1987)
> Bug (1988)
> Green Mind (1991)
> Where You Been (1993)
> Jayloumurph (1993)
> Without A Sound (1994)
> Martin + Me (1996)
> Hand It Over (1997)
> More Light (2000)
> Dinosaur Jr. – Live From The Middle East (2007)
> Beyond (2007)


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