Nun gut, gleich vorweg: Ob man denn wirklich so brav ist wie moralabgepostelt wird, sei dahingestellt; wer’s glaubt, wird selig – sei’s drum: Wir glauben’s.
Zur eigentlichen Sache, d.h. der Musik Carl Barâts neuer Band: „Oh, what did you expect?“, singt der Herr auf dem Debütalbum selbstgefällig bzw. entschuldigend und ein Lächeln kann man sich hierbei nicht verkneifen. Die quartettigen Dirty Pretty Things, zu ¾ bestehend aus Ex-Libertines, – im Gegensatz zu jenen sind hier alle vier männlichen Models am Songschreibeprozess beteiligt - machen nämlich tatsächlich nicht mehr als zu erwarten war. Und „nicht mehr als zu erwarten war“ ist diesmal mehr als genug: Spassiger Schrammelrock mit rotzigem Gesang, hie und da netten Trompeten, süssen Gitarrensoli, netten Chörlis, groovendem Bass und feiernden, schnellen Drums. Obwohl Doherty lyrisch wohl eher nicht zu schlagen ist, sind hier überraschenderweise auch die Texte nicht ohne, resp. ganz nett zu goutieren. Meist recht zügig, ja fast speedy gonzalig und ein wenig zappelig, aber ab und an auch ruhig, gemächlich, macht dieses Album mit seinem nicht zu verleugnenden Pop-Appeal und den netten Jedermann-Kann-Sie-Singen-Melodien grossen Spass; man wippt vom ersten bis zum letzten Takt mit. Die Kantigkeit und Rohheit der libertines’schen Musik wird zweifelsohne weitergeführt und im Gegensatz zu Babyshambles zeigt man sich konsequenter, direkter. Wo die Konkurrenten sich nämlich in Bleistiftstrichen verlieren, führen Dirty Pretty Things die Skizze zu einem preschenden, fröhlichen und vor allem kompakten Feuerwerk zu Ende, das schlicht erfreut und auch ohne mossige Handykamera-Skandale Aufmerksamkeit weckt, resp. interessiert. Und an dem es eigentlich nichts auszusetzen gäbe. In diesem einen Falle muss der Oberflächlichkeit aber Einhalt geboten werden und so gibt’s Abzug für die fehlenden Bandfotos im Booklet (frau ist zutiefst enttäuscht) und den sehr, sehr vermissten Pete. Es ist eben doch nicht dasselbe. „We want the Libertines!“, sprach’s und stapfte davon.
Seit 28. April 2006 im Handel.
Anspieltipps: Das ganze Album ist recht lustig.
Trackliste: 1) Deadwood; 2) Doctors And Dealers; 3) Bang Bang You’re Dead; 4) Blood Thirsty Bastards; 5) The Gentry Cove; 6) Gin & Milk; 7) The Enemy; 8) If You Love A Woman.; 9 You Fucking Love It; 10) Wondering; 11) Last Of The Small Town Playboys
similar artists: The Libertines, Babyshambles,
Arctic Monkeys, The Rakes, Razorlight, The
Cribs, Franz Ferdinand, The Others,
The Kooks,
The Strokes, The Kinks.
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Bio:
Dirty Pretty Things bestehen aus den ehemaligen Libertines Carl Barât (Gesang, Gitarre), Gary Powell (Drums) und Anthony Rossomando (Gitarre) sowie Cooper Temple Clause-Bassist Didz Hammond. Die Band wurde 2005 nach der Auflösung der Libertines auf Initiative von Carl Barât gegründet, der zuerst noch einen Solovertrag unterzeichnet hatte. Im November 2005, nachdem sie nach bloss 1-monatigem gemeinsamen Songwritertums erste erfolgreiche Auftritte in Italien absolviert hatten, schloss sich das Quartett in einem Cottage in Cornwall ein, um an neuen Songs zu arbeiten und begab sich daraufhin im Dezember nach L.A., wo es unter Anleitung von Dave Sardy (u.a. Oasis, Dandy Warhols, Marilyn Manson) ihr Debütalbum einspielte. Im April 2006 erschien die erste Single „Bang Bang You’re Dead“, gefolgt vom Debütalbum „Waterloo To Anywhere“.