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Dirty Projectors - Bitte Orca

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von Tobias Imbach am Freitag, 12. Juni 2009 in Neuerscheinungen   

Genre: Experimental Rock  |  Label: Domino (Musikvertrieb)  |  Unsere Wertung: 7.5/10

Bitte OrcaIn Einklang
Das Quartett aus Brooklyn findet zwischen Zugänglichkeit und Extravaganz zum Glück, dies dank unerschrocken freimütigem Denken und erstaunlichem Ideenreichtum.

Eine scheinbar nicht versiegende Quelle an Ideen ermöglicht den Dirty Projectors ihre Abenteuer, seit sechs Jahren immer wieder neu. Ungläubiges Staunen blieb vielen ob dieses grössten Reichtums nur und den Ungeduldigen der Zugang ganz verwehrt. Mit ihrem sechsten Album “Bitte Orca“ scheint die vierköpfige Band um David Longstreth nun aber erstmals die Hand zu reichen, um den Weg zum musikalischen Glück zu ebnen. Ein freudiger Vorbote war im April “Stillness Is The Move“, welches nun hier auf “Bitte Orca“ das vielleicht beeindruckendste Song-Trio dieses Jahres einleitet.

Federnde Afro-Funk-Drums und schiefe Gitarrenfragmente sind die Sprungrampe für Amber Coffman, deren aufgeregte, helle Stimme in R&B-Höhen aufgeht und dort bald von wunderbaren Streichern umhüllt wird. Der anderen weiblichen Stimme der Dirty Projectors, jener von  Angel Deradoorian, gehört das darauf folgende “Two Doves“. Die Art und Weise, wie sie die wundersame Nummer singt, erinnert sehr an Nico, dazu kommt zärtliches Gitarren-Fingerpicking und Streicher, wie sie auch Nick Drake schon so schön einzusetzen wusste.

Zu diesen zwei Kontrasten gesellt sich mit “Useful Chamber“ ein dritter hinzu, der die Dirty Projectors vollkommen in ihrem Element aufgehen lässt. Elektronische Beats, wabernde Synthies, Stimmen mal laut und mal leise geben gemeinsam mit dicken Glam-Rock- und liebliche Folk-Gitarren Ideen wieder, die bei anderen Künstlern für ganze Alben reichen. In seiner Überladenheit scheinen auch Verweise auf Art-Rock-Bands aus längst vergangenen Zeiten gar nicht so verkehrt, die wild und nervös wirbelnde Gitarrenspiel im euphorischen Zwischenteil geben hier Recht, aber alle Ideen weisen in diesem Album-Herzstück in dieselbe Richtung und die zeigt für einmal nur auf den Hörer.

Immer ist das auf “Bitte Orca“ allerdings nicht so, nach dieser kaum zu überbietenden Abfolge von kleinen Meisterwerken geht “Bitte Orca“ etwas die Luft aus. “No Intention“ hat zwar einen ähnlich  luftigen Beat wie “Stillness...“, schöne Handclaps und hübsche Back-Vocals dazu, verliert sich aber doch in mässig inspiriertem Gedudel. Süsslich-sommerliche Melodien lösen sich in “Remade Horizon“ mit Afro-Singalongs und Prog-Rock-Passagen ab, im abschliessenden “Fluorescent half-dome“ ist es eine herrliche Streichermelodie, die das Ohr am meisten reizt, der Rest verblasst wohlklingend, aber ohne Wirkung. Zwingender sind die die beiden ersten, rockigeren Stücke “Cannibal Ressource“ und “Temecula Sunrise“, die mit beeindruckendem instrumentalem Können wiedergegeben werden, ohne dass dabei der Pop gänzlich verloren ginge - eine langanhaltende Begeisterung wie in der Albummitte will sich aber auch hier nicht einstellen.

Die schönste Eigenheit von “Bitte Orca“ haftet aber auch all diesen Songs an. Es sind die  überwältigend schönen Gesangsharmonien, denen dieses Album seine Einzigartigkeit zu verdanken hat und die zwingen, ins einhellige Lob miteinzustimmen.

Seit  05. Juni 2009 im Handel. 

> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > MySpace > Label > CH-Vertrieb
Dirty Projectors
Anspieltipps:
> The Bride
> Stillness Is The Move
> Two Doves
> Useful Chamber
 
Diskographie:
> The Graceful Fallen Mango (2002)
> The Glad Fact (2003)
> Morning Better Last! (2003)
> Slaves' Graves and Ballads (2004)
> The Getty Address (2005)
> Highlights From The Getty Address (2006)
> New Attitude EP (2006)
> Rise Above (2007)
> Bitte Orca (2009)

Ähnliche Künstler:
> Little Wings
> The Microphones
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