Trux Reverb ist eine Momentaufnahme, spontan, skizzenhaft, befremdend
und faszinierend.
Ein waschechtes Rockmärchen, das die Winterthurer Band Disco Doom erleben durfte. Nach der Einladung als Supportact für die Europatour mit Built To Spill wird die Band angefragt, ob sie auch gleich in den USA mit ihnen auf Tour wollen. Disco Doom wollen und tun es auch. Drei Monate on the Road mit Built To Spill und Dinosaur Jr. Über 50 Shows und dazwischen Highways, Motels, Wüsten, Wälder, Küsten und, denn darüber dürfen sich auch die Daheimgebliebenen freuen: die Avast! Studios in Seattle.
Das Resultat dieser Aufnahmesessions heisst "Trux Reverb". Mitgewirkt haben neben den fixen Bandmitgliedern Gabriele de Marco und Anita Rufer (beide Gitarren und Gesang) auch Jason Albertini (Schlagzeug) sowie als Soundengineer und Musiker bei zwei Tracks Jim Roth von Built To Spill.
Ich schreibe von Tracks, nicht von Songs, weil sich die Stücke doch stark von herkömmlichen Arrangements unterscheiden. Genau das ist die Kraft, die in diesem Tonträger steckt, eine spontane Vertonung von Eindrücken, die fast ohne Gesang ungewöhnliche und eindrückliche Klanglandschaften malt. Es ist eine dieser Cds, bei der ich nach dem ersten Durchlauf denke „mmh, was ist denn das?“ und nach dem zweiten bereits die schreienden hallbeladenen Gitarren aus "Trux Reverb" nicht mehr aus dem Ohren kriege (dieser geile Akkordwechsel auf Tief). Der Gitarrensound auf der ganzen EP ist erste Sahne, Gabriele und Anita lassen die Röhren röhren. "The Cabin" ist ein stampfender Uptemporocker, rumpelt und humpelt. "Star Drone" torkelt durch die Takte, der Boden fliesst und das Firmament neigt sich. "Them!" klingt irgendwie drahtig und durch die repetitiven Muster, kommt so eine verlassene, indifferente „Ich warte mal, vielleicht kommt ja heute noch ein Bus-Atmosphäre“ auf. "Sands Inn" ist ruhig und mit akustischer Gitarre und sanftem Gesang vielleicht am nahesten bei einem herkömmlichen Song.
Passen muss ich beim abschliessenden "Port Land". Eine geschlagene Viertelstunde lang, eintönig und etwas dissonant. Die beklemmende Atmosphäre des Stücks macht mir einfach zu selten Lust auf Zuhören. Ohne diesen Abschluss hätte mir nichts gefehlt und die Scheibe wäre kompakter und schlüssiger als Gesamtwerk.
A propos Gesamtwerk, an dieser Stelle muss unbedingt auch das tolle Coverartwork erwähnt werden. Schlicht und etwas verschwommen gibt es hervorragend die Stimmung des Albums wieder. Sehr ansprechend.
Mit "Trux Reverb" haben Disco Doom eine eigenwillige Scheibe abgeliefert, mit der sie eindrucksvoll zeigen, dass sie zu den talentiertesten Rockbands der Schweiz zählen. In dem Sinne freue ich mich sehr auf das nächste Album.
Seit 26. November 2010 im Handel.
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Anspieltipps:
> Trux Reverb
> Sands Inn
Diskographie:
> rrkr (2002),
> Binary Stars EP, (2003)
> Disco Doom/Ventura , Split 10“, (2005)
> Dream Electric (2008)
> Trux Reverb (2010)
Ähnliche Künstler:
> Sonic Youth
> Nirvana