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Disco Ensemble - The Island of Disco Ensemble

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von Severin Kolb am Mittwoch, 3. November 2010 in Neuerscheinungen   

Genre: Pop-Punk, Emo, (Indie)  |   Label: Fullsteam Records (Lautstark)  |  Unsere Wertung: 5.5/10

The Island of Disco EnsembleDie Daumen im Wind
Trotz einer scheinbar perfekt laufenden Bandkarriere blieben die Verkäufe des neuen Albums der finnischen Band mit dem natürlich überhaupt nicht ironisch gemeinten Namen Disco Ensemble eher gering. Warum hat die Band mit diesem Album nicht den grossen Durchbruch geschafft? Eine Diagnose.

Vor zwei Jahren stiegen die Disco-Boys mit einem erstaunlich fiesen Electro-Hardcore-Indie-Punk-Brett namens "Bad Luck Charm" in die Top 10 der finnischen Charts ein und hievten das zugehörige Album auf die Spitze. Zum Ansehen der Band haben Touren im Vorprogramm von Linkin Park, Donots und Danko Jones und ein Track für das Game FIFA08 beigetragen. 

Auf der neuen CD "The Island of Disco Ensemble", die in Finnland schon im Mai herauskam, bewegt sich das Ensemble trotz des stylisch bunten Covers weiter in die Richtung Stadion-Punk meets Emo (eher Green Day als Gaslight Anthem). Damit sind sie längst in Amerika angekommen. Die Synthesizer, die "Bad Luck Charm" aus der Masse stechen liessen, sind wieder im Schrank gelandet und die Shouts, die das letzte Album eingeleitet haben, mussten cleanem Gesang weichen. Trotz dieser Wendung hin zu massentauglicheren Elementen verkaufte sich das Album viel schlechter als der Vorgänger und keine der drei Singles konnte sich in den Charts behaupten. 

Dennoch beginnt das Album vielversprechend mit "Bay of Biscay", das unter Trommelkaskaden und mit The Smiths-Gitarre (!) veredelt, die Tiefen der menschlichen Seele und deren Einsamkeit mit Meeresmetaphorik beschwört. Auch die nächste Nummer "Pitch Black Cloud" funktioniert durch die Parallelschaltung von menschlicher Psyche und romantisch verklärter rauher Landschaft hervorragend und erweist sich durch die Ohrwurmqualität als Höhepunkt der CD. Die Single-Auskopplung "White Flag for Peace" geht ebenfalls in Ordnung: Der bei weitem punkigste Track liefert die einzige Verbindung zum Genre Hardcore (dem die Band zum Teil zugeordnet wird) durch das indirekte Namedropping der legendären Band Black Flag. Kritik an der Konsum- und Partygesellschaft kann um einiges platter ausfallen. 

Was bis jetzt sehr gut funktioniert hat und den Vergleich zu The Offspring und Green Day nicht zu scheuen braucht, entgleist dann nach der eher uninteressanten und schwülstigen Power-Ballade "Protector". "So cold" trieft vor Pathos ("I'm so cold, just give me something to feel"), zitiert überflüssigerweise "Don't cry for me Argentina" und "Candle in the Wind" und die Synths erinnern an Flöten. 

Ebenfalls überflüssig ist das siebte Stück des Albums, "Life of Crime", für das wohl Bonnie & Clyde Pate standen. Wie ein Fremdkörper steht es zwischen den doch ziemlich emotionalen Tracks. Auch der Rest des Albums fällt beim Vergleich mit dem Anfang drastisch ab. "Semi Eternal Flame / Undo" ist so schlaff, als wäre es nach einem dreistündigen Saunabesuch mit Kater entstanden (Sorry, doch noch Finnenklischees...). Mit dem letzten Track ist dann der Tiefpunkt erreicht: Die Gitarrenmelodie in "Samantha" ist käsig wie schale DJ-Ötzi-Synths und wie oft bei letzten Tracks auf CDs von Gitarrenbands werden fremde Instrumente integriert, hier ein Piano, das kein bisschen zum Rest des Albums passt. 

Das Album macht vor allem wegen der halbgaren zweiten Hälfte einen nicht sehr guten Gesamteindruck. Vielleicht merkt man den Tracks einfach zu sehr an, dass die Band nach den Sternen greifen wollte und den gefühlsduseligen (aber oft ziemlich akzeptablen) Broadway-Punk von Green Day & Co. anvisierte. Von der Eigenständigkeit, die im wirklich guten letzten Album an vielen Stellen zu spüren war, ist hier nicht mehr viel übrig. 

Seit 11. Juni 2010 im Handel.


Anspieltipps: 
> Bay of Biscay 
> Pitch Black Cloud 

Diskographie:
> Memory Three Sec EP (2000) 
> Ghosttown Effect EP (2001) 
> Viper Ethics (2003) 
> Magic Recoveries (2008) 
> Back on the MF Street EP (2009) 
> The Island of Disco Ensemble (2010) 

 Ähnliche Künstler: 
 > Green Day 
> The Offspring 
> Kids in Glass Houses 
> Set Your Goals 
» 1 Kommentar
1"novotny"
am Sonntag, 7. November 2010 18:11von Jojo
9.5/10
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