Mit Musik in den Kampf gegen AIDS: so das Kredo der Red Hot
Organization. Auf der 22igsten Folge ihrer Charity-Compilation-Reihe
findet sich exklusives Material von scheinbar allen möglichen aktuellen
Indie-Rock/Folk-Darlings.
In ihrer knapp 20-jährigen Geschichte legten Red Hot den musikalischen Fokus auf Komponisten wie Tom Jobim oder Cole Porter, aber auch auf auf Stile wie den alternativen Rock oder Hip Hop. Auf der neuesten Folge stehen nun folkige Klänge im Mittelpunkt, der Titel des Samplers hätte sowas bereits vermuten lassen können; ist er doch an den vielleicht berühmtesten Titel der Blues-Legende Blind Willie Johnson angelehnt.
Das Titelstück ist eine von vielen Coverversionen, die neben zahlreichen exklusiven Originalen ihren Weg auf die über zweistündige Sammlung gefunden haben. Die starke “Dark Was The Night“-Interpretation des Kronos Quartets ist auf der ersten der zwei CDs zu finden, für die den beiden Kuratoren Aaron und Bryce Dessner (von The National) ausserordentliches Lob auszusprechen ist. Meist zarte und milde Beiträge von verwandten Künstlern wie
Feist/
Ben Gibbard, Yeasayer,
Antony,
The Decemberists,
Grizzly Bear oder Iron & Wine sind schlau aneinander gegliedert und machen die erste CD zu einer stimmigen Angelegenheit, die aber nur selten für Begeisterungsstürme sorgen kann.
Bon Iver, der mit “Brackett, W9“ einen weiteren grossartigen Track abliefert, ist hier eine Ausnahme. Eine weitere stellt
Sufjan Stevens' zehnminütiges Castanets-Cover “You Are The Blood“ dar, das in pompöser Manier klassische Klaviersoli und treibende Posaunen mit Elektro-Bleeps und -Beats vereint und all jene wieder aufweckt, die bei den eher harmlosen Klängen zuvor eingenickt sind. Und ebenfalls erwähnenswert:
My Brightest Diamond bringen den Beweis, dass Nina Simones “Feeling Good“ trotz Michael Bublé und Muse immer noch nichts an Reiz verloren haben muss.
Die zweite Disc umfasst ebenfalls meist solide bis sehr gute Beiträge von Indie-Favoriten wie
Beirut, Arcade Fire,
Andrew Bird,
Conor Oberst, Yo La Tengo,
Cat Power oder
My Morning Jacket. Einige klare stilistische Ausbrüche sorgen auf dem zweiten Teil für mehr Abwechslung. Während Soulsängerin
Sharon Jones dem Shuggie Otis-Meisterstreich “Inspiration Information“ die Ehre erweist, verwandelt der experimentierfreudige MC Buck 65 “You Are The Blood“ von CD 1 in einen gespenstischen und elektrolastigen Hip-Hop-Track. Gespenstisch schön und ein weiteres Kaufargument ist “When The Road Runs Out“, das aus einer Zusammenarbeit der Devastations mit Blonde Redhead hervorgegangen ist. Besonders schön sind die gleich aufeinander folgenden Titel von Stuart Murdoch und Riceboy Sleeps. Während der Belle&Sebastian-Sänger in seinem zweiten Soloversuch (“Another Saturday“) begeistert und in wundersame Melancholie versetzt wie schon
beim ersten Mal, stehen Riceboy Sleeps für seelenwärmenden Ambient, wie er viel schöner gar nicht sein kann.
Nummern, die sofort begeistern, sind an einer Hand abzuzählen, aber dennoch, jeder Song ist es wert, angehört zu werden, keiner der vertretenen Künstler enttäuscht. Und ehrlich: Wer wäre schon nicht überrascht gewesen, wenn all diese Künstler ihre besten Songs und grössten Hits verschenkt hätten?
Für eine uneingeschränkte Kaufempfehlung gibt es, so oder so, Gründe genug.
Seit 13. Februar 2008 im Handel.
> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > MySpace > Label > CH-Vertrieb
Anspieltipps:
> The Books featuring Jose Gonzalez - Cello Song
> Feist + Ben Gibbard - Train Song
> Bon Iver - Brackett, W9
> Kronos Quartet - Dark Was The Night
> Sufjan Stevens - You Are The Blood
> Sharon Jones & The Dap-Kings - Inspiration Information
> Buck 65 featuring Sufjan Stevens, Serengeti - Blood Pt 2
> Blonde Redhead + Devastations - When the Road Runs Out
> Stuart Murdoch - Another Saturday
Trackliste
> Disk: 1
1. Dirty Projectors + David Byrne - Knotty Pine
2. The Books featuring Jose Gonzalez - Cello Song
3. Feist + Ben Gibbard - Train Song
4. Bon Iver - Brackett, W9
5. Grizzly Bear - Deep Blue Sea
6. The National featuring Nico Muhly - So Far Around the Bend
7. Yeasayer - Tightrope
8. My Brightest Diamond - Feeling Good
9. Kronos Quartet - Dark Was the Night
10. Antony + Bryce Dessner - I Was Young When I Left Home
11. Bon Iver + Aaron Dessner - Big Red Machine
12. The Decemberists - Sleepless
13. Iron and Wine - Die
14. Grizzly Bear + Feist - Service Bell
15. Sufjan Stevens - Blood
> Disk: 2
1. Spoon - Well-Alright
2. Arcade Fire - Lenin
3. Beirut - Mimizan
4. My Morning Jacket - El Caporal
5. Sharon Jones & The Dap-Kings - Inspiration Information
6. Dave Sitek - With A Girl Like You
7. Buck 65 (featuring Sufjan Stevens and Serengeti) - Blood Pt 2
8. The New Pornographers - Hey, Snow White
9. Yo La Tengo - Gentle Hour
10. Stuart Murdoch - Another Saturday
11. Riceboy Sleeps - Happiness
12. Cat Power and Dirty Delta Blues - Amazing Grace
13. Andrew Bird - The Giant Of Illinois
14. Conor Oberst + Gillian Welch - Lua
15. Blonde Redhead + Devastations - When the Road Runs Out
16. Kevin Drew - Love vs. Porn