Zusammen mit den ’Le Pop’- und ’Rue des chansons’-Reihen
zählen die Folgen der ’Le tour’ zu den besten und renommiertesten
Samplern, die sich mit den aktuellen Bewegungen in der alternativen
Musikszene Frankreichs auseinandersetzen.
Was die ’Le tour’-Sampler erst mal von der ’Konkurrenz’ unterscheidet, ist, dass sich DJ Thomas Bonet mitnichten nur auf das konzentriert, was als ’Nouvelle Chanson’ bezeichnet wird, sondern Neuigkeiten aus verschiedensten Stilecken vorstellt - diesem Prinzip blieb Bohnet auch bei Folge Drei treu. Dass Madame aber nicht nur vom Cover lächelt, weil sie hübsch ist, sondern auch weil bei dieser Tour laut Bohnet die Frauen den Ton angeben, ist hingegen ein Punkt, der den dritten Teil von den früheren Ausgaben unterscheidet.
Hierzulande schon bekannte Künstlerinnen wie Emilie Simon und Anaïs sind genauso vertreten wie die obligatorischen Geheimtipps. Zu den bemerkenswertesten darunter zählen Olivia Ruiz, Sandrine Kiberlain (mit der vielleicht schönsten Kitschnummer des Jahres, “Y’a du monde“) und La position du tireur couché, die mit “Bête“ den Songreigen eröffnen. Man staunt und ist begeistert, denn der Titel könnte auch von Gainsbourg geschrieben und von der Bardot interpretiert worden sein.
Mindest genau so viele Stücke stammen aber auch vom anderen Geschlecht, was zwar keinerlei Rolle spielt, aber trotzdem angemerkt sei. Doch was zählt ist die Qualität, und die Beiträge fröhlicher Lieblinge wie La Rue Ketanou oder Babylon Circus, aber auch melancholischerer Acts wie Cali und Dionysos überzeugen ohne Wenn und Aber. Interessant sind wie immer auch die Stücke, bei denen arabische Elemente miteinfliessen (stark: Ridan, eher schwach ist dagegen der Beitrag von Rachid Taha).
Die Tour endet diesmal am selben Ort, wo sie auch begann: Bei Serge Gainsbourg. Die traditionelle Wahl eines nichtfranzösischen Acts fiel diesmal auf die Lausanner Core 22, deren Neuinterpretation von “Je t’aime (moi non plus)“ zwar einigermassen originell ausfiel, aber trotzdem nicht wirklich hörenswert ist.
Vielleicht von letzterem Stück abgesehen, präsentiert Thomas Bohnet aber auch hier wieder den Sound, der in Frankreich wirklich gehört wird, darunter einige wahre Geheimtipps und Perlen, die man sich nicht entgehen lassen sollte. Alles in allem, sind die frühren Folgen etwas stärker – sollten jene aber nicht schon in der Sammlung sein oder sollte die Aktualität keine grosse Rolle spielen (“Le tour 3“ ist diesbezüglich definitiv vorne mit dabei, das Gross der Beiträge stammt aus diesem und dem vergangenen Jahr), ist der Griff zu den früheren Folgen der Tour oder anderer Reihen empfehlenswerter.
Seit 20. Oktober 2006 im Handel.
Anspieltipps: La position du tireur couché – Bête, Babylon Circus - J'aurais bien voulu, Sandrine Kimberlain - Y'a du monde, Dionysos - Tes lacets son des fées
Trackliste: 1) La position du tireur couché - Bête; 02) Anaïs - Mon coeur mon amour; 03) Emilie Simon - Fleur de saison; 04) Olivia Ruiz - J'traine des pieds; 05) Florent Pagny - Ma liberté de penser; 06) Marc Lavoine feat. Bambou - Dis-moi que l'amour; 07) La Rue Ketanou - Les hommes que j'aime; 08) Babylon Circus - J'aurais bien voulu; 09) Ridan - Le quotidien; 10) Sinsemilia - tour le bonheur du monde (Radio Edit); 11) Dobacaracol – Étrange; 12) Sandrine Kimberlain - Y'a du monde; 13) Pauline Croze - Mis à nu; 14) Dionysos - Tes lacets son des fées; 15) Cali - Je m'en vais (après Miossec); 16) Rachid Taha - Rock el Casbah; 17) Phonoboy - Pas de temps (LeTour Mix); 18) The Lovers - Bring your chaos; 19) Core22 - Je t'aime (moi non plus)
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Bio:
DJ Thomas Bohnet beschäftigt sich seit etlichen Jahren — als Musikjournalist für Spex, Süddeutsche Zeitung, Schweizer Radio DRS 3, als DJ und als Konzertveranstalter bei targetConcerts — mit französischer Musik.
Mitte der 90er Jahre, also lange vor dem gegenwärtigen "Franzosen-Hype", veranstaltete der Musikjournalist und Konzertveranstalter Thomas Bohnet in seiner alten Heimat Konstanz im Foyer des Kulturzentrums K 9 erstmals Disco-Abende, an denen unter dem Titel TOUR DE FRANCE ausschliesslich französische Musik gespielt wurde.
Im November 2003 ist in Zusammenarbeit mit dem rührigen Frankfurter Label Local Records die CD LeTour — The Best In French Alternative Music entstanden. 2004 und 2006 erschienen zwei Nachfolger.