Klänge aus Westafrika erfreuten sich immer wieder einer bemerkenswerten Beliebtheit in unserer alternativen Popmusik. Sechs Jahre vor Paul Simons “Graceland“ griffen die Talking Heads bereits Big Band-Rhythmen auf, heute sind es vorwärts denkende Kräfte wie Damon Albarn, die Foals, Yeasayer, TV On The Radio oder Vampire Weekend, die sich alle explizit auf die Rhythmen und Instrumente des schwarzen Kontinents berufen. Das macht neugierig und die neuen potentiellen Lauscher dürften Strut Records dazu veranlasst haben, ihren ersten “Nigeria70“-Sampler neu aufzulegen. So oder so eine gute Sache – schliesslich ist der 23 Titel starke Sampler einer der feinsten seiner Zunft und war seit viel zu langer Zeit nur noch zu immensen Preisen zu erwerben.
Wer traditionelle afrikanische Musik sucht, ist mit “The Definitive Story Of 1970's Funky Lagos“ eher schlecht beraten. Nigeria war in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts Teil des British Empire. Dies hinterliess seine Spuren, die ganze Kultur und nicht zuletzt die Musik auf der hier besprochenen Musiksammlung bezeugen dies.
So treffen hier karibische Klangfarben auf westafrikanische Drumming-Tradition, angereichert wird das durch viele viele (elektrische) Gitarren, westliche Pop-Harmonien und Jazz-Bläser – das nennt sich dann Juju Music oder Highlife und damit sind nur zwei von den vielen Spielarten genannt, die sich auf dieser abwechslungsreichen Zusammenstellung eingefunden haben. Über all dem thront fast immer der mächtige Funk. “La La La“ von Segun Bucknor hätte mit seinen stolpernden Breaks und rauen Bläsern auch fast genauso gut aus dem amerikanischen Süden kommen können. Auch Peter Kings “Shango“ ist die reinste Afro-Funk-Euphorie und klingt etwa so wie Sonnenschein klingen dürfte. “No Discrimination“ von Afrobeat-Pionier Tony Allen kühlt da mit seinen jazzigen Vibes wieder etwas ab. Neben Tony Allen sind mit Fela Kuti, Orlando Julius und King Sunny Ade drei weitere Musiker vertreten, die zu den berühmtesten und wichtigsten Musikern des Landes gehören.
Die Kollegen bei Strut hätten allerdings keinen solch hervorragenden Ruf als Goldgräber, würden sie nur schon bekannte Schätze offenlegen und so gehört der grösste Teil der fast 150 Minuten Spielzeit eher unbekannten Künstlern, die öfters für ungläubige Ohren sorgen.
Wenn Bongos Ikwue etwa “God made the man, and the man made the woman, but the woman made the devil and we’ll throw her out through the window“, singt und das alles dabei nach Americana mit starkem Blues- und ganz leichtem Funk-Touch klingt, traut man kaum seinen Ohren. Ähnliches gilt auch für die elektrisierende Psych-Rock-Nummer “Allah Wakbarr“ von Ofo The Black Company und nicht weniger für “Kita Kita“ von Gasper Lawal, bei dem ein staubiges Saloon-Piano auf dubbige Hall-Effekte trifft.
Auch wenn der ganze Sampler von einer warmen Freundlichkeit und Heiterkeit durchströmt ist, teils bis zu viertelstündige Afrobeat-Exzesse können dem Ahnungslosen schnell den Garaus machen. Aber mal ehrlich, wessen Interesse das musikalische Afrika nur ein wenig geweckt hat – für den führt an diesem Schmuckstück schlicht nichts vorbei.
Seit 23. März 2009 im Handel.
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Anspieltipps
> Koola Lobitos - Ololufe Mi
> Segun Bucknor & His Revolution - La La La
> Peter King - Shango
> Tony Allen & His Afro Messengers - No Discrimination
> William Onyeabor - Better Change Your Mind
> Sahara All Stars - Enjoy Yourself
> Joni Haastrup - Greetings
> Gasper Lawal - Kita Kita
> Fela Anikulapo Kuti & Africa 70 - Upside Down (feat. Sandra Akanke Isidore)
> King Sunny Adé - Ja Fun Mi (Instrumental)
Trackliste:
> CD 1
1. Koola Lobitos - Ololufe Mi
2. Monomono - Tire Loma Da Nigbehin
3. Blo - Chant to Mother Earth
4. Fela Anikulapo Kuti & Africa 70 - Jeun Ko Ku (Chop 'N' Quench)
5. Tunji Oyelana - Ifa
6. Bala Miller & the Great Music Pyrameeds of Afrika - Ikon Allah
7. Segun Bucknor & His Revolution - La La La
8. Peter King - Shango
9. Tony Allen & His Afro Messengers - No Discrimination
10. Sir Victor Uwaifo & His Melody Maestroes - Akayan Ekassa
11. William Onyeabor - Better Change Your Mind
12. Bongos Ikwue - Woman Made the Devil
> CD 2
1. Orlando Julius & His Afro Sounders - Alo Mi Alo (Parts 1 & 2 )
2. Ofo & the Black Company - Allah Wakbarr
3. Sahara All Stars - Enjoy Yourself
4. The Funkees - Dancing Time
5. Afro Cult Foundation - The Quest
6. Joni Haastrup - Greetings
7. Gasper Lawal - Kita Kita
8. The Lijadu Sisters - Orere Elejigbo
9. Fela Anikulapo Kuti & Africa 70 - Upside Down (feat. Sandra Akanke Isidore)
10. Shina Williams & His African Percussionists - Agboju Logun
11. King Sunny Adé - Ja Fun Mi (Instrumental)