Obwohl gerade bei einem Konzeptalbum wie dem unter Prautzschs Pseudonym Palac erschienenen „Ghosts“, welches nicht zuletzt vom Zusammenspiel der verschiedenen Tracks lebt, die Gefahr gross ist, mit einem Remixalbum kläglich zu scheitern, geschieht dies hier zum Glück nicht.
Dass im Palac-Universum - im Gegensatz zu unserer mit Wundern wenig gesegneten Realität - Gespräche mit Geistern bestens funktionieren, ist vor allem auf zwei Gründe zurückzuführen: Erstens gelingt es fast jedem der auf dem Album vertretenen Künstlern, dem Original eine neue Dimension hinzuzufügen, ohne aber die spukhafte Grundlage zu verleugnen. Es wurde immer mehr getan als einfach nur ein neuer Beat hinzugefügt, es wurde aber auch nicht nach Aphex-Twin-Manier die Vorlage gänzlich vergessen. Zweitens lädt „Talking To Ghosts“ dazu ein, sich mit den unbekannten, aber sehr begabten Künstlern, welche hier eine Arbeit abgeliefert haben, zu beschäftigen. Das Album dient also auch als Sprungbrett in neue musikalische Gewässer.
Wenig erstaunlich haben sich gleich drei Acts dem mit einer Herz zerreissend melancholischen Melodie unterlegten „Perish“ angenommen. Beneva Vs. Clark Nova aus Norwegen haben dem Titel unter anderem mit einem Klavier eine gewisse Wärme eingehaucht, aber auch eine gute Portion Glitch. Das Resultat tönt, sehr grob beschrieben, wie eine Mischung aus den vom Duo als Vorbild genannten Autechre und Sigur Rós. Interessant, dass der Remix und das Original auf die Sekunde gleich lang sind, aber doch sehr unterschiedlich klingen. Ganz anders kommt „Perish II“ von Ennio Mazzon daher, welcher den Titel in Richtung Drone Ambient verschiebt; oder ums mit den beiden künstlerischen Identitäten von Prautzsch auszudrücken: Der Titel klingt so, als ob die Ambient-Fieldrecording-Identität Peter Prautzsch für den eher clubtauglicheren Palac einen Remix erzeugt hätte. Am kraftvollsten wirkt die Version von Talkingmakesnosense aus Schottland. Mit viel Hall, Knistern und Rauschen mag man sich an Philip Jeck erinnert fühlen.
Obwohl sicher nicht jede Nummer gleich gut gelungen ist, geht das grösste Ärgernis von einem kleinen Detail aus: Die Tatsache, dass der Rechenzentrum-Titel den Namen „The Ghosts Of Derry 72“ trägt, empfinde ich als gänzlich unpassend. Da „Ghosts“ und „Talking To Ghosts“ zwar bedrohlich und geisterhaft, aber immer auch wie aus einem viktorianischen Märchen daher kommen, scheint dieser Hinweis auf ein reales blutiges Ereignis, den Bloody Sunday im Jahre 1972, so gar nicht ins Konzept zu passen. Abgesehen davon mag der sich langsame aber stetig vorwärts schleppende Track durchaus zu überzeugen.
Wer „Ghosts“ mochte, wird sicherlich auch „Talking To Ghosts“ in sein Herz schliessen - und als kleine Zugabe dank den überarbeiteten Versionen neue Details am Original entdecken. Aber auch unabhängig vom ursprünglichen Album bietet die fünfte Palacmusic-Veröffentlichung eine gelungene Reise in verschiedene Genres der elektronischen Musik.
Seit 01. Juni 2009 im Handel.
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