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DJ Dolores - Aparelhagem (2005) (ZYX/RecRec)

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von Tobias Imbach am Dienstag, 21. Juni 2005 in Neuerscheinungen   
Frischer Wind

DJ Dolores - Aparelhagem (2005) (ZYX/RecRec) Das Aufeinandertreffen von brasilianischen und elektronischen Klängen – eine “altbekannte“, gerade in Europa auf besonders viel Resonanz stossende Kombination. So erklingen solche Tunes schon seit Jahren permanent aus den Lautsprechern in schicken Lounges, Clubs oder dem heimeligen Wohnzimmer.


Innovatives erwartet der Hörer beim neuesten Output des brasilianischen Künstlers DJ Dolores nicht. Die Ergüsse von musikalischen Verwandten bewegen sich schon seit Jahren in einem ziemlich ähnlichen Klangkosmos, besondere Wagnisse werden da generell nicht eingegangen – den gemeinen Hörer scheint das allerdings nicht wirklich zu stören, wie ein Blick auf die hohen Verkaufszahlen einschlägiger Sampler wie “Brazilectro“ beweist.
Im Gegensatz zu den vorwiegend aus Europa stammenden Musikern, die hierzulande Erfolge feiern, lebt DJ Dolores in der Hafenstadt Recife im Nordosten Brasiliens, die neben São Paulo eines der wichtigsten musikalischen Zentren Brasiliens darstellt.
Und im Gegensatz zu Trüby und Co. bedient sich DJ Dolores, stellt der gewillte Hörer beim Anhören von “Aparelhagem“ erfreut fest, vor allem bei nordbrasilianischer Folklore, was seinem Sound einen vollkommen anderen Touch verleiht.
Schon im lässig groovenden Opener “De Dar Dó“ wird deutlich, dass sich DJ Dolores’ Musik in eine andere Richtung bewegt. Elektronische Spielereien, Funk und “Embolada“, eine rapähnliche Gesangsform, treffen hier aufeinander. Die Sängerin Isaar wirkt bei diesem und vielen anderen Stücken prägend mit.
Nach den ersten zwei netten, aber nicht wirklich begeisternden Stücken, folgt mit dem housigen “Salvo! (The Preacher)“ ein erster Hit. Im Zentrum steht hier ein mitreissendes Bläserensemble, das zum fröhlichen Mitwippen einlädt.
Bei den darauf folgenden Stücken werden munter und wild verschiedenste Stile ineinander gemischt: Reggae, Drum’n’Bass, Jazz und Maracatú kommen genauso zum Zug wie osteuropäische Folklore im besonders schönen “Matilha (Pack Of Dogs)“, bei dem DJ Dolores von dem bekannten Klezmer-Musiker Frank London unterstützt wird. Vollkommen überzeugen kann das Ganze zwar nicht immer, aber interessant sind auch diese Stücke allemal.
Ohne Frage weitere Highlights stellen das mit Brega-Elementen angereicherte “Sanidade (Sanity)“ und “A Espuma Dos Dias (L'écume de nous)“ dar, das dem (auch vom Rezensenten hoch geschätzten) französischen Musiker und Schriftsteller Boris Vian gewidmet wurde.
Bei den letzten Stücken wird wiederholt karibischen Rhythmen und der avantgardistischen Elektronik gefrönt – das Resultat wirkt durchaus positiv.
DJ Dolores bringt definitiv frischen Wind in die Brazil/Elektro/Fusion-Szene.
Hörer, die gewöhnungsbedürftige Klänge abschrecken oder “Stilmixe“ nicht mögen, sollten vorsichtigerweise die Finger von diesem Album lassen. Alle anderen dürften ruhig ein Ohr wagen.


Seit 28. März 2005 im Handel.

Anspieltipps: Salvo! (The Preacher), Sanidade, Azouge (Remake)
similar Artists: Marcelo D2, DJ Patife


Bio:
Hinter DJ Dolores verbirgt sich wider Erwarten keine Frau, sondern Helder Aragão de Melo, der seit 1989 aktiv als DJ und Produzent in der brasilianischen Musikszene tätig ist. Zusammen mit dem Orchestra Santa Massa stellte er lange Zeit einen der innovativsten Musik-Acts Brasiliens dar, von dem aber ausserhalb des Heimatlandes so gut wie keine Kenntnis genommen wurde.
Nach einer erfolgreichen Welttournee im Jahre 2004 erhielt DJ Dolores für seinen Titel “Catimbo“ den BBC World Music Award, womit er die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit stärker auf sich und sein Schaffen richten konnte.

DJ Dolores - Aparelhagem (2005) (ZYX/RecRec)
Diskographie:
> A Maquina (2000)
> Contraditorio (2003)
> Aparelhagem (2005)


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