Genre: Folkpop | Label: Fargo (Irascible) | Unsere Wertung: 7.5/10
Zartbesaitet
„The Unfazed“, das vierte Album von Dolorean aus Portland, die sich als Band von Damien Jurado einen Namen machte, ist eine unschuldige Party in einer Waldhütte. Mit einem beruhigenden Mond, stillen Tränen und einer grossen Intensität. Ungeschminkte Nostalgie, die gut erzählt ist und anmutend präsentiert wird.
Wie war das damals...? Jemand hatte ausserhalb des Dorfs eine Schützenhütte ausfindig gemacht und das knorrige Gegenüber per Telephon schüchtern gefragt, ob sie an einem Samstag von 18 bis 23 Uhr noch frei sei. Das war meistens eine Selbstverständlichkeit, man gab zur Sicherheit noch die Festnetznummer der Eltern an. Auch wenn an einem solchen Fest Dolorean kaum gelaufen wäre, hätte „The Unfazed“ als heimlicher Soundtrack eine gute Figur gemacht. Derart feinfühlig, gemütlich und doch aufwühlend ist dieses Album.
„Fools Gold Ring“ mit seinem verträumt unsicheren Ton passt zum umschlungenen jugendlichen Liebespaar, das versucht, die Zeit zu vergessen, aber sich trotzdem immer wieder auf den Fuss tritt. „Sweet Boy“ ist eine rhythmische Ballade, die den freundlichen Mitschüler dank dem Geständnis eines Mädchens glücklich macht. Der Pathos bleibt innerlich und ruhig. „
What a sweet boy you've made of me“ sagt er zu sich selbst. Und der aufregende Opener „Thinskinned“ gibt dem kurzen zweisamen Spaziergang auf dem Feldweg vor der Hütte eine Stimme, indem ein stimmungsvolles Bandgefüge auftritt. Mutig und voller Wünsche, aber empfindlich auf jede Reaktion.
Das Rezept von Dolorean ist einfach, aber muss gelingen: die entspannende Stimme von Al
James und die abwechslungsreiche Musik mit einem grossen Gefühl für ausgewogene Songs passen derart gut zusammen, das man im ersten Momente vor lauter Professionalität vielleicht nicht gut genug hinhört. Die ausnahmslos starken Songs berühren und kommen bekannt vor, ohne dass sie zu Klassikern werden. Besonders stark sind die rein instrumentalen Parts, die hier endlich mal in der richtigen Menge und Länge auftreten und unaufällig Spass machen.
Ein kleiner Bruch zur grossen Professionalität entsteht dann noch zum Schluss: „How Is It“ ist der Blick zurück
auf die eine vergangene Liebe und die berührenden Momente und
gleichzeitig das langsamste und tränenreichste Stück. Wer die grosse Pop-Melodie nach dem fliessenden Folk derart aufsparen kann, dem gebührt gleich nochmals Respekt. Wer sich noch an die erste Klassenparty erinnern kann, der weiss, dass damals grosse Momente dabei waren, auch wenn man heute gefasst zurück blickt.
Seit 25. Februar 2010 im Handel.
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Anspieltipps:
> Thinskinned
> The Unfazed
> Hard Working Dogs
> Fools Gold Ring
Diskographie:
> Not Exotic (2003)
> Violence in the Snowy Fields (2004)
> You Can't Win (2007)
> The Unfazed (2011)
Ähnliche Künstler:
> Mojave 3
> Hayden
> Neil Young
> Holmes
> Califone
> Damien Jurado
> Chris Bathgate
> Spokane
> Musée Mécanique
> Wye Oak
> Hobotalk