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Dos Hermanos - 1-2-3

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von TheNoise am Freitag, 6. Mai 2011 in Neuerscheinungen   

Genre: Indie-Folk  |  Label: Gutfeeling  |  Unsere Wertung: 7.0/10

1-2-3Im Tunnel
Trash-Kunst: Die Melodien der Dos Hermanos sind einfach – und setzen sich einfach fest.

Unterwegs zu sein ist manchmal öde und frustrierend. Besonders, wenn man durch einen langen Tunnel muss. Und wenn dieser in der Schweiz liegt, kann es dazu noch richtig teuer werden. Die Dos Hermanos haben sich auf ihrer Fahrt durch den Mont-Blanc-Tunnel eins gesungen. Das Lied, das sie so nebenbei erfunden haben, ist wie die meisten ihrer Stücke kurz. Aber auch wenn die beiden Münchner durch den um fast die Hälfte längeren Gotthard-Strassentunnel gefahren wären: Der Song wäre nicht noch besser geworden (nur billiger, aber die 35 Euro Wegzoll holen sie mit der neuen Tour durch subventionsgepflegte Schweizer Indie-Schuppen locker wieder rein).

Hört man „Going on Down“, sieht man das Duo förmlich durch den Tunnel kriechen (erlaubte Höchstgeschwindigkeit 70 km/h). Dos fährt und schaukelt rhythmisch – jeweils einen Takt lang vor und einen Takt lang wieder zurück –, und Hermanos trommelt in leicht gekrümmter Haltung aufs Armaturenbrett. Ihr alter Bus (so wie die beiden die Bühne vollstellen, müssen sie einen Bus haben) wird zum Disco-Mobil und nach gefühlten zwei Minuten zwanzig ist der Tunnel gegessen.

Ich habe es probiert, zwar nur durch den San-Bernardino-Tunnel (6,6 km, keine Maut), dafür aber zur besten Osterreiseverkehrszeit: es funktioniert. Zumindest funktioniert es dann, wenn man selbst singt. Und das ist ganz einfach: Man singt achtmal inbrünstig und gerne auch ein bisschen neben der vorgesehenen Tonlage „Going on Down“, trällert dazwischen ein bisschen Unfug (das nennt sich dann Strophe) und wiederholt mit der gleichen Inbrunst und Ausdauer „Going on Down“. Wenn das mit der Strophe nicht klappt, macht man es einfach wie die Dos Hermanos und dröhnt das „Going on Down“ einfach vierundzwanzig Mal hintereinander gegen die Windschutzscheibe. Und noch einmal. Wer – wie der Rezensent – die Toleranz für ungezählte dissonante Osterstau-Zähfliessenderverkehr-Going-on-Downs seiner Begleitung nicht aufbringen kann, lässt die Dos Hermanos einfach weitersingen. Songs wie „Friscobay“ und „Buckets“ sind ebenso schmissig, während die so langsame wie völlig ernst gemeinte Americana-Verballhornung „Lost Diner“ und „Shorty“, im Dreivierteltakt und mit einem seligmachend-schräg gesungenen Refrain, für die notwendigen, stimmungsvollen Atempausen sorgen.

Das ganze Album wurde – passend zum geheimen Motto der Dos Hermanos: „Stimmung ist alles, Perfektion ist nichts“ – live eingespielt. Wer alle vierzehn, durchweg vergnüglich zu hörenden Stücke durch hat und noch immer im Tunnel ist, kann das Stimmungsbarometer mit dem getragenen „Plenty More“ weiter im Hoch halten. Dessen Refrain ist zwar im Vergleich zu dem von „Going on Down“ episch, nämlich exakt viermal so lang, aber die Zeile „So when you lose the one you love, theres always plenty more“ lässt durch die erforderliche Inbrunst die Zeit mindestens ebenso gut vergessen. Ein Album für lange Autofahrten und den Rest des Lebens.

Seit  18. März 2011 im Handel.

> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > MySpace > Label

Anspieltipps:
> Going on Down
> Medication
> Work My Way up Steady

Diskographie:
> Goldfischen (2004)
> Ich auch (2007)
> 1-2-3 (2011)

Ähnliche Künstler:
> G.Rag y los Hermanos Patchekos
> Mama Rosin
> The Pussywarmers
> The Dead Brothers
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