Indie-Pop-Rocker Doves haben soeben ihr drittes Studioalbum veröffentlicht, das ganz der Tradition seiner Vorgänger folgt, aber trotzdem ein ganz starkes, bemerkenswertes Stück Musik ist, das zum Träumen einlädt - fernab vom städtischen Trubel. Das Warten hat sich gelohnt.
Die Erlösung ist da. Wie lange haben wir bloss auf diesen Moment warten müssen? Ich erinnere mich noch genau, als ich als kleiner Schnösel einer mehr als doppelt so alten Lehrperson Doves' Debütalbum "Lost Souls" förmlich angequatscht hatte. Damals war ich schon ganz besessen von deren Musik, was sich bis heute nicht geändert hat. Drei Jahre ist es nun her, seit Jez Williams, Jimi Goodwin und Andy Williams - die Mitglieder der am meisten unterschätzen Band der Welt - uns ihr letztes Studioalbum, "The Last Broadcast", offenbarten. Obwohl jenes doch nicht schlecht war und einige starke Momente beinhaltete, hat es enttäuscht und die phänomenale Grösse von "Lost Souls" - eines der besten je herausgegebenen Debütalben - bei weitem nicht erreichen können. Ich meinerseits habe mich ein wenig gesorgt, die Band würde alsbald in der Versenkung verschwinden, aber nun sind Doves mit ihrer bisher vielleicht brillantesten, schönsten und gradlinigsten Veröffentlichung zurückgekehrt. Schon der erste Track des Albums, "Some Cities", der davon handelt, wie die Bandmitglieder nach ihrer zweijährigen Tour die Veränderungen ihrer Heimatstadt verarbeiten, klingt sehr britisch, überzeugt mit seiner charakteristischen, Doves'schen "foot-tapping" Manier und zeichnet sich durch ein maschinenhaftes Grollen der Drums und einer fetzigen Melodie aus. Der Sound scheint direkt aus einem Industriegebiet einer Grosstadt zu kommen und die urbane Melancholie wird mit dem zweiten Stück, "Black And White Town" fortgeführt. Die metrischen Drums werden auch hier zu den Tongebern und im Kanon mit einem souligen Piano und der wundervollen Stimme Jimi Goodwin's ergibt sich ein Hammertrack, der zwischen Melancholie und Euphorie schwebt. Obwohl die charakteristische Perkussion auf "Almost Forget Myself" immer noch vorhanden ist, ist dieser Song weniger up-tempo und besticht durch seine Coldplay ähnliche Gitarrenlinie, dem eingestreuten Glockenspiel und dem herzzerreissenden, psychedelischen Refrain, der einem den Atem raubt. "Somehow, I lost myself", singt Jimi Goodwin und ja, man vergisst sich völlig bei der Musik, verliert sich gänzlich in den Klängen. "Almost Forget Myself" ist nicht der einzige grandiose Song auf "Some Cities", auch der folgende, "Snowden", offenbart sich mit dem engelsgleichen Backingchor und dem zarten Glockenspiel, die sich allesamt in sphärische Weiten auflösen, als monumentales Meisterwerk. "The Storm", ein Stück, das das Leben und die Hoffnung preist, entzückt durch orchestrale Streicher und der so typischen, wunderbaren Mundharmonika (- man denke nur an "Melody Calls" aus dem Debütalbum). Mit "Walk In The Fire" folgt ein Track, der sehr an "There Goes The Fear" aus dem Zweitling "The Last Broadcast" erinnert und uns einmal mehr zeigt, wie verdammt gut Doves ihr Handwerk beherrschen. "Shadows Of Salford" klingt mit den schweren, düsteren Pianoklängen wie ein gespenstiges Einschlaflied und auf "Sky Starts Falling" wagt man sich noch einmal auf fetziges Terrain, bevor mit "Ambition" das Album geschlossen wird. Dieser letzte, von wahrer Schönheit zeugende Track wurde in einer Kirche aufgenommen, was deutlich spürbar ist. Doves verabschieden sich hier mit sphärischen Gitarrenklängen, sanften Drums und chorartigem Gesang, der nicht von dieser Welt zu stammen scheint. Doves sagen, sie seien für ihr neues Album vor allem durch den ständigen Wandel der Millionenstadt Manchester inspiriert worden. Es scheint aber, als hätten sie ihre Inspiration nicht im Irdischen, sondern im Himmlischen gefunden. "Some Cities" ist ein grandioser Drittling, der die grosse Geste wagt und zu Tränen rührt. Ein Werk, das sich ohne Zögern in den Herzen und Seelen der Menschen einnistet. Grossartig. Seit 21. Februar 2005 im Handel. Anspieltipps: Black And White Town, Almost Forget Myself, Walk In Fire similar artists: Elbow, Interpol, Coldplay, Starsailor ⇒ Hören und Kaufen ⇒ Offizielle Seite ⇒ Label ⇒ CH-Vertrieb Bio: Doves waren ursprünglich unter dem Namen Sub Sub als Dance-Act bekannt, bis das gesamte Material für ihr neues, geplantes Album durch ein Feuer zerstört wurde. Jimi Goodwin und die Zwillingsbrüder Andy und Jez Williams beschlossen, 1998 als Doves zurückzukehren und Rockmusik zu produzieren. Anfänglich spielten sie einige wenige Gigs mit Badly Drawn Boy, bis sie 1999 ihre erste grosse UK-Tour starteten. Ihre ersten Singles (darunter "The Cedar Room" und "Here It Comes") lösten grosse Vorfreude auf das erste Album aus, das 2000 mit dem Titel "Lost Souls" veröffentlicht wurde. Doves haben inzwischen noch zwei weitere Alben veröffentlicht und gelten heute als eine der besten und vielversprechendsten Bands Englands. Diskographie: ⇒ Lost Souls (1999) ⇒ The Last Broadcast (2002) ⇒ Lost Sides (B-Sides) (2003) ⇒ Some Cities (2005)
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