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Dredg - The Pariah, The Parrot, The Delusion

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von Michael Messerli & Daniel Gilic am Mittwoch, 3. Juni 2009 in Neuerscheinungen   

Genre: Alternative  |  Label: Universal (Universal)

The Pariah, The Parrot, The DelusionQuo Vadis, Dredg?/Ehre, wem Ehre gebührt
Enttäuschung oder weiterhin auf Erfolgskurs? Das vierte Album der kalifornischen Rockband polarisiert im Vier-Ohren-Test.
Rezension von Michael Messerli
Rezension von Daniel Gilic


Dredg wollen nicht mehr kleine Brötchen backen. Obwohl – musikalisch taten sie das ja nie. Da waren sie bisher Meisterbäcker. Aber heute?

Dredg enttäuschen. Natürlich ist es hart, eine Rezension mit diesem Fazit zu beginnen. Aber wer hätte dies auch für möglich gehalten? Klar, sie haben es ein kleines bisschen angedeutet. Nach dem progressiven Meisterwerk „El Cielo“ kam das starke „Catch Without Arms“, das bereits strukturierter, geradliniger und poppiger war. Vielleicht ist dessen Hülle aus diesem Grund etwas weniger abgegriffen, aber jetzt setzen Dredg definitiv eher ein Frage- als ein Ausrufezeichen hinter ihr Schaffen. Es gibt Menschen, die sprechen auch bei Musik von einem Produkt, und so gesehen wäre „The Pariah, The Parrot, The Delusion“ sicherlich kundenorientiert. Nur so kann Verzichtbares wie „Gathering Pebbles“ oder „Mourning This Morning“ erklärt werden. Filmmusik im Stile von „Long Days and Vague Clues“ ist unnötig und stört. Wenn dies das Debüt einer Band gewesen wäre, so ein User in einem Forum, würde man der Platte wohlwollender gegenüberstehen. Das mag stimmen. Aber es ist nun mal nicht das Debüt. Trotzdem muss man fair bleiben.

Mit „Pariah“ eröffnet nicht nur ein Kinderchor die Platte, sondern auch ein toller Popsong. „Ireland“ macht im Refrain alles richtig. Zwischenstücke wie „R U O K?“ reissen dich gekonnt raus aus dem einen und rein in den nächsten Song. In diesem Falle ist es „I Don’t Know“. Wie die Single „Information“ oder „Saviour“ ein cleverer Rocksong – aber auch berechenbar. Klar ist die Platte zu lang. Aber „El Cielo“ war nicht um vieles kürzer. Nur wurden damals keine Lücken gefüllt, und keine künstlichen geschaffen. Die Ebenen waren tiefer – oder höher. Je nach Sichtweise. Manchmal erreichen sie dieses Niveau. Die simple Ballade „Cartoon Showroom“ lässt einen für einen kurzen Moment abheben, das folgende „Quotes“ vereinnahmt den Hörer mit seiner leichtfüssigen Strophe und dem schwermütigen Refrain. „Light Switch“ mäandert sich mit treibenden Gitarren zum unscheinbaren Finale. Es ist nicht alles schlecht auf „The Pariah, The Parrot, The Delusion“. Einiges ist sogar richtig gut – aber es stösst viele Fans trotzdem vor den Kopf.

“Art is dying/ Is art dead?”, sang Gavin Hayes einst. Dredg sind ganz bestimmt nicht tot, aber es ist zu durchdachte Kunst, zu sehr Hand- oder fast schon Stückwerk. Immer wieder haben sie die Veröffentlichung der Platte hinausgeschoben. Der Feinschliff ist nicht zu überhören, die Politur glänzt. Ob „The Pariah, The Parrot, The Delusion“ ein schwaches Album ist, das sei dahingestellt. Aber es ist mit Sicherheit das bisher schwächste von Dredg. Bleibt jetzt noch die Frage, ob sie mit ihrem nächsten Schritt vor allem verlieren oder gewinnen können. Diese Antwort sind sie uns ab heute schuldig.

Anspieltipps:
> Quotes
> Light Switch
> I Don’t Know

Michael Messerli gibt 5.5 von 10 Punkten


Mein Gott, hat das lange gedauert. Vier Jahre sind verstrichen, seitdem Dredg ihr „Catch Without Arms“ veröffentlicht haben. 

Die Befürchtungen waren da, dass sich Dredg nach all der Zeit in irgendwas verstricken und da nur schwer wieder rauskommen. Doch sie haben alles richtig gemacht - trotz allen Unkenrufen, die neuerdings von allen Seiten zu vernehmen sind. Während der immer noch frisch klingende Vorgänger „Catch Without Arms“ auf Direktheit und Schnörkellosigkeit (etwas, das man „El Cielo“ durchaus vorwerfen kann) setzte, und damit richtig zu gefallen wusste, verfolgt „The Pariah, The Parrot, The Delusion“ einen anderen Ansatz. Wie ein Labyrinth ist das Album aufgebaut. Und weniger eingängig und geradlinig noch dazu. Schon „Pariah“, der Opener, empfängt einen nicht derart kraftvoll, wie man es vielleicht erwartet hat. Vielmehr führen Kinderstimmen, ein flächenmäßiger Aufbau und ein ziemlich zupackendes Ende dazu, dass man diese experimentelle Pop-Facette schnell ins sein Herz schließt. Weil es eben doch überrascht.

Achtzehn Songs gibt es zu goutieren. Eine ganze Menge. Manchmal ist es mehr Masse statt Klasse wie bei „Ireland“, wo beispielsweise zu viel Bombast den Gesamteindruck der Platte ein Stück verwässert. Um ein bis zwei Songs ist das Album zu lang geraten (eine weitere Gemeinsamkeit mit „El Cielo“). Trotzdem sorgen kraftvolle Songs wie „Saviour“, berührendes Material wie „Cartoon Showroom“ oder mitreissende Instrumentalstücke wie „Drunk Slide“ oder „Down To The Cellar“ für große und vielschichtige Abwechslung.

Während auf dem Vorgänger das Gitarrenspiel von Mark Engles sehr stark im Vordergrund stand und nahezu jeden Song dominierte, so ist es auf dieser Platte die Rhythmik, die Songs wie dem groovenden Juwel „Gathering Pebbles“ ein Gesicht gibt. Im wundervollen „Mourning This Morning“ greift die Band auf eine zurückgelehnte (aber nicht seichte) Aura zurück, die Bands wie Incubus auch gerne benutzen.

Während die Melodien glänzen und die Atmosphäre luftiger ist, ist das Schlagzeugspiel von Dino Campanella kantiger in Szene gesetzt. Auch der Bass von Drew Roulette erhält mehr Aufmerksamkeit.
 
Natürlich ist dieses Album durchdacht bist in den letzten Winkel, schließlich hat es vier Jahre dafür gebraucht. „El Cielo“ und „Catch Without Arms“ waren aber genauso.

Dredg machen Musik, die nicht den Anspruch erhebt, möglichst schnell in die Charts zu kommen. Schaffen werden sie diesen Kunstgriff scheinbar trotzdem, vor allem hierzulande.
Welchen Weg Dredg zukünftig einschlagen werden, zeigen vielleicht Instrumentalstücke wie „R U O K?“, die entspannte Atmosphäre mit Roboterstimmen und Elektronik zusammenbringen.
 
“The Pariah, The Parrot, The Delusion“ ist in seiner Kombination aus Stimme, Sound, Konzept (frei nach dem britisch-indischen Schriftsteller Salman Rushdie) und Sprache weiterhin abenteuerlich. Und einzigartig.

Anspieltipps:
> Gathering Pebbles
> Information
> Mourning This Morning

Daniel Gilic gibt 8 von 10 Punkten




Seit  29. Mai 2009 im Handel.

> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > MySpace > Label > CH-Vertrieb
Dredg
Diskographie:
> Leitmotif (1999)
> El Cielo (2002)
> Catch Without Arms (2005)
> The Pariah, The Parrot, The Delusion (2009)

Ähnliche Künstler: 
> Deftones
> Amplifier
> A Perfect Circle
» 2 Kommentare
1Kommentar
am Dienstag, 9. Juni 2009 15:56von Sideway
Ich finde das äusserst lobenswert, dass sich hier 2 Autoren die Mühe machen, die Platte zu rezensieren- und dies erst noch einander gegengestellt wird. Tip top, weiter so.
2Kommentar
am Montag, 6. Juli 2009 20:09von Dan
Danke ^^ 
hat auch Spaß gemacht eigentlich ;)
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