Weihnachtsrauch, wiedergegeben von einem antiquierten
Grammophon. Dieses gewisse Etwas versucht Peter Wilson einzufangen.
Mittel zum Zweck ist ein Spiel mit dramatischem Songwriting und
Bühnen-Theatralik.
Mit dem Einsetzen des dichten Morgennebels im Berner Mittelland und des unausweichlichen Herbstbeginns erreicht uns eine neue Stimme aus Irland. Duke Special oder Peter Wilson ist einer dieser Geschichtenerzähler, die nicht ohne Humor von grossen und kleinen Gefühlen zu erzählen wissen, einer, dem alle gebannt zuhören, sobald er sich zu uns an einen Tisch setzt.
Um die grossen Gefühle auch ausdrücken zu können, bedient sich Peter Wilson eines nicht ungeeigneten Stilmittels. Er schreibt grosse Melodien. Manche davon sind wie geschaffen fürs Blockbuster-Finale. „Freewheel“ ist beispielsweise so pompös inszeniert, dass ich James Blunt durch meinen Gedankenwald rennen sehe.
Und doch erkennt man in Peter Wilson eher den einsamen Troubadour. Auch die reiche Instrumentierung mit Geigen, Orgeln oder Trompeten macht ihn nicht zur Zirkus- oder Theaterkappelle. Jedoch verleiht sie ihm einen vagabunden Ton, der ihn im Songwriter-Zirkel zu etwas Besonderem macht.
Eine Eigenart Duke Specials ist der Einsatz von angeheiterten Cabaret-Pianos, die er in Gegensatz zu den 16:9-Refrains stellt (z.B. „Last Night I Nearly Died“, Salvation Tambourine“). Diese Spezialität hat auf der einen Seite etwas abweichend Individuelles, auf der Kehrseite aber auch etwas gesucht Anders-Klingendes. Die Abstimmung gelingt nicht immer reibungslos. Ein Umstand, der verdeutlicht, dass solche Spielereien problematisch sein können und es leider nur einen Sufjan Stevens gibt. Dieser Vergleich ist allerdings ziemlich unfair, verurteilt er Peter Wilson doch fast zwangsläufig zum Scheitern.
Am Ende hat Peter Wilson vielleicht zu viel gewollt, denn für mich sind es die einfacher gehaltenen Lieder wie „No Cover Up“, die mich dazu verleiten können, dem Storyteller bedingungslos zuzuhören und dieses Album unter den Weihnachtsbaum zu legen.
Ab 20. Oktober 2006 im Handel.
Anspieltipps: No Cover Up; Ballad Of A Broken Man
Trackliste: 1) Wake Up Scarlett; 2) Everybody Wants A Little Something; 3) Brixton Leaves; 4) Freewheel; 5) No Cover Up; 6) Portrait; 7) Last Night I Nearly Died; 8) Ballad of A Broken Man; 9) Salvation Tambourine; 10) Something Might Happen 11) Slip Of A Girl; 12)This Could be My Last Day
similar artists: Damien Rice, Sufjan Stevens, The Divine Comedy, The Arcade Fire, My Latest Novel, Rufus Wainwright, James Blunt
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Bio:
Hinter dem Moniker Duke Special verbirgt sich der irische Musiker Peter Wilson. Aufgewachsen in einer grossen, musikalisch interessierten Familie, hat er früh gelernt, sich die musikalischen Hörner abzustossen. Er hörte sich durch die Country & Western-Sammlung seines Vaters, sang in der Kirche und auch traditionelle Klänge beeinflussten seine musikalischen Sinne. Nach diversen EP-Veröffentlichungen und einer EP-Kollektion („Adventures In Gramophone“) ist mit „Songs From The Deep Forest“ ein Album entstanden, das ebenfalls Songs aus verschiedenen EPs enthält. Auf der Bühne, die Duke Special bereits mit Künstlern wie Rufus Wainwright oder van Morrison teilte, wächst Duke Special zu einem kleinen Kollektiv, bestehend aus exzentrischen Musikern.