Die Editors machen auf dem schwierigen dritten Album alles richtig. Weg vom Off-Beat-Modescheiss, hin zum düster-elektronischen New Wave.
Auch dem Laien fällt beim ersten Durchhören von "In This Light and on This Evening" die essentielle Veränderung im Musikschaffen der Editors auf. Während "The Back Room" und "An End Has a Start" noch verhältnismässig gitarrenlastig waren, findet man das beliebte Saiteninstrument auf dem neuen Album nur selten. Das ganze Werk wird von düsteren, pessimistisch-traurigen Achtziger-Elektroklängen dominiert. Breite, langgezogene Synthieflächen überlagern trockene, relativ monotone Beats. Off-Beats sucht man vergebens, eine anfängliche, stilistische Verwandtschaft mit Interpol lässt sich nur noch erahnen. Tom Smiths eindringliche Stimme ist unwahrscheinlich präsent und fügt sich dank ihrem melancholisch-träumerischen Klang perfekt in die karge, synthetische Klanglandschaft. Ich wage beinahe hier von einer Neuschaffung des Depeche Mode’schen Klanguniversums zu sprechen.
Der Titeltrack, eine wunderbare Hymne auf London (’I swear to god / I heard the earth inhale moments before it spat its rain on me / In this light and on this evening London’s become the most beautiful thing I’ve seen’), beginnt mit eben zitiertem Text sehr sphärisch, was eine ungeheure Spannung erzeugt. Diese wird nach drei Minuten in einem wuchtigen, vielseitigen, hauptsächlich synthetischen Feuerwerk aufgelöst. Besser kann ein Album kaum beginnen. "Bricks and Mortar" gibt dann die allgemeine Laufrichtung des Albums vor. Der staubtrockene Beat könnte von She Wants Revenge sein, die endzeitlich anmutenden Synthies erinnern an den Terminator-Soundtrack, im Refrain durchbricht Smith die düstere Stimmung mit hoffnungsvollem Klang in der Stimme. Die Singleauskopplung ’Papillon’ kommt aufgrund des heftigen, stampfenden Achzigerjahre-Beats äusserst tanzbar daher, während das monotone Keyboardthema bedrohlich wirkt. "The Big Exit" gefällt mir aufgrund der besonders hoffnungslosen Endzeitstimmung sowie der Tempo- bzw. Intensitätsverschärfung in Richtung Industial nach drei Minuten besonders gut. "Walk The Fleet Road" schliesst das Album ruhig, mit einer irgendwie sakral wirkenden Grösse ab.
Sämtliche Songs sind gleichzeitig kalt und monumental, sanft und böse, nett und unnahbar, diabolisch und himmlisch. Wenn man aufwändig sucht, könnte man dem Album eine gewisse Eintönigkeit ankreiden. Ich halte dies für unnötig, da das Zusammenspiel zwischen Smiths eindringlicher Stimme und den düsteren, schwammig-schwebenden Sounds perfekt harmoniert. Das Album eignet sich absolut nicht für ausgelassene Partys, als treuen, angenehmen Begleiter für frühmorgendliche Zugfahrten oder zur Verstärkung der Herbstdepression empfehle ich das Werk jedoch wärmstens.
Seit 9. Oktober 2009 im Handel.
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Anspieltipps:
> In This Light and on This Evening
> Bricks and Mortar
> The Big Exit
> Walk the Fleet Road
Diskographie:
> The Back Room (2005)
> An End Has a Start (2007)
> In This Light and on This Evening (2009)
Ähnliche Künstler:
> Depeche Mode
> She Wants Revenge
> Dragons
> The Departure
> The Cure
> Interpol