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Eels - Blinking Lights And Other Revelations (2005) (Vagrant Records/Universal Music)

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von Ivana Leiseder am Sonntag, 1. Mai 2005 in Neuerscheinungen   

Danke, E.

Eels - Blinking Lights And Other Revelations (2005) (Vagrant Records/Universal Music) Eels: Der Inbegriff für melancholische, furchtbar traurige Musik, die jeglicher Hoffnung den Rücken kehrt und jedem noch so frohen Menschen einen Stoss ins Herzen versetzt. Auf seiner sechsten Veröffentlichung unter dem Namen Eels rahmt Mark Everett dieses Bild abschliessend ein. Ein Schreiben an den wunderbaren Miesepeter aus Virginia.

Geschätzter E., endlich sind Sie zurück. Nicht mit einer einzigen CD, nein, gleich ein Doppelalbum haben Sie nach jahrelanger Arbeit hervorgebracht. "Blinking Lights And Other Revelations", so der Titel der 33-Stück starken Veröffentlichung. Blinkende Lichter und andere Offenbarungen, sozusagen. Ein hübscher Titel - obwohl ich keine Offenbarungen ausmachen kann. Aber blinkende Lichter durchaus. 33 blinkende Lichter zwischen Dunkelheit und kurzem Aufblitzen von Zuversicht. 33 blinkende Lichter kurz vor dem Erlöschen. Wie alle anderen Veröffentlichungen zeigt auch die aktuellste Ihr unverwechselbares, charakteristisches Handwerk: Kleine, intime akustische Songskizzen sowie melancholische Pianoballaden und pompöse Streicherarrangements zieren das Album und offenbaren die wohl traurigsten Botschaften, gesungen von einer der herzzerreissendsten Stimmen auf Erden - von Ihnen. Die Welt mag wirklich nicht sehr fröhlich sein - auf diesen Standpunkt können wir uns einigen, lieber E. - aber ist denn wirklich alles so hoffnungslos deprimierend, wie Sie erzählen? "Im so tired of living the suicide life", "things won't get better", "trouble with dreams is they don't come true", "the psychic pain of living in this world is overwhelming me", singen Sie und beinahe scheint es mir, dass "Blinking Lights And Other Revelations" Ihr abschliessendes Statement sei. Als ob Sie das Licht wären, das blinkt und bald erlöschen wird. Sie haben Recht, das Leben kann manchmal ganz schön unfaire Wege einschlagen - Enttäuschungen, Trauer, Verlust, Schmerz häufen sich. Sie, die Sie die gesamte Familie verloren haben, haben es am schmerzlichsten zu spüren bekommen. Somit ist es irgendwie verständlich, dass Sie vornehmlich über traurige Dinge berichten... Aber hey, das ist doch nicht alles, was das Leben zu bieten hat. Das kann's wirklich nicht sein. Wie steht's um die guten Dinge...? All das, wofür es sich zu leben lohnt? Ab und an einen fröhlichen Song würde man sehr zu schätzen wissen. Fast hätte ich nämlich bereits beim dritten Stück aus den oben genannten Gründen das Hörvergnügen abgebrochen. Besonders wenn man ähnliche Gedanken pflegt wie Sie, sind Ihre Lieder ganz schön starke Stücke und nur sehr schwer anzuhören. Aber was soll's, ich kann nicht anders. Nun sitze ich hier und heule wie ein Schlosshund. Verdammt. So sehr ich mich weigere, haben Sie's einmal mehr geschafft, lieber E. Einmal mehr mit demselben Rezept. Und diesmal noch intensiver. Ich bin sprachlos.
Auch wenn ihre neuste CD keine leichte Kost ist, möchte ich Ihnen abschliessend trotzdem herzlichst für Ihr sechstes Werk danken - Sie sprechen wie kein zweiter aus der Seele. Und bitte: Gehen Sie noch nicht! Bleiben Sie noch eine Weile... Es wird alles gut... Irgendwann. Ja, irgendwann.


Seit 25. April 2005 im Handel.

Anspieltipps: Blinking Lights (For Me), Trouble With Dreams, The Other Shoe, Mother Mary uvm.
similar artists: Badly Drawn Boy, Beck

⇒ Hören und Kaufen ⇒ Offizielle Seite ⇒ Label ⇒ CH-Vertrieb

Bio:
Mark Oliver Everett wurde 1963 in Virginia geboren. Er entdeckte sein Interesse für Musik schon sehr früh durch die Plattensammlung der Schwester und begann mit sechs Jahren Schlagzeug zu spielen. Der Tod seines Vaters wenige Jahre später führte dazu, dass E. - so nannte er sich -, sich noch intensiver mit der Musik auseinandersetzte und sich das Gitarrenspielen beibrachte. In seinen frühen Twenties nahm Mark Everett sein erstes Demo auf und zog nach Los Angeles, wo er bei Polydor Records unter Vertrag genommen wurde und zwei Soloalben veröffentlichte, die aber keinen besonders grossen Erfolg genossen. E. verliess das Label und gründete die Gruppe Eels, die unter die Fittiche von DreamWorks genommen wurde und 1996 ihr Debütalbum veröffentlichte. Der Selbstmord der Schwester und die unheilbare Kranheit der Mutter inspirierten ihn zum bisher erfolgreichsten Werk, "Electro-Shock Blues", in dem er die tragischen Erlebnisse verarbeitet. Es folgten noch vier weitere Alben, die Mark Everett mit stets wechselnden Musikern aufnahm, und 2005 nun das Doppelalbum "Blinking Lights And Other Revelations".

Eels - Blinking Lights And Other Revelations (2005) (Vagrant Records/Universal Music)
Diskographie:
⇒ Beautiful Freak (1996)
⇒ Electro-Shock Blues (1998)
⇒ Daisies Of The Galaxy (2000)
⇒ Souljacker (2001)
⇒ Shootenanny! (2003)
⇒ Blinking Lights And Other Revelations (2005)


» 1 Kommentar
1Kommentar
am Montag, 8. Dezember 2008 15:43von Norbert
Das trifft das Album ja wirklich nur zum Teil. Herrje, es gibt doch auch so viele positive Stücke auf dem Album: Hey man, now you\\\'re really living, Old Shit/New Shit oder Magic World. Auch die hier als so depressiv dargestellten Lieder sind ja wohl immer auch von einer wunderbaren Hauch von Wissen um Schönheit umgeben. Aus der Rezension hört man ganz deutlich heraus, dass die Rezensentin all dieses wunderbar Melancholische eigentlich doch lieber aus ihrem Leben aussperren will. Ziemlich schade.
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