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von Michael Messerli am Freitag, 22. Januar 2010 in Neuerscheinungen
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Genre: Singer/Songwriter, Indie | Label: Vagrant/Cooperative Music (Universal) | Unsere Wertung: 8.0/10
E, der geschiedene Selbstmordattentäter„End Times“ ist ein Minimalist. Was E hier mit einem Vier-Spur-Rekorder im Keller aufgenommen hat, ist grösser als manch aufgeblasene Rockoper. Wer mit so wenig so viel erreicht, der weiss, wie der Hase läuft: Er rennt im Zickzack dem Tod davon.
Mark Oliver Everett verarbeitet auf „End Times“ seine Scheidung. Das Ende war oft nahe, dasjenige seiner grossen Liebe aber ist Tatsache. Viele Songs sind fast nur eine Idee, kaum ausgeschmückt und auf pure Melancholie gekürzt. Warum das so gut funktioniert, weiss man nach ein paar Hördurchgängen selber kaum. Aber mit jedem erklärt man einen anderen Song zum persönlichen Favoriten. Es ist wohl einerseits die Vertrautheit in Stimme, Musik und Text, andererseits ist es die Erfahrung von Everett, die Dinge im Kleinen zu verändern. War er Bob Dylan oder Neil Young jemals näher? Und warum denkt man sofort an das letzte Album von Sophia? Jedenfalls zeichnet er diesmal nicht das Bild eines fiktiven „Hombre Lobo“, sondern das eines Selbstmordattentäters auf dem Weg ins Paradies, der sich und sie mit in den Tod reisst. Für solche Gedankengänge gehört der Mann geliebt, auch wenn sie noch so morbide und schwarz erscheinen. Er weiss zum Glück ja selber: Sein Herz ist am rechten Fleck – nur wurde es leider zu oft gebrochen. Wenigstens bleibt etwas Galgenhumor, auch wenn es bitterernst gemeint ist. Es ist sowieso ein Wunder, dass er überlebt hat. Sagt er selber. In „On My Feet“.
Am Anfang aber war noch alles schön und frei. Everett hatte sein Mädchen und natürlich war es ein bisschen verrückt. Die Wehmut, mit der er in „The Beginning“ die Platte eröffnet, sie kriecht die Wände hoch. Und dass der Song nur so kurz ist, kann man auch symbolisch verstehen. „Gone Man“ ist eine Überraschung, weil ein frischer Hit mit cooler Gitarre. Danach versinkt „End Times“ wieder in bedrückter Stimmung. Dass sich ein Mann, der von Berufs wegen depressiv ist, mit Verlusten schwer tut, sollte nun nicht mehr erstaunen. Aber E hat Übung im Verlieren, insbesondere im Verlieren von Menschen. Im wunderschönen „A Line in the Dirt“ ist man deshalb nicht ganz sicher, ob er nun von seiner Schwester Liz singt, von seiner Ex-Frau oder von beiden: „She locked herself in the bathroom again/ So I am pissing in the yard/ I have to laugh when I think how far it’s gone/ But things aren’t funny anymore“. Es mag obdachlose Verrückte geben, welche das Ende voraussagen, aber E wird nicht jünger und alle sind sie weg. Wie er dieses Gefühl einfängt und umsetzt, wie er seine Scheidung und die damit einhergehende Einsamkeit vertont, ist so reif wie schmerzhaft zugleich. „I need a mother/ I’m sorry but it’s true“, ist er sich bewusst. Wer von seiner leiblichen Mutter gelesen hat, zum Beispiel in seiner Autobiographie, der versteht. Das Einfache und die Schnörkellosigkeit lassen einen in diesen Momenten immer wieder am Strassenrand stehen, bis man vom nächsten abgeholt wird. Wohin die Reise geht? Geradeaus ins Schwarze. Die Eels schlagen diesmal keine Nägel ein, sie lassen sie einfach so stehen, wie sie sind: Herausragend.
Seit 22. Januar 2010 im Handel.
> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > MySpace > Label > CH-Vertrieb
Anspieltipps:
> A Line in the Dirt
> I Need a Mother
> Gone Man
Diskographie:
> Beautiful Freak (1996)
> Electro-Shock Blues (1998)
> Daisies of the Galaxy (2000)
> Souljacker (2001)
> Shootenanny! (2003)
> Blinking Lights and other Revelations (2005)
> Hombre Lobo (2009)
> End Times (2010)
Ähnliche Künstler:
> Sophia
> Neil Young
> Bob Dylan
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