Wer auf Chöre, Streicher, Bläser und skandinavische Tonakrobatik steht, liegt mit Efterklang genau richtig.
Chöre, wie man sie auf Björks Meisterwerk Medúlla um die Ohren gehauen bekam, sind bestimmt nicht jedermanns Sache. Efterklang bedienen sich mit der grossen Kelle an diesem stimmlichen Stilmittel, fügen Bläser, Streicher und seichte Elektronik hinzu und kreieren somit eine mal lieblich-leise, mal pompös-wuchtige und gleichermassen komplex-vertäumte Klanglandschaft. Gemeinsam mit Björk, Sigur Ros und Under Byen schreitet Efterklang, bewaffnet mit unzähligen Ideen, skurrilen Geräuschkulissen und musikalischen Innovationen gegen das gleichermassen kommerzielle und monotone Kasperletheater an. Doch auch diese Revolte bzw. Parade wird wohl von den Radiostationen blutig niedergemetzelt. Diese Musik ist nicht radio- und gesellschaftstauglich, da schlicht zu anspruchsvoll.
Der Aufbau der Stücke ist ähnlich durchschaubar wie Milchglas. Einzelne, immer mehrstimmige Gesangs- bzw. Chorfetzen, die entweder nur abgehackte Töne oder schwebende, lang gezogene Schleier bilden, mischen sich mit seltsamen, teils polternden Rhythmen. Eingängige Melodien sucht man vergebens. Darüber spielen, hupen und klotzen verschiedene Bläser. Um das instrumentale sowie stimmliche Durcheinander zu vervollständigen schleichen Streicher auf ganz eigenen Bahnen durchs Album, bilden meist watteweiche Klangteppiche und verleihen der Platte einen gewissen, wenn man dies so bezeichnen darf, naturalistischen Charme. Die üblichen skandinavischen Postkartenlandschaftsbilder drängen sich unvermeidlich ins Bewusstsein. Dazu kommen Pianospielereien, vereinzelt sogar Gitarren, sowie synthetische Klänge. Der Begriff orchestral trifft eigentlich zu. Trotz dieser anscheinenden ’Überinstrumentierung’ bleibt die Platte gemütlich, verträumt und entspannend. Die mystische, teils düstere, teils psychotische Grundstimmung, und die skurrilen Songstrukturen zwingen zum genauen Hinhören. Dies geht zwar teilweise an die Nerven, kann jedoch auch von euphorischen Zustandsbildern begleitet sein. Die Verwandtschaft zu anderen skandinavischen Bands ist jedoch nicht zu überhören. Schlussendlich hat man diese Musik schon irgendwo irgendwann von irgendeinem Künstler in mehr oder minder ähnlicher Form gehört. Trotzdem sehr gute Platte. Minus 1.5 Punkte, Danke.
Seit 15. Oktober 2007 im Handel.
Anspieltipps: Bitte das Ganze Album rasch anhören
Trackliste: 1) Polygyne; 2) Mirador; 3) Him Poe Poe; 4) Horseback Tenors; 5) Mimeo; 6) Frida Found A Friend; 7) Maison De Reflexion; 8) Blowing Lungs Like Bubbles; 9) Caravan; 10) Illuminant; 11) Cutting Ice To Snow
similar artists: Björk,
Sigur Ros, Amiina,
Mum, Under Byen
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Bio:
Die aus Kopenhagen stammende Band Efterklang setzt sich zusammen aus Mads Brauer (electronics, production), Casper Clausen (vocals, multiinstrumentalist), Thomas Husmer (drums, trumpet, percussion), Rene Molgaard (piano) und Rasmus Stolberg (guitar) und existiert seit 2001. Die Jugendfreunde starteten ihr Projekt in einem kleinen Bunker in Kopenhagen, wo sie alles selber spielten, aufnahmen und produzierten. Das Album wurde mit Hilfe von verschiedenen Gastmusikern und Freunden aufgenommen, welche sie auch live unterstützen. Während 18 intensiven Monaten und mit Hilfe von 30 Musikern (u.a. Streicherquartett, verschiedene Chöre etc.) wurde ’Parades’ aufgenommen. Efterklang sind ab Herbst auf Tournee.