Elbow haben nicht per Zufall den Mercury Prize gewonnen. Kaum einer anderen Band gelingt es so hervorragend, melancholisch zu sein. Und die Stimme von Guy Garvey tut ihr Übriges dazu. „Build a Rocket Boys!“ hingegen nicht ganz.
Elbow tragen ihre Songs regelmässig zu Grabe: „Great Expectations“, „Switching Off“ oder „Friend of Ours“. Stücke, die man bei der eigenen Beerdigung aufgelegt haben möchte. Was aber gleichzeitig bedeutet, dass sie sich nicht gerade für die Dauerrotation im Radio eignen. Vielleicht auch deswegen liess der ganz grosse Durchbruch noch auf sich warten, selbst wenn die Band aus Manchester mit „The Seldom Seen Kid“ ganz nahe dran schien und ebenso nahe am ganz grossen Meisterwerk. Dieses durfte man sich von „Build a Rocket Boys!“ erhoffen, gerade weil Elbow Musik der erlesenen Extraklasse machen. Wer aber mit dieser Erwartungshaltung ans neue Werk geht, der wird enttäuscht. „Build a Rocket Boys!“ ist ein Album, bei dem man die ganze Zeit darauf wartet, dass es endlich loslegt – und dann ist es auch schon wieder vorbei. Zu behaupten, in dieser Zeit passiere nichts, wäre natürlich dreist. Aber um ehrlich zu sein, verschiessen Elbow bereits mit „The Birds“ und dem für die Band typisch überragenden „Lippy Kids“ gleich zu Beginn die Hälfte des Pulvers. Das knallt zwar nicht, ist aber in seiner epischen Länge wunderschön traurig. Der Opener beispielsweise nimmt sich über acht Minuten Zeit und jede einzelne Sekunde davon ist es wert, ein Album zu eröffnen. Was nach den ersten beiden Songs folgt, ist zwar nicht schlecht, aber – und das möchte man gar nicht erst schreiben – phasenweise ein bisschen langweilig.
Positiver als auch schon ist dieses Album, Zeit lässt es sich immer wieder und, auch das ist man sich von dieser Band gewohnt, vollgespickt mit verspielten Details. „Jesus is a Rochdale Girl“ glänzt mit seinen leisen Tönen. Guy Garvey nimmt uns mit in seine Erinnerungen, bleibt aber manchmal ein bisschen zu lang darin hängen. Ein Lied wie „High Ideals“ beispielsweise ist an sich cool, groovig und kann kaum jemanden stören. Was aber in vielen Momenten fehlt, ist das entscheidende Etwas. Und damit ist ganz bestimmt nicht ein Refrain gemeint. Nimmt man „The Birds“ als Referenz, dann weiss man, was es sein könnte. Dessen Reprise und der beinahe Walzer „Open Arms“ nerven schon fast. „The River“ funktioniert bestens als Zwischenstück und der Schlusspunkt „Dear Friends“ sitzt zwar perfekt, macht aber als Kleid kein Album. Ein eleganter Anzug ist es sicher, die Flasche Rotwein mehr als voll und der Anspruch auf beiden Seiten hoch. Und vor allem hier besteht ein Ungleichgewicht, dass seinen Schatten über ein insgesamt gutes Album wirft.
Seit 4. März 2011 im Handel.
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Anspieltipps:
> The Birds
> Lippy Kids
> Jesus is a Rochdale Girl
Diskographie:
> Asleep in the Back (2001)
> Cast of Thousands (2003)
> Leaders of the Free World (2005)
> The Seldom Seen Kid (2008)
> Build a Rocket Boys! (2011)
Ähnliche Künstler:
> Doves
> I Am Kloot