“I will cook the best dinner you ever had“
Enik ist eigentlich ein seltsamer Koch (Unschwer zu erkennen an seinem
irren „Gebt mir auf der Stelle DEN Ring zurück“-Blick auf dem Cover).
Vor allem ist „Koch“ eine irreführende Bezeichnung. Das Menü wird zur
Inszenierung. Enik ist der Regisseur, der Dirigent. In erster Linie
über sich selbst, aber auch über die zahlreichen musikalischen
Menschen, die auf „The Seasons In Between“ mitwirken. (Ausserdem würde
er an den Hygienevorschriften in einer Küche masslos scheitern.
Kängurus in Kochwerkstätten gehen schon mal gar nicht). Enik,
autodidaktisch und ambitioniert wie er ist, hat dabei gleich Bass,
Gitarre, Beat- und Soundprogrammierung, Keyboard und Cello
höchstpersönlich eingespielt. Respekt. Singen kann er übrigens auch,
wie eine Hydra mit neun Kehlköpfen - heisst es. Naja, man kann’s auch
übertreiben.
Eigentlich müsste der Zugang zu Eniks Musik unglaublich schwierig sein.
Doch das Überraschende und vor allem auch Schöne daran ist, dass dies
nicht wirklich der Fall ist. Es ist erstaunlich, wie er Stricke aus
Electronica, Art-Pop, Noise, Blues, Industrial, Jazz u.v.a. zu einem
roten Faden zusammenzieht und ihm dieser zu keinem Zeitpunkt aus den
Händen zu gleiten scheint. Sägende Synthies und wütende Beats aus dem
Drumcomputer treffen auf akustischen Schönklang. Was er anfasst wird
nicht zu Gold, aber zur dunklen Faszination. Alles liegt drin. Und
trotzdem ist nichts Zufall. In Anbetracht der angebrachten Stile könnte
eventuell der Verdacht aufkommen, Enik würde seine Kunst
ausschliesslich einer statischen, Rollkragen-Pulli-tragenden Menge
vortragen. Weit gefehlt, Enik ist Rock n’ Roll, ein Rebell auf seine
ganz eigene Art und Weise. „The Seasons In Between“ ist tanzbar,
mindestens teilzeitig. Allerdings sollte man Vorsicht darin üben sich
nichts zu verrenken, denn seine Musik verlangt dem Körper unmöglichste
Bewegungen ab.
Um der Form halber Höhepunkte herauszuheben: Der potentielle
Elektro-Hit „Why Do You Love Me“ könnte auf Grund seiner Eingängigkeit
auch irgendwann im Formatradio gehört worden sein. In schlechter,
versteht sich. Mit dem Titeltrack „The Seasons In Between“ schenkt uns
Enik im Vorbeigehen auch noch eine der schönsten Balladen des Jahres.
Das steht fest. Und es ist doch erst März.
Seit 24. März 2006 im Handel.
Anspieltipps: Why Do You Love Me; The Seasons In Between; Warm Space; Awake
Trackliste: 1) Rebro; 2) Friendly Drifter; 3) Why Do You Love
Me; 4) The Seasons In Between; 5) No Fire; 6) Warm Space; 7) Unhealthy
Smoke; 8) Awake; 9) Uncomfortably; 10) Kids; 11) The Stolen Eyelight;
12) Smashing The Glass; 13) Small Finger; 14) No Love; 15) Safety
similar artists: Funkstörung, Cex,
Coldcut ,
Nine Inch Nails , The Notwist
> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > Label > CH-Vertrieb
Bio:
Dominik Schäfer aka Enik ist neben seiner Solokarriere auch Bestandteil
des Elektro-Dekonstruktions-Duo Funkstörung. Fast gleichzeitig mit dem
letzten Funkstörung-Release im 2004 erscheint Eniks Debüt-EP „Without A
Bark“ auf Wonder Records. „The Seasons In Between“ ist sein erstes
Full-Length-Album, auf welchem er die Instrumente grösstenteils
eigenhändig einspielt. Unterstützt wird er von zahlreichen Musikern,
die sich vor allem für die Bläser-Parts verantwortlich zeigen.
Diskographie:
> The Seasons In Between (2006)