Wo sie gewesen sind? Was sie gesehen und erlebt haben? Explosions in the
Sky werden es uns nicht sagen, sie werden es uns spielen. Und wer nicht
hören will, der wird auch nicht fühlen.
Was für ein Beginn. Triumphal baut sich „Last Known Surroundings“ wie Quellwolken auf, die kurze Ruhe vor dem Sturm, Blitze zucken und dann der erlösende Niederschlag. Natürlich, Postrock wurde schon immer gerne mit solchen Bildern beschrieben. Aber was soll man machen? Die Band aus Austin, Texas, schmeisst sie einem geradezu an den Hals. Vor allem, wenn sie den Zugang zu ihrer Musik nochmals ein klein wenig mehr öffnen. Die Türe auf dem Cover lädt zum Eintreten ein, auch wenn der Briefkasten schon lange nicht mehr geleert wurde. Es ist ein positives Grundgefühl, das hier ausgestrahlt wird. Und man vernimmt dahinter gar eine Stimme. Die „Human Qualities“ warten lange, bis sie richtig ausbrechen. Der Titel lässt vermuten, dass man für einander sorgen sollte und die Menschlichkeit wieder in den Vordergrund rückt. „Take Care, Take Care, Take Care“. Mit Nachdruck gegen die zitternden Hände. Einige fanden es erwähnenswert, dass das dritte Stück der Platte so kurz ausgefallen ist. Aber mal ehrlich: Schaut man beim Hören nie aufs Display, man realisiert es gar nicht. Das Album fängt an und endet und dazwischen ist Musik, die keine Zeitgrenzen kennt, keine Worte braucht und deshalb eigentlich auch keiner bildhaften Erklärung bedarf. Das Postkartenmotiv ist mit dem Bandnamen sowieso schon abgedeckt.
„Be Comfortable, Creature“. Da ist er schon wieder. Der Gedanke an das Wohlergehen des anderen. Man erkennt es an der Musik und an der Musik erkennt man Explosions in the Sky. Keine Neuerfindung einer Band. Aber wie viel Spielraum haben die Texaner denn, wenn sich einige darüber wundern, dass ein einziger Song bloss dreieinhalb Minuten dauert und behaupten, diese Platte sei zuweilen poppig? Nur weil Songs wie „Last Known Surroundings“ und „Postcard From 1952“ Parts haben, die in wunderschönen, rhythmischen Melodien aufgehen? Seltsame Betrachtungsweisen eines Albums, das nicht weiter weg von Pop und Songstrukturen sein könnte. „Let Me Back In“ beginnt wie ein epischer Dredg-Song ohne Gesang. Dredg ihrerseits haben es versucht mit dem Pop und sich. Wohin das geführt hat? Auf ihrem letzten Album war kein Song so gut wie „Let Me Back In“. Das neue spaltet schon jetzt die Gemüter. Es wird also niemand hinaus kommen, um die alten Postkarten einzusammeln und einem die Türe aufzuhalten. Da muss man schon selber hinein. Allzu schwer fallen sollte einem das nicht. Es wird nämlich für dich gesorgt, auf dem neuen Album von Explosions in the Sky.
Seit 21. April 2011 im Handel.
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Anspieltipps:
> Last Known Surroundings
> Let Me Back In
Diskographie:
> How Strange, Innocence (2000)
> Those Who Tell the Truth Shall Die, Those Who Tell the Truth Shall Live Forever (2001)
> The Earth Is Not a Cold Dead Place (2003)
> The Rescue (2005)
> All of a Sudden I Miss Everyone (2007)
> Take Care, Take Care, Take Care (2011)
Ähnliche Künstler:
> Envy
> Caspian
> Mono
> Godspeed You! Black Emperor
> Russian Circles
1Kommentar
am Donnerstag, 12. Mai 2011 23:00
Schön geschrieben, stimme vollkommen zu. Dass sie sich mit dieser Platte nicht neu erfunden haben, stört mich überhaupt nicht, im Gegenteil. Gerade das Beispiel Dredg zeigt doch, wohin fast schon gezwungenes "sich ändern wollen" führen kann (ist jetzt natürlich eine Unterstellung, die nicht stimmen muss). EITS machen, was sie richtig gut können. Highlights sind für mich "Last Known Surroundings" und "Let Me Back In".