Ohrwürmer zuhauf, und nur die wenigsten davon
sind gemeinhin bekannt: Das bietet der Brite auf der neusten, nicht
wirklich spätnachttauglichen Ausgabe der “LateNightTales“.
Unsicher darüber, ob Fatboy Slim früher besser war oder ob der Big Beat zu Recht so schnell wieder verschwand, wird neuem Material des Briten erst eher Skepsis entgegengebracht. Fest steht, dass nach dem Big Beat-Meisterwerk “You’ve come a long way, Baby“ nur noch Mittelprächtiges folgte, vom hervorragenden Videoclip zu “Weapon of choice“ abgesehen. Der Produzent und DJ aus Brighton setzt sich nun für die renommierte “LateNightTales“-Reihe an die Regler und dabei seien Fans gewarnt, Verächter entwarnt: Beinah jeder der gewählten Tracks hat mehrere Jahrzehnte auf dem Buckel, und das ist auch gut so. Denn nach einem lauwarmen Aufguss, wie es der vor einigen Jahren veröffentlichte Nachfolger zum Big Beat-Klassiker “On the floor at the boutique“ einer war, verlangt ja auch niemand mehr.
Stattdessen reiht Norman Cook hier nun ein viel zu unbekanntes Juwel an das andere, wobei bei einigen Stücken Elemente durchschimmern, die später auch ihren Weg in die Musik von Fatboy Slim, der Housemartins oder Beats International etc. fanden. Aber um einen Blick in die Sample-Kiste handelt es sich hier nicht, mehr um eine mit beeindruckender Fachkenntnis zusammengestellte Selektion von Raritäten und Klassikern. Mit einem bluesigen Rock-Titel (absolut erstklassig: Mink DeVille – Spanish Stroll) und ähnlichen Klängen eröffnet Cook das Set und leitet dann für einige Titel in gemütlichen Roots-Reggae/Dub über, um darauf mithilfe von Angie Stones “Wish I Didn’t Miss You“ (in einer lässigen Dub-Version) die Soul-Richtung einzuschlagen.
Nach einer brillanten ersten Hälfte wird die Auswahl leider etwas krude und ziellos, auch wenn die Stücke an für sich meist grossartig bleiben. Da folgt etwa auf afrikanischen Jazz das Peanuts-Thema vom genialen Vince Guaraldi. Oder nach dem Kraftwerk-Klassiker “Radioactivity“ in einer gefälligen Fatboy Slim-Version fragt sich Lou Reed “Who Loves The Sun“ und als nächstes erklingen ohrwurmige Calypso-Klänge. So kommt es, dass man sich als Hörer schnell dazu verleitet sehen kann, einfach mal einige Tracks rauszupicken und diese “LateNightTales“ weniger als Ganzes zu geniessen, was ja nicht der Sinn der Sache, aber vielleicht trotzdem verschmerzbar ist.
Seit 15. Oktober 2007 im Handel
Anspieltipps: Mink De Ville - Spanish Stroll, Trinity - Three Piece Suit, Ben Vereen - I'll Keep A Light In My Window
Trackliste: 1) Mink De Ville - Spanish Stroll; 2) The Modern Lovers – Roadrunner; 3) Nick Lowe - I Love The Sound Of Breaking Glass; 4) Paul Davidson - Midnight Riders; 5) Hopeton Lewis - Express Yourself; 6) Dave and Ansel Collins - Monkey Spanner; 7) Rupie Edwards - Ire Feelings (Leggo Skanga); 8) Trinity - Three Piece Suit; 9) Angie Stone - Wish I Didn't Miss You; 10) Little Beaver - I Can Dig It Baby; 11) Syreeta - Your Kiss Is Sweet; 12) Ben Vereen - I'll Keep A Light In My Window: 13) Oscar Brown, Jr. - Brother Where Are You?; 14) Yoro-Kery Goro – Mory; 15) Vince Guaraldi Trio - Linus And Lucy; 16) Willie Nelson - Blue Skies; 17) Kenny Rogers & The First Edition - Just Dropped In (To See What Condition My Condition Is In); 18) Señor Soul - Don't Lay Your Funky Trip On Me; 19) Fatboy Slim – Radioactivity; 20) The Velvet Underground - Who Loves The Sun; 21) The Sandpebbles - Zombie Jamborie; 22) Robert Mitchum - From A Logical Point Of View; 23) Taj Mahal - Satisfied 'N' Tickled Too; 24) Sly & The Family Stone - My World; 25) Tom Jobim e Orquestra - Tema Da Desilusao Garota de Ipanema; 26) Bootsy Collins - Everything Is Everything
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Bio:
Norman Cook ist ein britischer Produzent und DJ, der in ausserordentlich vielen verschiedenen Projekten mitwirkte, wobei er als Fatboy Slim am meisten Erfolg hat. Als Quentin Leo Cook wurde er im Juli 1963 in Bromley, London, geboren. Cook wuchs in Surrey auf und liess sich in Brighton nieder, als er mit dem Polytechnik-Studium anfing. In der Club-Szene Brightons sammelte er erste Erfahrungen im DJ-ing. 1985 wurde er von seinem Freund Paul Heaton angefragt, ob er als Bassist bei der Alternative Rock-Band Housemartins einsteigen möchte. Obwohl Cook, der in frühen Jahren noch ein Punk-Fanzine auf die Beine stellte, das Interesse an der Rockmusik etwas verloren hatte, stimmte er zu. Nachdem sich die Housemartins 1988 aufgelöst hatten, widmete sich Cook wieder mehr der Musik, die ihm wirklich zusagte, und gründete zusammen mit anderen Musikern das Projekt Beats International, welches mit “Dub Be Good To Me“ in England die Spitze der Charts erreichte. Nach einem zweiten Album zog Cook weiter, um 1993 zusammen mit Ashley Slater als Freak Power zu musizieren, auch diese Gruppe war irgendwo zwischen Acid Jazz und Trip Hop einzuordnen. 1995 brachte er unter dem Pseudonym Pizzaman ein House-Album heraus und erreichte mit drei Singleveröffentlichungen die UK-Top40. Nachdem er sich für ein zweites Freak Power-Album mit Ashley Slater zusammenschloss, legte er sich 1996 mit Fatboy Slim ein neues Pseudonym zu. Immer öfters legte er im Brightoner Club “The Big Beat Boutique“ auf, wodurch er auch die Chemical Brothers kennenlernte, die ihn dazu ermutigten, anstatt nur aufzulegen auch selbst Musik zu produzieren. Kurz darauf erschien sein erstes Album, zwei Jahre später folgten der grossartige Remix zu Cornershops “Brimful of Asha“, die Live-CD “On the Floor at the Boutique“ und sein bislang stärkstes Album: “You've Come a Long Way, Baby“. Neben mehreren Compilations und Live-Alben veröffentlichte Fatboy Slim im Lauf der Jahre zwei weitere Alben, wovon besonders das 04er Werk “Palookaville“ deutlich schwächer ausfiel. Ein fünftes Album ist für 2008 angesagt.