Es war schon immer knapp.
Ihre abgründig-melodischen Kunstlieder auf „The Family Album“ waren pompös arrangiert und wahnsinnig authentisch und bewusst vorgetragen worden, aber trotzdem reagierte niemand. Jetzt – zwei Jahre später – scheint Dawn McCarthy durch ein weniger aufregendes Album an Bekanntheitsgrad zu gewinnen. Was der kreativen Amerikanerin natürlichen zu gönnen ist. Aber: Der traditionelle Indianerstamm- (und manchmal auch Totenzeremonien-) Touch wird wohl weiterhin den einen oder anderen Grossstadtintegrierten abschrecken. Oder zu sehr anstrengen, belasten, ... beängstigen. Gleich der Beginn von „The Transit Rider“ ist ein schummriges Intro, das auf den einsam aber hoffnungsvoll klingenden Titeltrack hindeutet. Ein verlassener Bahnhof in der Wüste Amerikas. Und mittendrin eine junge Frau, die weiss, was sie kann, und vielleicht auch weiss, was sie will, aber nicht genau, wo sie hin soll. In der einzigen Bar des veralteten Staublochs (und Kleindorfs) spielt sie jeden Mittwoch ein paar Leiern vor. Oder singt den Blues. Oder trällert fulminanten Neo-Folk. Beispiele sind leider keine auf dem neuen Album vorhanden, aber Faun Fables kann eigentlich alles. Der Schluss von „Earth’s Kiss“ beweist das dann doch noch: Herrlich falsch klingende Moll-Akkorde, verschobener Rhythmus und wieder die typische „Family Album“ – Atmosphäre.
Doch jetzt ist bald Sommer.
Und da will die Musik von Dawn McCarthy, Nils Frykdahl und Co. nicht so richtig hineinpassen. Denn Leichtigkeit (wie die Sommerbrise, das Kratzen des Grases wenn man stundenlang auf der Wiese liegt, die langen Abende, Nachtgespräche auf Terrassen etc.) und Unbeschwertheit (eine Reise ohne Ziel, eine Übernachtung irgendwo in der Natur – wobei das wieder passen würde, Schwimmen im kalten Bergsee) liegen fern. Ausser man überdeckt die Sommerzeit mit Naturalismus und viel gefährlichen Abenteuern, dann passen die herrlichen Duette („Fire & Castration“, „The Questoning“) wieder. Um stimmungsvolle Assoziationen zur frechen Gedichtvortragung zu erhalten (das Gedicht stammt von Dawns Vater), müssen wir aber bis weit in den Wald hineingehen.
Und schliesslich vom Zug gefallen.
Die Songs auf „The Transit Rider“ lassen dich fallen, was dir bald auch egal wird. Willst du Faun Fables hören, was du zweifellos zu wollen hast, dann beginne beim „Family Album“ und höre ebenda auf. „The Transit Rider“ ist nichts weiter als ein sakrales Lebenszeichen mit viel Symbolik von einem engagierten Künstler-Ensemble.
Seit 8. Mai 2006 im Handel.
Anspieltipps: Fire & Castration; The Questoning
Trackliste: 1) Birth; 2) Transit Rider; 3) House Carpenter; 4) In Speed; 5) Taki Pejzaz; 6) Raodkill; 7) Earth’s Kiss; 8) Fire & Castration; 9) The Questoning; 10) I No Longer Wish To; 11) The Corwith Brothers; 12) Dream On A Train; 13) I’d Like To Be
similar artists: Joanna Newsom, Angels of Light, Cocorosie,
Devendra Banhart, Martha Wainwright, Eleni Mandell
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Bio:
Faun Fables ist vor allem das Soloprojekt der jungen Dawn McCarthy aus San Francisco. Mit ihrem vor zwei Jahren veröffentlichten Album „Family Album“ (eigentlich schon der dritte Longplayer, aber der erste international vertriebene) hat sie einen gewichtigen Teil zum Thema 'Neo Folk' beigetragen. Der Erfolg blieb ihr leider verwehrt, weil ihre Songs zu versponnen und komplex sind, psychedelische Rockmusik der 70er genauso Referenzpunkt sind wie osteuropäische Folklore, Brecht/Weill-Stimmungen, und alpenländische Traditionen. „Family Album“ erschien damals zeitgleich mit dem Debüt von Joanna Newsom, die ebenfalls einen sehr aussergewöhnlichen Ansatz des Neo Folk verfolgt, jedoch den Weg in die Feuilletons und an die Festivals (Montreux) geschafft hat. Für Faun Fables ist nun im Zuge des neuen Albums ebenfalls eine ausgedehntere Europa-Tournee geplant.