Folie – Eyepennies (2005) |
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| von Rudolf J. Merkle am Montag, 26. September 2005 in Neuerscheinungen | |
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Genre: Electronic Label: Mitek CH-Vertrieb: RecRec Unsere Wertung: ![]() Tüfteleien mit Witz.Geschätztes Auditorium, es sei nicht um den heissen Brei geredet: Das anzuzeigende Album erheitert den Freund des gepflegten Minimalismus der klingenden Art, lässt ihn wohlwollend nicken und verleitet bisweilen zu einem respektvollen ‚Oha’. Das Ein-Mann-Projekt Folie lässt dem doch allzu sehr gelobten Debüt „Misspass“ nach einer längeren Pause ein zweites Album folgen. Das Resultat ist weitgehend überzeugend, brav, teils groovig, teils verträumt. Erstaunlich ist, mit welcher Abgeklärtheit der junge schwedische Künstler seinem martialischen Namen eben gerade keine Ehre macht. Er schlägt nicht voreilig mit dem Hammer Mjölnir des einäugigen Donnergottes zu, sondern lässt sich alle Zeit, Melodien zu konstruieren („Felicia“), ohne sich irgendeiner Aufgeregtheit anheim zu geben. Dieser Thor ist beflissen auf der Suche nach dem simplen Klang – gut so. Gekonnt werden die Beats eingesetzt, um dem Groove die Priese Erotik mit eleganter Souplesse zu verleihen, die elektronsicher Musik eignet (vgl. hierzu Massive Attack oder Tosca). Witzig wird’s etwa bei „Felicia“, wo der verdutzte Hörende keck in die Ohren gekniffen wird, wenn im Ansatz ein imitiertes Mandolinen-Furioso erklingt, sodass man erblasst in schlimmster Erwartung eines Beitrages für die ultimative „All-Time-Best-of-Love-Songs“-Kompilation harrt. Wie der Mastermind hier die Kurve kriegt und auf langen Loops die Richtung ändert, ist aller Ehren wert. Dieser Einfall gibt Zeugnis gescheit ausgearbeiteter Kunst. Nur ungern verlassen wir die Gefilde der deutschen Sprache, doch formulieren wir es dem Trend gemäss frank und frei: Folie produziert zweifelsfrei deepe, geerdete Loops, denen weder besondere Fröhlichkeit noch ein depressives Konzept vorzuwerfen sind. Zuweilen deuten Stimmfetzen hinter quasifunkigen Baselines an („Stain“), dass der Humanfaktor durchaus nicht vergessen ging, sich aber nicht in einer Hauptrolle zu präsentieren hat. Trotzdem ist die Musik keinesfalls entseelt, sondern emphatisch bewegt. Dreht man, was zu empfehlen ist, den Lautstärkenregler in höhere Sphären („Sturm“; „Oaklips“), erahnt man, dass Thor mit kleinen Details eine bemerkenswerte Wucht und Untiefe zu kreieren vermöchte, wenn er denn wollte … Er will aber nicht so recht, was leise enttäuscht. „Knaprig“ und „Mnogo“ weisen unseres Erachtens den Weg, wie Folie stärker fesseln könnten. Ebenda implementierte Andeutungen destruktiver Elemente – wir erwehren uns in dieser Sache absichtlich nicht der Erinnerung an die grossartigen „Autechre“ – zwingen den Hörenden, sich besser zu konzentrieren, um dem bedeutenden Potential des begnadeten Technikers auf die Spur zu kommen. Diese intellektuellen Momente sind eher rar. Darum wird es Folie allerdings nicht zu tun gewesen sein, was wir ein klein wenig bedauern, denn dergestalt würde Folies Musik gewinnen, würde sich und uns neue Dimensionen eröffnen. Herr Thor laviert zwischen Melodie und Beat schöner, sympathischer Prägung. Auf einen Schuss mutiger Boshaftigkeit hoffen wir im nächsten Album. Fazit: Folies bedachter, in sich geschlossener technischer Sound mit Ambient-Gepräge und verquirlten Detroit-Reminiszenzen erfindet die elektronische Musik (noch) nicht neu, ist aber gehaltvoll und glaubwürdig gestaltet. Unsere Ansicht: Selbst hören und selbst urteilen. Besten Dank für die ungeteilte Aufmerksamkeit. Seit 26. September 2005 im Handel. Anspieltipps: Sturm, Knaprig, Rocin, Stain Trackliste: 1) Ellatre; 2) Strum; 3) Knaprig; 4) Mnogo; 5) Rocin; 6) Revelj; 7) O-aklips; 8) Felicia; 9) Krogg; 10) Viskos; 11) Stain; 12) Bundle similar artists: Tosca, Kruder und Dorfmeister, Pole, Autechre, Aphex Twin (bedingt), Son of Clay > Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > Label > CH-Vertrieb Bio: Hinter Folie verbirgt sich der talentierte schwedische Minimal-Musicus Stefan Thor, der bei der feinen musikalischen Vereinigung Mitek unter Vertrag steht. Die Firma nimmt es mit Fleiss an die Hand, sich glaubhaft verdient zu machen um die Förderung junger Musiker aus Skandinavien. Man gehe hin, höre und kaufe die elektronischen Produkte aus diesem Hause, denn sie sind allesamt überdurchschnittlicher Qualität. Diskographie: > Misspass (2002) > Eyepennies (2005)
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