An den Konzerten der sympathischen Schweden hauts den letzten
Partyverweigerer aus den Socken. Doch statt mit Wut wollen uns Friska
Viljor dieses Mal mit mehr Freude packen.
Gerade in Bern ist es zurzeit unmöglich, sich ganz von der EM Sause fernzuhalten; die Farbe Orange hat das Zepter übernommen und reisst im ganzen Trubel jedermann mit: feuchtfröhliche Stimmung und ein bisschen Fasnacht im Sommer.
Eine ähnliche Geschichte spielte sich letztes Jahr in den Clubs Europas ab; mit einem rotzigen und schnell eingespielten Album namens “Bravo!“ im Gepäck, versuchten Joakim Svenningson und Daniel Johannsen von Friska Viljor den Frust über das Ende ihrer Beziehungen mit reichlich Alkohol zu übertünchen, so dass jeder Zuschauer einige Tropfen Bier redlich teilen durfte, mehr oder minder im Bewusstsein, dass auch einige Tropfen Herzblut in diesen Songs steckten.
Was jetzt kommt, ist Zugabe und gleicht auch einer Abschiedstournee: Ein Song wie “Old Man“ funktioniert als Gassenhauer wieder mal prächtig. Kurz werden die Drums gecheckt und dann legen die Bläser und die überdrehte Stimme von Svenningson, unterlegt von einem rasanten Beat, los. Grob neben Ton und gutem Englisch gelingt eine kurze und fetzige Spass –und Schwitznummer, eine runde Sache.
Schnell merkt man, dass die schnellen Songs auf Platte aber nicht ganz an die Energie der Liveauftritte herankommt. Belanglos arrangiert, mit den üblichen Strom-raus Strophen und Strom-in Refrains hat man es hier schnell gehört, vor allem die immer wiederkehrenden Chöre sind auf Dauer einfach nur zu viel. Immerhin hat “Taste Of Her Lips” seine Lichtblicke, weil die Melodie nicht nur einprägend ist und auch die nach drei Minuten einsetzenden Bläser plötzlich wieder Spass machen.
Mit „On And On” und “Arpeggio” bleiben nur zwei Songs, die an “Bravo!”erinnern: eine tragendende Stimme und ein ausgefeilteres Songwritung.
Und so ist es wie im Fussball: Solange die Stimmung und das Bier über Wasser hält, gehören wir dazu. Doch bei mangelnder Chancenauswertung hört auch der Schweizer wieder weg.
Seit 30. Mai 2008 im Handel.
Anspieltipps: On And On, Old Man, Oh No, Arpeggio
Trackliste: 1) On And On; 2) Old Man; 3) Oh No; 4) The Street Sounds Like; 5) The Cure; 6) Taste Of Her Lips; 7) Arpeggio; 8) Early Morning; 9) Dear Old Dad; 10) Sunday; 11) In The Nude
similar artists: Shout Out Louds, Guillemots, Eagle*Seagull, Peter Björn And John, Arcade Fire
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Bio:
Die beiden Freunde Joakim Svenningson (Vocals, Mandoline) und Daniel Johannsen (Guitar, Vocals) wurden 2005 scheinbar gleichzeitig von ihren Freundinnen verlassen und trafen in Gesprächen über das andere Geschlecht eine folgerichtige Entscheidung: Sie gründeten Friska Viljor, um sich der Wut und Enttäuschung zu entledigen. Dazu kamen Freunde und Bekannte aus Schweden: Ludvig Rylander (Guitar, Vocals), Maria Lindén (Organ, Vocals), Mattias Areskog (Bass, Vocals), Markus Bergkvist (Drums, Vocals). Im September spielen sie u. a in Bern im ISC.