News und Infos
Newsletter
NewsletterAbonniere unseren kostenlosen Newsletter und bleibe so immer auf dem Laufenden.






RSS-Feed
Der RSS-Feed von ::exit.music::
Abonniere unseren RSS-Feed!
Login / Registrierung

Partner

Advertisement
Playlist: Eno
Eno









Christian Mikolasek

- Gregor Samsa: 55:12
- Brian Straw: Song Veins
- Envy: Insomniac Dose
- Propaghandi: How to Clean Everything
- I not dance: So You Think You Can Stop Me...

Ivo Münger

- Botch: We Are the Romans
- Engine down: To Bury Within The Sound
- Radiohead: From the Basement
- Mogwai: Hardcore Will Never Die, But You Will
- Mineral: The Power of Failing

[Playlist Archiv]
Zukunftsmusik
12.5.
The Cribs – The Belly of the Brazen Bull
Richard Hawley – Standing at the Sky’s Edge
Here We Go Magic – A Different Ship
Fela Kuti – Live in Detroit

19.5.
Simian Mobile Disco – Unpatterns
Beach House – Bloom
Best Coast – The Only Place
Guided by Voices – Class Clown Spots a Ufo alles lesen
exitmusic.ch on Facebook

Fugo - Avant 93:43

Drucken E-Mail
von Philipp Gautschi und Daniel Gilic am Montag, 28. März 2011 in Neuerscheinungen   

Genre: Alternative  |  Label: Engineer Records (Irascible)

Avant 93:43
Das neue Album von Fugo bewegt. Aber in welche Richtung? Er stellt sich unserem 4-Ohren Test.
Rezension von Philipp Gautschi
Rezension von Daniel Gilic


Tschuldigung, haben sie ein bisschen Zeit?
Fugo dürfen als Ausnahme im Schweizer Musikgeschehen betrachtet werden. Die Aargauer Eigenbrötler veröffentlichten im Februar ein Paket bestehend aus drei EPs à 30 Minuten, ein grossartiges, kaum fassbares Gesamtwerk.

Fugo haben es der Zuhörerschaft noch nie wirklich einfach gemacht. Musikalisch sind sie nur schwerlich einzuordnen, ich mache es wie immer billig und bezeichne den Sound mit dem gottgleichen Überbegriff 'Alternative', was in etwa so viel heisst wie: ein bisschen anders als der Rest. Vielleicht hilft es, Schlagwörter wie Hardcore, Progressive oder gar Postrock zu nennen. Zusammengefasst: eigenwillige, fordernde, vielseitige Gitarrenmusik.

Doch nur mit schwieriger Musik ist das Ding noch nicht gefressen. Kommt hinzu, dass die drei Alben sich im grossen und ganzen dem Thema 'Zeit' widmen. Philosophen prügeln sich noch heute darum, wie man dieses menschliche Konstrukt fassen oder gar verstehen soll. Stellt man die Uhr wenn es Sommerzeit wird vor oder zurück; wie bringt man den Kühen bei, dass sie nun plötzlich eine Stunde früher oder später gemolken werden oder wie hat der Durchschnittsschweizer korrekterweise zu reagieren, wenn sein Zug drei Minuten zu spät kommt? Fragen, die auch Fugo auf „93:43“ nicht zu beantworten vermögen. Ob die drei Alben sowas wie Past-Present-Future darstellen sollen, sei dahingestellt bzw. den Philosophen oder ihren Kühen überlassen. Natürlich schmeissen einem Fugo in voller Fahrt noch einen weiteren Stock zwischen die Speichen: Titelnamen gibt es keine (immerhin bekamen die Songs auf den älteren Platten solch wohlklingende Namen wie 'P.', 'O.' oder 'B.'), die Songs werden im Seminararbeits-Stil von 1.1. bis 3.6. durchnummeriert.
Ich versuche nun, diese Anhäufung von clever gesäter Verwirrung zu entflechten oder schlicht zu berichten, was Fugo musikalisch produziert haben.

Das erste Album (1.1-1.6. bzw. 00:00-30:30) klingt so, wie man Fugo kennt. Ziemlich wirr, wie erwähnt, schwerlich fass- und merkbar. Keine Ohrwürmer, nichts, was nachhaltig hängenbleibt. Dafür eine gesalzene Portion kreativen Gitarrengewichses, mutige Tempowechsel und eine beinahe wahnwitzige Ideenvielfalt. Breite Klangflächen duellieren sich mit holprigen Experimenten. Roman Donzés Gesang teils nölig, teils angenehm melodiös. Geschmackssache. Erwartungsgemäss dauern die Songs meist gute 5 Minuten. Ankreiden kann man aus Sicht des Normalkonsumenten einzig eine gewisse Tendenz zur Repetition, vor allem einzelne Textteile werden teils heftig ausgelutscht. Ich als Verehrer des nicht minder repetitiven Postrocks habe diesbezüglich jedoch nichts zu meckern. Der Song '1.4.' eher ruhig, angenehm, sehr nahe an den Vorbildern von ...Trail of Dead (übrigens ist deren Conrad Keely für die sackstarken Covers verantwortlich. Eine gemeinsame Tour ist angesagt.) '1.5' rhythmisch virtuos, meist wirr und rassig, zwischendurch träumerisch schön. '1.6.' dann en franҫais. Wiederum sehr gekonnt gespielt, völlig überzeugende Gitarrenarbeit und der schöne Satz ''c'est a moi de t'ouvrir les yeux''.

Der zweite Streich (2.1-2.6 bzw. 30:30-64:39) schliesst nahtlos am ersten an. Man darf es wagen zu behaupten, dass die Songs vorerst ein kleines bisschen zugänglicher erscheinen. Natürlich ein Trugschluss. '2.1' erreicht dank zweistimmigen Vocals sowie nachvollziehbarer Melodie und sehr mildem Zwischenteil die Grenze zum Poprock knapp nicht. Dazu ist es noch immer zu komplex, zu verschachtelt, zu virtuos gespielt. '2.2' ähnlich melodisch, dank wütenden Drums, an Gewehrsalven erinnernden Gitarrenfetzen sowie einem hanebüchenem Wechsel nach 2 Minuten alles andere als Pop. Da ich während des genauen Hörens des zweiten Albums bereits glaube vergessen zu haben, wie das erste genau tönte, wage ich hier die Behauptung, dass Album 2 druckvoller und im Verlauf noch anspruchsvoller ist als Album 1. Jedenfalls glaube ich, das Ding geht direkter ins Genick. Verschiedene Songpassagen machen grauenhaft Spass. Das 7 minütige '2.3.' ist ein Brüller. An Kreativität und irrsinnigem Spielwitz kaum zu überbieten. Im ähnlichen Stil kommen '2.4' (etappenweise eine dezente Spur gemächlicher, kurz darauf jedoch wieder wild und zappelig), '2.5' (breites, dominantes Riff, rhythmisch sich selbst massakrierend, zum Schluss beinahe hymnisch) und '2.6' (wieder so ein 8-Minuten Unding, diesmal irgendwo zwischen Mars Volta-eskem Chaos und Off-Beat-Tanzparty) daher. Meine Rübe raucht bereits nach 2/3 des Gesamtwerks gewaltig.

Das Dritte und letzte Teil-Album (3.13.6 bzw. 64:39-93:43) beginnt mit '3.1' wiederum wirr (das wohl am häufigsten verwendete Wort in diesem Text). Ah, Mathrock wäre auch so ein Genre-Schlagwort, welches hinzugefügt werden kann. '3.2' dann dank schnellem Gitarrenwerk und netter Melodie vorerst flüssig, im Verlauf dank ausgiebigem Instrumentalteil beinahe orchestral. '3.4' nochmals zugänglicher. (Doch was bringt diese Aussage dem Leser dieses Abrisses; kaum einer wird beim Anhören dieses musikalischen Ungeheuers denken 'Ah, beim Song 3.4 gibt es ein paar Momente, welche der Gautschi für zugänglich hält.') '3.5.' im Vergleich zum Rest sehr exotisch. Sehr reduziert, einzelne Gitarrenklänge treffen auf spannendes Bass und Schlagzeugspiel, der Gesang gedämpft und monoton. Sehr spannend. Es gilt trotzdem, langsam aber sicher ein Schlusswort zu finden.

Man darf sagen, dass Fugo mit „93:43“ ein Unding von Album geschaffen haben, welches aufgrund seiner unüberschaubaren Vielfalt an Ideen kaum greifbar, geschweige denn nachvollziehbar ist. Noch schwieriger ist es, das Teil in Worte zu fassen. Die vollen 93:43 an einem Stück zu hören wird aufgrund der klanglichen Vielfalt beinahe zur Tortur. Danke dafür, mein musikalischer Masochismus wurde befriedigt, ich lasse mich gerne wieder einmal von den knapp 94 Minuten quälen, Fugo.

Anspieltipps:
> 1.4.
> 2.1.
> 2.3.
> 3.2.

Philipp Gautschi gibt 8.5 von 10 Punkten



Catching the atmosphere
Dass episch ausufernder Postrock noch weiterentwickelt werden kann, stellen Fugo mit ihrem dreigeteilten Album „Avant 93:43“ unter Beweis.

Inspiration gesucht und gefunden: Fugo haben das Œuvre der grossen Vorbilder sorgfältig studiert, nach links und rechts geblickt, und formulieren jetzt mittels bekannt klingenden Genre-Zitaten ihren Standpunkt. Eine Melange aus Emo, Prog und Postrock ist es geworden. Jeweils sechs Songs auf drei Discs verteilt, gespickt mit Breaks und großen Hooks, Drumsalven und protzigem Gesang. Der raubeinige Opener „1.1“ vermittelt bereits einen guten Eindruck, in welche Richtung es hier geht: Süß-saure Gitarrenmusik, die weder Druck noch Dichte vermissen lässt. Hier herrscht ein Potenzial zwischen gewagtem Experiment und gewaltiger Explosion. Hochmelodisch, aber nie simpel gestrickt, atmet das Material frischen Wind.

Songs, die hypnotisch („2.2“) oder feingliedrig und mächtig klingen („2.3“), erinnern auch an Bands wie Biffy Clyro oder The Mars Volta, ohne noch deren Gespür für das Songwriting zu haben. Große Gesten scheut man nicht, auch wenn nicht jeder Handgriff perfekt sitzt und nach der Herzenswärme oft vergebens Ausschau gehalten wird. Die aufwendigen Aufbauten bräuchten in Zukunft eventuell einen zielgerichteten Innenarchitekten, der nur das Beste mitnimmt und den Song noch weiter in den Vordergrund stellt – nicht das Format.

Fugo werden bestimmt einige Menschen verzaubern, Viele jedoch überfordern. Das Trio zeigt sich gedanklich frei und musikalisch versiert, lässt sich gleichermaßen von Wut und Mut leiten. Zurück muss nach diesem grossen Schritt sicherlich niemand mehr.

Clever kombiniert und mit jeder Menge Dynamik ausgestattet - „Avant 93:43“ sollte selbst Kaliber wie Trail of Dead doof aus der Wäsche gucken lassen. Conrad Keely, von dem sämtliches Artwork stammt, tut dies bestimmt schon.

Anspieltipps:
> 1.2
> 2.2
> 2.3

Daniel Gilic gibt 6.0 von 10 Punkten




Seit 25. Februar 2011 im Handel.

> Hören & Kaufen > Myspace > Label > CH-Vertrieb

Diskographie:
> Aie (2005)
> Entrements d'hier (Split EP mit Squarewell) (2007)
> Avant 93:43 (2011)

Ähnliche Künstler:
> And You Will Know Us by the Trail of Dead
> The Mars Volta
> Nirvana
> Coheed & Cambria
> Biffy Clyro
» Noch keine Kommentare
Es gibt bisher noch keine Kommentare.
» Kommentar schreiben
Nur registrierte Benutzer können Kommentare schreiben.
Bitte melden Sie sich an oder registrieren Sie sich.
 
< Zurück   Weiter >