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Future Fluxus - Fuck the Universe and Say Yeah!

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von Philipp Gautschi am Mittwoch, 30. März 2011 in Neuerscheinungen   

Genre:  Indierock / Post-Hardcore / Mathrock  |  Label: Nois-o-lution  |  Unsere Wertung: 7.5/10

Fuck the Universe and Say YeahDas Universum begatten
„Fuck the Universe and Say Yeah!“ Meiner Ansicht nach eine sehr vernünftige Lebenseinstellung. Dahinter verbirgt sich ein weiteres äusserst geniales Album, welches sich unmöglich in irgend eine Sparte quetschen lässt.

Kaum habe ich mich durch Fugo's hochkomplexes Monsterwerk "Avant 93:43" geackert, steht mit Future Fluxus der nächste nicht wirklich leichtverdauliche Brocken an. Nur blöd, dass ich solche Musik tatsächlich gerne höre. Thomas Kastning (Kate Mosh) tat sich mit Drummer Hannes Kaschel (TerHaar) sowie zwei weiteren Kollegen zusammen. Daraus entstand das Self-Made-Projekt Future Fluxus, die zwar deutlich verwandte, jedoch nicht zwingend logische Weiterentwicklung der genannten Bands.

Von Beginn weg fällt das rhythmisch anspruchsvolle, Bass- und Schlagzeuglastige Spiel auf. Mit „Angermouse“ startet die Platte mit dominanter Basslinie, Schrammelgitarre und teilweise wüsten GekrEIsch kreativ zappelig. Nach 3:20 wird das Tempo herrlich reduziert, der Song wird instrumental, schläft kurz ein, findet dann aber zum zackig-schnellen Spiel zurück. „Peter Plan vs. Future Fluxus“ beginnt wieder zerhackt und akzentuiert. Der fiese Bass schmuggelt sich wieder ins Zentrum, der Song wird flüssig, lässig, etappenweise tanzbar, um sich kurz darauf wieder zu drehen und in Richtung gemütlichen Indierock abzudriften. Die regelmässigen, unkonventionellen Rhytmus- und Stilwechsel erfüllen höchste Ansprüche. Mit einer Spielzeit von 6:43 folgt mit „Darth Major“ der längste Song. Dieser beginnt wütend (darum vielleicht die Genrebezeichnung Post-Hardcore) und bleibt dank äusserst schrägem Takt (meine Schwester, die Musikwissenschaftlerin könnte hier besser Auskunft geben) unbequem. Natürlich bleibt auch hier kein Stein auf dem anderen. Der Song hat wiederum zig Gesichter. Gitarre und Bass duellieren sich heftig, kurze, harmonische Phasen der Erholung mit harmonischen Gesangsparts werden geboten, um kurz darauf wieder vom kaum nachvollziehbaren Schlagzeug (da hört man TerHaar gewaltig raus) zerstört zu werden. Zum Schluss zeigt der Song wie zu Beginn seine rasante Post-Metal / Hardcore – Fratze. 'It's worse than ever' klingt vorerst nach Postrock. Filigranes Gitarrenspiel, angenehme, leicht düstere Atmosphäre. Nach einer guten Minute ein Wechsel zu postmodernem Rhythmus-Gemetzel, untermalt von gesprochenen Worten und synthetischen Geräuschen, nach zwei Minuten wütende Screamo-Einlagen, dann wieder rhythmischer Irrwitz, zum Schluss wieder angenehmer Postrock, einsame Gitarren mit Glockenspiel.

Erstes Fazit: Kreative, wuchtige, komplexe, wirre und heftige Musik. Im gleichen, schwierigen Takt gehts weiter. „...---...“ vorerst einigermassen friedlicher basslastiger Indierock, im Verlauf, insbesondere in instrumentalen Teilen wütend und verstörend. Wiederum auffallend gut gespielt bzw. kombiniert. Bei „The Plan“ gefallen die Gitarrenduelle sowie die mathematisch präzise Konstruktion bestens. Dazu passend unauffälliger, sich jedoch sehr gut an die untanzbaren, abgehackten Beats schmiegender Gesang. „Semicolon Bracket Close“ beginnt mit zappeligen Computergeräuschen, welche dann von erstaunlich 'normalem' Schlagzeugspiel begleitet werden. Und tatsächlich haben wir es erstmals mit einem Popsong im weiteren Sinne zu tun. Das Stück bleibt vorerst entspannt, verhältnismässig unkompliziert. Und plötzlich schlägt der Bass herrliche Kapriolen während das Schlagzeug alles andere als Anfängerkram spielt. Zum Schluss wieder sauberer Indierock. Vielleicht das einzige Stück, welches man den leicht zu überfordernden Normalkonsumenten vorspielen könnte. „Zeke“ dann wieder ein Zappelphilipp von Song. Flüssig gespielt, gesanglich relativ emotional, leidend (hier gewinnt KateMosh die Überhand). Der elektronische Hintergrundkrach wird von wiederum wunderbar schwieriger Bassarbeit überflügelt. Das Album endet mit „Loudsneaker“. Hier werden nochmals sämtliche rhythmischen Register gezogen. Mal abgehackt, mal flüssig, meist chaotisch, immer beängstigend präzise. Genial.

Zweites Fazit: Wahnsinnig kreative, wuchtige, komplexe, wirre und heftige Musik. Future Fluxus begatten das Universum auf fürstliche Art und Weise. Sehr gute Musiker, sehr gute Ideen, noch bessere Umsetzung. Ein Album für Leute, die nicht gerne tanzen, nicht zwingend den einfachsten Weg wählen, gerne weiterdenken, Überraschungen schätzen und von sich behaupten, ein kleines bisschen anders als der Rest zu sein.

Seit 25. März 2011 im Handel.

> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > Label

Anspieltipps:

> Peter Plan vs. Future Fluxus
> Darth Major
> It's Worse Than Ever
> The Plan
> Semicolon Bracket Close
> Loudsneaker

Diskographie:
> Fuck the Universe and Say Yeah! (2011)

Ähnliche Künstler:
> Kate Mosh
> Ter Haar
> Fugo
> Honey For Petzi
» 1 Kommentar
1Kommentar
am Dienstag, 12. April 2011 13:18von robert
In Berlin zufällig gesehen und sofort verliebt. Das ist in der Tat sehr eigen, sehr komplex, sehr tiefgehend, aber auch SEHR gut!!!!! Musik für Nerds? Vielleicht, Zumindest muss man zuhören. Eine der spannendsten Alben zur Zeit.
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