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Zukunftsmusik
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Gnarls Barkley – St.Elsewhere (2006)

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von Tobias Imbach am Mittwoch, 7. Juni 2006 in Neuerscheinungen   
Genre: Black Music-Stilmix
Label: Warner Music UK
CH-Vertrieb: Warner Music
Unsere Wertung:Gnarls Barkley – St.Elsewhere (2006)

Verkehrte Welt
Gnarls Barkley – St.Elsewhere (2006)Aus der Ecke, in der wohl immer noch am meisten geht, treten zwei höchst talentierte Figuren hervor, bilden ein perfektes Paar und bescheren uns eins der besten Alben des Sommers.

Hat man erst mal das Rätsel gelöst, wer denn hinter diesem erstaunlich tollen Song steckt, der die anderen seelenlosen Songs in den heutigen Charts noch mehr erblassen lässt und zugleich Musikgeschichte geschrieben hat (mehr dazu in der Bio), scheint alles noch etwas besser zu sein. Der Erfolg des melancholischen Hits “Crazy” lässt vermuten, dass die gemeine Hörerwelt die richtige Soulmusik (wieder) lieb gewonnen hat und zugleich innovative Künstler wie Danger Mouse und Cee-Lo, die beiden kreativen Köpfe hinter Gnarls Barkley, zu schätzen weiss. Auch wenn das vermutlich eher nicht der Fall ist, erfreut man sich nun trotzdem daran, dass der Erfolg auch mal die Richtigen trifft und die beiden (Ex-?)-Underground-Hip Hop-Acts nach “Crazy” ihr erstes Album veröffentlichen. Beinahe jeder Song auf diesem Debüt hält mit dem Highflyer “Crazy” mit … und stellenweise wird der Hit sogar übertroffen. So ist beispielsweise das aufgestellte und schwer an Motown-Klassiker erinnernde “Smiley Faces” ein absolutes Highlight und kaum mehr zu übertreffen. Ein weiterer Höhepunkt ist “Just A Thought” - Verstörte Beats, trauerndes Gitarrenspiel, Cee-Lo singt wie ein Halbgott die besten Zeilen des Albums und mit der Portishead-Gitarre gegen den Schluss schwindet die Hoffnung. Einige Sekunden darauf erscheinen und erschrecken Gnarls Barkley als Outkast-Zwillinge verwandelt auf der Leinwand (definitiv durchgeknallt: “Transformer”), im Elektropop/Indierockzwitter “Gone Daddy Gone” erinnern sie dann an Gorillaz und in “Go Go Gadget Gospel” scheint sich ein Beat-Berserker mit Videogame-Soundtrack im Plattenkoffer aufzumachen, um einen Gospelchor zu unterstützen. Klingt alles ziemlich verrückt, eh? – ist es auch, aber auch unendlich gut. Des Weiteren beweist Danger Mouse wieder mal viel Geschmack: Beim Geisterbahn-Soundtrack “The Boogie Monster” und beim smoothen Rapstück ”Feng Shui” griff er in stilvoller Sample-Manier auf italienische Easy Listening-Perlen zurück.

Sommerliches wie das wunderbare “Who Cares?” (wer summt da schon nicht mit?) täuscht nicht darüber hinweg, dass “St.Elsewhere” oft viel ernster und dunkler ist, als es erst den Anschein haben mag. Waren die Lyrics schon länger ziemlich morbid und “Just A Thought” und die manchmal durchschimmernde Melancholie weitere drohende Vorboten, wird es gegen Ende der leider recht kurzen Spielzeit des Albums auch in musikalischer Hinsicht ziemlich dunkel.
Im trip-hoppig schleppenden “Necromancer” bricht zwar eine wunderbar jazzige Keyboardlinie mit der drückenden Düsterkeit, aber trotzdem bleibt ob der beinahe apokalyptischen Grundstimmung eher ein unwohles Gefühl im Magen. Die imaginären Gewitterwolken verschwinden auch bei “Storm Coming” nicht, ganz im Gegenteil. Aber noch so gerne bleibt man da im Regen stehen und hofft, er möge noch möglichst lange anhalten… verkehrte Welten in St.Elsewhere. Leider nicht besonders lange, aber davon abgesehen: dringend empfohlen.


Seit 5. Mai 2006 im Handel.

Anspieltipps: Go-Go Gadget Gospel, Smiley Faces, Just A Thought, Who Cares? … und Crazy wenn man’s noch nicht kennen sollte.
Trackliste: 1) Go-Go Gadget Gospel; 2) Crazy; 3) St. Elsewhere; 4) Gone Daddy Gone; 5) Smiley Faces; 6) The Boogie Monster; 7) Feng Shui; 8) Just A Thought; 9) Transformer; 10) Who Cares?; 11) Online; 12) Necromancer; 13) Storm Coming; 14) The Last Time
similar artists: Outkast, Gorillaz

> Hören und Kaufen
> Offizielle Webseite > Label > CH-Vertrieb

Bio:

Hinter Gnarles Barkley (vermutlich auf den Namen der amerikanischen Basketballlegende Charles Barkley zurückzuführen) stecken Brian Burton (DJ Danger Mouse) und Thomas Callaway (Cee-Lo). Der Stern von Danger Mouse stieg nach dem sensationellen “Grey Album” (fusionierte das legendäre “White Album” der Beatles mit dem East Coast-Rap-Vorzeigealbum “Black Album” von Jay-Z), einem Einsatz als Mastermind für das zweite Gorillaz-Album sowie Kollabos mit anderen hervorragenden Künstlern, unter anderem mit den Projekten Danger Doom (MF Doom) oder dem hier besprochenen Gnarls Barkley ganz nach oben. Auf Cee-Lo, der sich in der Szene mit der Dirty-South-Rap-Kapelle Goodie Mob und als Solokünstler recht viel Ansehen geschaffen hat, traf Danger Mouse Mitte der 90er. Im Jahr 2003 begannen die beiden mit der Zusammenarbeit. Ab September 2005 eroberte ihr erster Song “Crazy” die Herzen vieler DJs und war auch als Jingle einer BBC-Show zu hören. Mehr als ein halbes Jahr später konnte man den wundervollen Track dann auch käuflich erwerben, allerdings vorerst nur im Internet. Das reichte allerdings aus, um den Track an die Spitze der britischen Singlecharts zu hieven, nachdem nur kurz zuvor die Chartsregeln aktualisiert wurden (Internet-Downloads werden mitgezählt). Ein historischer Moment, so waren Gnarls Barkley die ersten Musiker, die einen Nr.1-Hit, der ausschliesslich auf Download-Käufen basiert, landen konnten.  Einige Wochen später folgte das Album.

gnarlsbarkley
Diskographie:
> St.Elsewhere (2006)


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