Ein erster Moment des Schreckens, die eine Befürchtung bestätigt sich mehr und mehr: Es klingt alles so, schwachbrüstige Beats und klebrige Synths, die Gorillaz bleiben nicht stehen, sondern laufen in die falsche (und richtige, dazu später mehr) Richtung. Die organischen Sounds von Dan The Automator oder Danger Mouse sind passé, “Plastic Beach“ ist tief in der abgeschmackten Klangästhetik der 80er-Jahre verankert, Plastik ist tatsächlich Programm und Konzept. Ganz so unhörbar wie sich das liest, ists natürlich nicht, so gut wie es die orchestrale Eröffnung noch erhoffen lässt, allerdings auch kaum eines der vielen, vielen Stücke.
Auf “Plastic Beach“ befindet sich zu viele Gäste, zu viele Songs, darunter gleich eine ganze Handvoll Füller, aber jene Songs, die wirklich überzeugen, sind auch wirklich grossartig. Der schnulzige Alleingang “On Melancholy Hill“ ist wunderhübsch, noch besser sind das traumhafte “Empire Ants“ mit den grossartigen Little Dragon und das verspielte “Some Kind Of Nature“ mit Lou Reed. Andere Songs wie die Hip Hop-Ausflüge “ Superfast Jellyfish“ (mit De La Soul und Guff Rhys), “Sweepstakes“ oder “Stylo“ (beide mit Mos Def) werden von witzigen Einfällen gerettet.
Dabei ist es verschmerzbar, dass die Beinah-The Clash-Reunion im Titelstück einfach friedlich vorbeiplätschert. Oder ein Stück wie „White Flag“ grandios scheitert, nicht mal an den bemerkenswert schlechten Vocal-Deliveries des Grime-Helden Kano und Bashy, sondern weil was nicht passt, auch von jemandem wie Damon Albarn und Jamie Hewlett nicht passend gemacht werden kann.
“Plastic Beach“ ist weniger abwechslungsreich als die Vorgänger, hat keine zwingenden Hits, dafür aber einige Langweiler und Ausfälle, aber noch wichtiger: es ist auch deutlich stimmiger als jedes andere ihrer Alben, nahe der künstlichen Perfektion.
Seit 5. März 2010 im Handel.
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Anspieltipps:
> Empire Ants
> Some Kind Of Nature
> On Melancholy Hill
Diskographie:
> Gorillaz (2001)
> Demon Days (2005)
> Plastic Beach (2010)
Ähnliche Künstler:
> Beck
> Lovage