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Grace Jones - Hurricane

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von Tobias Imbach am Montag, 10. November 2008 in Neuerscheinungen   

Genre: Elektro-Pop, Dub-Soul, Trip Hop  |  Label: Wall Of Sound (Musikvertrieb)  |  Unsere Wertung: 7.5/10

HurricaneSturmwarnung
Grace Jones sorgt nach beinah zwanzigjährigem Urlaub für die schönste Überraschung dieses Musikjahres.

Seit wenigen Tagen ist ein neues Album von Grace Jones in den Läden. Und noch weitaus überraschender als dieser an für sich eher zweifelhafte Umstand: Es ist überaus gelungen. Nicht selbstverständlich in Zeiten, in denen sich alternde Pop-Diven generell des Mammons wegen prostituieren (Madonna) oder deren Comebacks viel zu viel zu wünschen übrig lassen (Donna Summer). Das vor einigen Monaten veröffentlichte “Corporate Cannibal“ liess die hohe Qualität des zehnten Albums von Grace Jones allerdings bereits erahnen. In Kombination mit dem grossartigen Videoclip ist der inzwischen 60-Jährigen ein echtes Kunstwerk gelungen:


Verzerrte Gitarren, krachende Beats zwischen Trip Hop und Industrial, die Unterkühltheit der Melodie und der halbgesungenen und halbgesprochenen Worte lassen  “Corporate Cannibal“ zu einem unheilvollen Sound-Gewitter werden. Parallelen zum End-90er-Sound von Massive Attack sind genauso unüberhörbar wie erfreulich. Das gilt auch für den stärksten Track des Albums: Das Titelstück, eine Kollaboration mit einem Tricky in Höchstform, wurde bereits vor zehn Jahren veröffentlicht, erscheint hier in komplett überarbeiteter Version inklusive grosszügigem Einsatz eines stilvollen Streichorchesters. Neben Tricky wirkte unter anderem auch Brian Eno als Mitmusiker und in beratender Funktion an dem Album mit, mehrmals griff Jones auch auf ihre Landsleute Sly & Robbie zurück. Die beiden Jamaikaner produzierten bereits ihre drei besten Alben Anfang der 80er-Jahre. Und grundsätzlich serviert Grace Jones dasselbe wie damals: Einen wohl gefüllten und kühlen Cocktail mit Reggae und Dub, Club-Electronica, Soul-Gesang und Rockmusik. Das schöne “Sunset Sunrise“ oder die Reggae-Nummer “Well Well Well“ könnten aus einer Aufnahmesession in den 80ern resultiert sein, meist aber verpasste das namhafte Team rund um Produzent Ivor Guest dem Album einen modernern Anstrich.
 
Gleich einigen Songs mangelt es an wirklich packenden Melodiemomenten, die vielen originellen Ideen im Songwriting gleichen diesen Missstand aber wieder aus. Erwähnenswert ist in der Hinsicht die zweite Singleauskopplung “William’s Blood“, die sich vom souligen Pop-Song über Rock-Passagen zum feierlichen Gospel-Hit  wandelt. Den Genuss tatsächlich einschränken dürfte nur der Gesang selbst. So scheint er stellenweise zu forciert, zu bedrohlich, um nicht etwas der Lächerlichkeit zuviel in sich zu tragen. Wer Grace Jones diese künstlerische Freiheit aber gewährt oder sich sowieso wünscht, dass sie immer noch genau gleich klingt wie in den 80ern, darf der Wertung ruhig einen halben oder ganzen Punkt hinzufügen.

Seit  31. Oktober 2008 im Handel.

> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > MySpace > Label > CH-Vertrieb
Grace Jones
Anspieltipps:
> Corporate Cannibal
> Hurricane
> Sunset Sunrise

Diskographie:
> Portfolio (1977)
> Fame (1978)
> Muse (1979)
> Warm Leatherette (1980)
> Nightclubbing (1981)
> Living My Life (1982)
> Slave to the Rhythm (1985)
> Inside Story (1986)
> Bulletproof Heart (1989)
> Hurricane (2008)

Ähnliche Künstler:
> Sly & Robbie
> Kid Creole & the Coconuts
> Massive Attack
> Tricky
> Nile Rodgers
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