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Gravenhurst - The Western Lands

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von Michael Zuckschwerdt am Donnerstag, 20. September 2007 in Neuerscheinungen   
Genre: x
Label: Warp Records
CH-Vertrieb: Musikvertrieb
Unsere Wertung:Gravenhurst - The Western Lands


Der Herbst wird schön
The Western Lands“The Western Lands“ ist ein ruhiges, aber sehr spannungsvolles Album mit mehreren echten Highlights geworden, das zum Ende hin leicht abflacht.

Mit “Saints“ ziehen einen Gravenhurst und insbesondere Nick Talbot mit seinem subtilen Gitarrenspiel und der wunderschönen Stimme sofort in ihren Bann. Wie Nebelschwaden, bloss ohne deren feuchte Kühle, umhüllen einen die Jungs aus Bristol mit ihrer Musik. Die poetischen und ausdrucksstarken Textpassagen wie beispielsweise „Maybe God is desperate too“ kommen so wirkungsvoll zur Geltung, dass ein Weghören unmöglich ist.
Der zweite Song “She Dances“ beginnt mit trockenem Achtelrhythmus und weckt bei mir mit den dissonanten Flageoletttönen Assoziationen zu The Cure. Nach einem Break wird das Thema der Gitarre vom Piano unterstützt und steigert sich weiter bis zum Einsatz einer dreckig verzerrten Gitarre, die nach dem finalen Akkord das Schlagzeug ähnlich einem pumpenden Herzen allein lässt - bis zum letzten Schlag.
Der grösste Ohrwurm des Albums ist der Song “Hollow Man“, der mit einem markanten Hauptteil in bester My Bloody Valentine-Manier loskracht. Darüber schwebt, leicht wie ein Schmetterling, eine melancholische Pianomelodie, die den Gesang (eigentlich fungiert der Teil als Refrain) ersetzt. Nach zwei Minuten verliert sich der Song im Chaos von Schlagzeug-Geboller und Feedbackorgien, bevor einen das Thema wieder packt und zielstrebig zum Schluss führt.

Auffallend ist immer wieder Nick Talbots feines Gespür für kleine Details, welche die grundsätzlich einfach instrumentierten Songs enorm stimmungs- und abwechslungsreich wirken lassen. Damit und mit seiner spürbaren Hingabe, hat er Ähnlichkeit mit Robin Proper Shepard (Sophia, ehemals The God Machine). Mit deren insbesondere in früheren Jahren teilweise erdrückenden Vezweiflung und desillusionierten Stimmung haben Gravenhurst dann aber doch wenig gemein, vielmehr strahlen ihre melancholischen Songs Hoffnung und eine Art raue Schönheit aus.

“Trust“ ist ein weiteres sehr schlicht gehaltenes Stück, das durch das Ausspielen seines Strophe/Refrain Melodiebogens eine feierliche, fast hypnotische Wirkung entfaltet. Darüber singt Nick mit bedauernder Stimme „Trust is a hard thing to come by“ und eine kratzige Gitarre mit viel Hall setzt markante Farbtupfer – toll gemacht.
Gleiches könnte man auch zum instrumental gehaltenen Titeltrack “The Western Lands“ sagen, der sich wunderbar steigert und ähnlich dem bereits erwähnten Schluss von “She Dances“ mit markantem Schlagzeug aufhört, die Wirkung ist hier jedoch eine völlig andere. Sie erinnert eher an die letzten Bilder eines jeden Lucky Luke-Comics, wo der Lonesome Cowboy auf Jolly Jumper der untergehenden Sonne entgegen reitet.
“Farewell, Farewell“, als letzter hier speziell erwähnter Song ist eine Coverversion von Fairport Convention. Das Stück ist deutlich psychedelischer als die übrigen des Albums. Nicks weiche hallbeladene Stimme schwebt über einen minimalen Schlagzeubeat, und im Hintergrund stopfen als Kontrast quietschende Gitarrenfeedbacks jedes Soundloch zu.

Obwohl die abschliessenden drei Songs des Albums das Niveau nicht ganz halten können, ist “The Western Lands“ eine wunderschöne und sehr empfehlenswerte Platte für alle Freunde sanfter und sorgfältig instrumentierter Töne geworden, die ausserdem genau in der richtigen Zeit des Jahres auf den Markt kommt. Für mich eine der besten Neuentdeckungen dieses Jahres und 4.5 Punkte wert.


Seit 7. September 2007 im Handel.

Anspieltipps:
Saints; Hollow Man; Trust; The Western Lands
Trackliste: 1) Saints; 2) She Dances; 3) Hollow Man; 4) Song Among The Pine; 5) Trust; 6) The Western Lands; 7) Farewell, Farewell; 8) Hourglass; 9) Grand Union Canal; 10) The Collector
similar artists: The Smiths, My Bloody Valentine, Yo La Tengo, Sophia

> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > MySpace > Label > CH-Vertrieb

Bio:
Die Band Gravenhurst ist in erster Linie das Kind von Sänger und Multiinstrumentalist Nick Talbot. Nachdem sich seine vorherige Band The Assembly Communications nach dem Unfalltod des Bassisten nicht wieder finden konnte, löste sie sich auf und Nick arbeitete alleine weiter.
2002 veröffentlichte Nick Talbot auf seinem selbst gegründeten Label Silent Age Records das Gravenhurst-Debutalbum  “Internal Travels“.
Im Jahr darauf veröffentlichte er dort ebenfalls den Nachfolger “Flashlight Seasons“. Dieses Album wurde nach dem Unterschreiben bei der sonst eher im elektronischen Musikbereich tätigen Plattenfirma Warp Records neu herausgebracht. Mit ihrem ruhigen düsteren Folk Rock fallen Gravenhurst ziemlich aus dem Rahmen bei Warp, die Platte erhält jedoch auf breiter Ebene gute Kritiken, die sich allerdings nicht in den Verkaufszahlen widerspiegeln.
2004 erscheint die EP “Black Holes In The Sand“ und ein weiteres Jahr später das dritte Album “Fires In Distant Buildings“. Dieses fällt mit seinen verzerrte Gitarren und treibendere Grooves deutlich rockiger aus.
Im Herbst 2007 erscheint nun das vierte Album The Western Lands. Es zeigt die Band um Nick Talbot weiter gereift und der für Ende Jahr anberaumte Tour (Daten in der Schweiz siehe Konzertkalender) darf mit Spannung entgegen geblickt werden. Zum aktuellen Line Up um Mastermind Nick Talbot gehören Dave Collingwood (Schlagzeug), Dave Allender (Bass, Elektronical Devices) und Alex Wilkins (Gitarre).

Gravenhurst
Diskographie:

> Internal Travels (2002)
> Flashlight Seasons (2003)
> Black Holes in The Sand, EP (2004)
> Fires In Distant Buildings (2005)
> The Western Lands (2007)


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