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Grinderman – Grinderman 2

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von Robert Best am Dienstag, 14. September 2010 in Neuerscheinungen   

Genre: Blues  |  Label: Mute (Musikvertrieb)  |  Unsere Wertung: 7.5

Böse Zungen
Ein grüner Affe zierte das Debütalbum vor 3 Jahren. Auf dem Cover des Nachfolgers steht ein Wolf im Marmorsalon. Das unvermutet auftretende, gefährlich präsente Fabelwesen ist ein Leitmotiv bei Grinderman. Auch in der Musik. Dazu ein Albumtitel wie der eines zweitklassigen Horror-Slashers und (siehe Website) ein durchgeknallter Trailer mit Frau in der Badewanne und Waffengewalt.

Böse Zungen halten Grinderman für das Nebenprojekt von Nick Cave, der hier Songs verbrät, die für die Hauptband Bad Seeds zu ausgefallen sind. Was allen Beteiligten eigentlich herzlich egal sein kann. Vor allem Bad-Seeds-Mitglied Warren Ellis, dessen freie Improvisationen auf „Grinderman 2“ den Ton angeben. Verglichen mit dem ungeschliffen rohen und doch vertrackten Sound des Debüts wurde hier noch einmal an Eingängigkeit gespart.

Dafür gibt es mehr Psychedelik und ans Debile grenzende Verzweiflung. Im Ohr hat man nach dem ersten Hören höchstens noch den Gospel „Palaces of Montezuma“, der aber schneller zu Ende gebracht wird, als er in Stadionrock ausarten könnte. Cave singt mit johnnyrottenesker Silbendehnung oder mit dem Altersstimmbruch, der schon den späten Johnny Cash so beliebt machte. Es geht aber auch zurück: Richtung Birthday Party, Caves erster Band, aber auch ins mythische Blues-Amerika, zu gepflegten Moritaten und kryptischen Litaneien. Sichere Referenzadressen sind Leadbelly, Mississippi John Hurt und Memphis Slim („They call me the Grinderman“).

Den Serienmörder verbindet mit dem Künstler einiges mehr als das Pseudonym. Beide müssen Artisten der Variation sein, eine Handschrift entwickeln und ohne den Verfolgern zu viele Anhaltspunkte zu geben (falsche) Fährten legen. Und damit wären wir wieder beim Fabelcode und bei den noms de guerre, die einem nicht erst die Geschichte gibt. „Bellringer“. „They Call My Girl the Snake Charmer“. „He Was the Goodbye Man“. „She Is the Buddha“. „I am the Abominable Snowman“. „You are the Moon!“ „You are the Stars!“

Nun waren Namen immer schon integraler Teil des Cave-Kosmos’. Doch nie waren sie so überpräsent wie hier: „Überbenennung“, wie Walter Benjamin sagen würde, „als tiefster sprachlicher Grund aller Traurigkeit (und vom Ding aus betrachtet) allen Verstummens.“ War die Benennung, das schaffende Wort, doch Gott vorbehalten und trat erst mit dem Sündenfall abgeschwächt auf den Menschen über. Das wilde Benennen kann sich damit nicht abfinden. Vielleicht ist es konsequent, dass ein/e mit „you“ Angesprochene/r in Caves Texten fast immer nur „baby“ heissen kann. Baby wie das Baby in Geborgenheit und Infantilisierung.

Wie auf den Heiland warten in Caves Texten alle auf das dräuende Unheil, dessen Ankündigung resp. Ausbruch die Musik so abwechselnd wie abwegig in Szene setzt. Die schwülstigen Altherrenfantasien, die dahinter stehen, muss man sich nicht ausmalen. Sie sind tragende Säulen der ganzen Idee. 

Seit 10.9.2010 im Handel. 

> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > MySpace > Label > CH-Vertrieb
Grinderman
Anspieltipps:
> Wormtamer
> Bellringer Blues
 
Diskographie:
> Grinderman (2007, Mute)
> Grinderman 2 (2010, Mute)
 
Ähnliche Künstler:
> Birthday Party
> Nick Cave and the Bad Seeds
> Leadbelly
» 2 Kommentare
1"Henning"
am Donnerstag, 7. Oktober 2010 10:34von Schmidt
Die akademisch-kopflastige Kritik unter Bezugnahme auf Walter Benjamin beurteilt mit dem Cave-Album einen Gegenstand, der mit eben diesen erlenten/antrainierten Kategorien und Denkweisen überhapt nichts zu tun hat.
2Kommentar
am Donnerstag, 7. Oktober 2010 12:12von Michael Messerli
Eine aber auch durchaus akademisch-kopflastige Analyse, Herr Schmidt.
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