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Genre: Folk / Pop | Label: Universal Music | Unsere Wertung: 6.0/10
Holpriger Sommer
Als ich meiner Mutter erzählte, ich habe die neue Gustav CD zugeschickt bekommen, war sie ganz aus dem Häuschen. Sie mag Gustav, weil er nicht nur auf Schweizerdeutsch sondern auch auf französisch singt, und dabei einen Hauch eines Akzentes hat, der doch "tellement chou" ist.
666 beginnt trotz seines teuflichen Titels auf ganz nostalgische und gustav'sche Art und Weise. Altbekannte rumpapa Sounds, mit einem Text der in Erinnerungen eines vergangenen Sommers schwelgt. Die warme Jahreszeit ist in Gustavs Musik ja ein beliebtes Thema. Wenn er den Sommer nicht besingt, so hört man doch in seinen lebensbejahenden Melodien Sonnenstrahl heraus. Hier aber ist es keine fröhliche Ode an den kommenden Sommer, eher eine seufzende Sehnsucht einer vergangenen Zeit. So besingt Gustav in "Endlose Summer" und "Abe am See" vergangene Sommertage (oder eben Abende) auf triefend kitschige Art und Weise. Erst mit Thujahaag wird es rockiger, einem schwizerdütschen Song über diejenigen, die hinter ihrem dicken Hag unter sich bleiben wollen. Kritik einer Bünzligesellschaft, die nichts wissen will, aber doch immer was zu sagen hat? Auf "Ce que nous sommes" dekliniert Gustav schliesslich alles, was wir als Menschen sein können. Hoch philosophisch und tiefst dramatisch.
Das Album kommt rumpelnd daher, viel auf und ab, viel lalala. Gustav gibts in melancholisch und in kritisch-witzig. Der Fribourger ist ja bekanntlich sehr vielseitig, und das hört man auch auf 666 heraus. Er spielt mit zwei verschiedenen Sprachen und mit musikalischen Genres. Mal als gutmütiger Chansonnier ("Les ponts de ma ville" oder "Monsieur K") und dann als ruhiger Songwriter ("Requiem fürn a aarma Hùnn" oder "Abe am See") oder frecher und aufgeweckter Rocker ("Saftsack"). Ausserdem spielt Gustav immer wieder mit anderen Bands, diesmal mit den Hellbrothers, die auch ganz gut zum Albumtitel passen. Insgesamt ist 666 aber emotional tiefgründiger und dementsprechend auch kitschiger als erwartet, mit einigen Ausnahmen wie eben "Thujahaag" oder "Ménage à 3".
"Ménage à 3" ist ein witziger Tango der an "Tout ce que tu n'aimes pas" aus dem Album Ultravista erinnern kann. Es erzählt von einer Dreierbeziehung, die halt einfach nicht funktioniert – überraschenderweise aber aus einem tierischen Grund.
Auch meine Beziehung zu Gustavs Musik holpert ein wenig. Deswegen hab ich das Album meiner Mutter geschenkt. Sie hört es nun im Gegensatz zu mir in Dauerschleife und das freut mich, denn Gustav ist ja doch ein sympathischer Kerl.
Seit 12. Februar 2010 im Handel.
> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > MySpace > Label

Anspieltipps:
> Ménage à 3
> Thujahaag
Diskographie:
> Gustav & das Kummerorchester: Die Erste (1998)
> Gustav & le Polterensemble: Gegen Süden/Vers le Sud (2000)
> Gustav & the Elektric Noise Club: Rosemary's Bar (2002)
> Gustav & l'Ultra'Vista Social Club: Ultra'Vista (2005)
> Gustav & son Lonely Heart Attack Band: les jardins de mon coeur (2007)
> Gustav & les Hellbrothers: 666 (2010)
Ähnliche Künstler:
> Stephan Eicher
> Patent Ochsner
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