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Hans Söllner + Bayman' Sissdem - Viet Nam

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von Tobias Imbach am Dienstag, 25. Dezember 2007 in Neuerscheinungen   
Genre: Reggae, Folk
Label: Trikont
CH-Vertrieb: RecRec
Unsere Wertung:Hans Söllner + Bayman' Sissdem - Viet Nam


Das Leben trotzdem lieben
Viet NamHans Söllner bleibt der Alte, nur das musikalische Gewand ist etwas anders.

Nach dem Studioalbum "Oiweil I" und dem Livealbum "Live im Regen" folgte im November dieses Jahres ein neues Werk des bayerischen Liedermachers Hans Söllner und seinem Bayaman' Sissdem. War Söllner früher als klassischer Liedermacher nur mit Gitarre und Harmonika und einem Haufen Beleidigungen im Gepäck unterwegs, wird er hier von Schlagzeug, Piano, Bass, Akkordeon und weiteren Instrumenten begleitet.

Gefällig und technisch einwandrei sind die Klänge auf “Viet Nam“ immer, aber zumeist bleibt das Resultat ohne weiteren Belang. Der Opener “A Jeda“ ist ein älteres Stück Söllners, erinnert nun im schnellen Ska-Takt und den trashigen Keyboard-Beats und Handorgel erst sogar eher unschön an die verdrängt geglaubten Stunden im Bierzelt, macht aber dank witzigen Zeilen und hübscher Melodie doch wieder einiges wett. Die meisten Stücke sind dem Reggae zuzuordnen – schade nur, dass es des öfteren gilt, sich ob der zu sauberen und braven Produktion zu ärgern. “Am Freitag gibts Fisch“ weist mit Blues- und Rock'n'Roll-Referenzen allerdings in eine andere Richtung, beim tollen “Nordwind“ entzücken Bläsersätze. Im Vergleich zu den Vorgängern legten Söllner und Truppe auf “Viet Nam“ mehr Wert auf Vielfalt. Volkstümliches findet ab und an den Weg in den bajuwarischen Reggae, genauso wie es auch an frühere Solopfade erinnernde Folk-Songs zu hören gibt.

Es sind aber die Texte, die Söllner in der deutschsprachigen Alternativkultur zum Helden werden liessen. Etwas unverständlich ist aber zweifelsfrei, dass die Texte nicht im hübschen Booklet abgedruckt sind – eine eher unglückliche Voraussetzung für all jene, die des Bayerischen nicht wirklich mächtig sind.
Der bekennende Rastafari ziemt sich nicht, seiner Unzufriedenheit mit unflätigen Worten mehr Druck zu verleihen, Söllner sieht sich in der Rolle des Sprachrohrs des einfachen Mannes im Zwist mit Staat und Gesellschaft. Intimer gibt er sich im vielleicht stärksten Stück des Albums, dem berührenden “So gern“, das er seiner verstorbenen Schwester Elke widmete. In diesem Stück und einigen wenigen anderen Stücken hält sich die Band zurück und nur Söllners Gesang, Gitarre und Mundharmonika sind zu hören – die teils etwas zu gekünstelt ausgefallenen Klänge des Bayaman' Sissdem werden hier keine Sekunde lang vermisst.

Fazit: In den ausgelassenen Momenten eher zum Vergessen, in den Ernsten allerdings gross. Auch Söllner-Bewunderer sollten allerdings erst reinhören, da sich das Klangbild im Vergleich zu früheren Aufnahmen teils doch deutlich änderte.


Seit 9. November 2007 im Handel.

Anspieltipps: Nordwind, So Gern
Trackliste: 1) A jeda; 2) Damaskus; 3) Lass fliag'n deine Dreads; 4) Am Freitag gibt's Fisch; 5) Jeden Dog; 6) Nordwind; 7) Landshut; 8) Da geht die Dia auf; 9) Edeltraut; 10) Geh weida; 11) So gern; 12) Trostlos; 13) Viet Nam; 14) Vorbei damit
similar artists: Bayerman Vibration, schwer beeinflusst durch Bob Marley und Bob Dylan

> Hören und Kaufen
> Offizielle Webseite > MySpace > Label > CH-Vertrieb

Bio:
Johann Michael Söllner wurde 1955 im bayerischen Bad Reichenhall geboren. Mit dem Musizieren begann er während seiner Ausbildung zum Koch im Alter von 15 Jahren, indem er sich selbst das Gitarrenspiel beibrachte. Später begann Söllner eine zweite Lehre als Mechaniker und schrieb während den Lehrjahren alle Titel seines Debüts. Jenes sollte allerdings erst veröffentlicht werden, nachdem Söllner Anfang der 80er einen Sängerwettbewerb gewann. Nachdem Söllner Mitte der 80er Jamaika bereist hatte, entschied er sich Rastafari zu werden, und setzte sich nach der Heimkehr in Deutschland für die Legalisierung von Marihuana ein. Nicht nur deswegen war sein Verhältnis zu der bayerischen Regierung sehr angespannt, die kritischen Texte seiner Songs riefen schon bald Gesetzeshüter auf den Plan. Anfang der 90er suchte Söllner auf dem Münchner Arbeitsamt mehrere arbeitslose Musiker, um die Reggaeband Bayerman Vibration zu gründen. 1998 traf er auf die österreichische Reggae-Truppe The Buccaneers, mit denen er sich kurz darauf zusammenschloss.
Die Buccaneers änderten zu Beginn dieses Jahrtausends ihren Namen in Bayaman'Sissdem um und spielt seither als Begleitband Söllners in folgender Besetzung: Manfred Puchner, Gitarre; Denis Rieger, Bass; Peter Pichler, Akkordeon; Stefan Hofer, Schlagzeug und Stefan Zepf, Keyboard.
Heute ist Hans Söllner einer der erfolgreichsten Liedermacher Deutschlands.

Hans Söllner
Diskographie:
> Nachdenkliches zum Schmunzeln (1982)
> Für Marianne und Ludwig    (1986)
> Wos reimt se scho auf Nicki ... (1987)
> Endlich eine Arbeit! »... sogar der Wind liagt« (1988)
> Hey Staat! (1989)
> Bayerman Vibration (1990)
> »Live« mit Bayerman Vibration (1991)
> ...Ungehörtes und Unerhörtes (1992)
> ...Unerhörtes (1992)
> ...der Charlie (1992)
> Fang ma do o wo ma neilich aufg'heat ham (1993)
> Endlich eine Arbeit  (1994)
> Grea Göib Roud (1995)
> A jeda (1997)
> Endlich eine Arbeit (Neuauflage) (1998)
> Für Marianne und Ludwig (Neuauflage)    (1998)
> Wos reimt se scho auf Nicki ... (Neuauflage) (1998)
> 241255 (2000)
> Babylon (2001)
> Oiwei i (2004)
> Im Regen (Live) (2005)
> Viet Nam (2007)


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