Hauschka - Versions Of The Prepared Piano |
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| von Philipp Gautschi am Mittwoch, 4. Juli 2007 in Neuerscheinungen | |
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Genre: Ambient/Minimal/Electro Label: Karaoke Kalk/Namskeio Unsere Wertung: ![]() Zeitgenössische KunstVolker Bertelmanns Album ’Prepared Piano’ aus dem Jahre 05 ging an die Grenzen eines Instruments. Experimentierfreudig wie ein Chemielehrer entlockte er dem Klavier mittels unkonventionellen Methoden (die Saiten sind mit Klebeband, Filz, Plastikfolie u.ä. präpariert) ungewohnte, filigrane und teils brachiale Töne. Dieses Material wurde nun von namhaften Künstlern der zeitgenössischen Elektroszene überarbeitet, verändert, erweitert, umgebaut und interpretiert. Was dabei herauskam, setzt die Remix-Messlatte auf ungeahnte, kaum mehr erreichbare Höhen. Die Platte hat zwei Gesichter. Einerseits wirkt sie teilweise derart zart, verletzlich und zerbrechlich, dass man beinahe Angst bekommt, wenn man das Teil ohne Samthandschuhe hört. Andererseits kann sie kräftig verwirren, grotesk, ziellos und zersträubt wirken. Ich hab mich tatsächlich mal beim Gedanken an Mouse on Mars erwischt (Nobukazu Takemura), obwohl diese doch eine etwas ’härtere’ oder ’kränkere’ Gangart einschlagen. Hauschka hatte eigentlich den Wunsch, dass seine Stücke gesanglich interpretiert werden. Nicht alle Künstler haben sich daran gehalten, doch das soll hier niemanden stören. Die Gesangsparts sind, wie die Musik an sich, sehr, ja beinahe enorm dezent, sanft und zurückhaltend. Keine schweren Beats, keine Wutausbrüche, keine Genickbrüche, aber trotzdem ordentlich Ecken und Kanten. Die elektronische Manipulation verleiht dem Klavier ein ganz neues, teilweise sehr dissonantes Gesicht. Jeder Künstler hat seine eigenen Ideen und Vorstellungen voller experimentierfreude in die Stücke gesteckt, was das Album sehr abwechslungsreich und vielseitig macht. Man kann jeweils versuchen zu vergleichen, wie die einzelnen Musiker mit dem doch ziemlich komplexen Material umgingen und was sie daraus gemacht haben. Da spielt teilweise ganz scheu Pop mit, trotzdem richtet sich die Platte an eine sehr anspruchsvolle, musikalisch versierte Klientel. Ich kann eine gewisse Überforderung nicht leugnen. Die verspielten Kleinst-Loops, der asiatische Minimalismus, und der siedenfeine Gesang gepaart mit der eigenwilligen Vorlage von Hauschka’s eigenartigem Piano ergibt eine minimalistische, verspielte und komplexe Klangkulisse, die Herz und Kopf gleichermassen berührt. Seit 27. April 2007 im Handel. Anspieltipps: eigentlich alle… Trackliste: 1) Eglantine Gouzy: Mr. Spoon ; 2) Barbara Morgenstern: Im Schlaf; 3) Nobukazu Takemura: Assembler’s Mix; 4) Wechsel Garland: Es Waren Einmal; 5) Takeo Toyama: Kotoba Naku; 6) TG Mauss: Things; 7) Vert: Rocket Man; 8) Frank Bretschneider: Stumm; 9) Mir Calix: Withhout Morning Mix; 10) Chica And The Folder: Para Bien; 11) Hauschka: Flying Horses; 12) Tarwater: World Of Things To Touch similar artists: Henry Cowell, John Cage, Arvo Pärt, Cor Fuhler, oder vielleicht Björk > Hören und Kaufen > MySpace > Label Bio: Hauschka / Volker Bertelmann aus Düsseldorf widmet sich mittlerweile seit dreissig Jahren dem Piano. Chopin und Beethoven waren die Lehrmeister, die eigene Kreativität und Experimentierfreude führten jedoch zum heutigen Ergebnis. „Das Klavierspielen ist eigentlich etwas, das dich wie ein ewiger Freund begleitet. Aber es gab lange Jahre, in denen ich mich mit dem Klavier sehr unhip gefühlt habe. Während der Crossover-Zeit habe ich selbst die Synthies durch fette Distortions gespielt, um sie rockig klingen zu lassen.“ Der inzwischen 40-jährige Familienvater und Queen-Fan hat sein eigentliches "Hauptinstrument“ vor einigen Jahren wieder neu für sich entdeckt, "durch die elektronische oder auch experimentelle Musik“. Hauschka setzt sich ans Klavier und lässt sich treiben, versucht seine Gefühle in der Musik auszudrücken. Seine Platten sind Momentaufnahmen, „Zeitdokumente seines Lebens“ nennt er sie. „Dann hab ich angefangen Medizin zu studieren, hab aufgehört, weil ich Musik gemacht hab, hab angefangen BWL zu studieren, hab aufgehört, hab also alle möglichen Versuche gemacht, ein bürgerliches Leben in irgendeiner Weise zu zementieren, hat hinten und vorne nicht geklappt.“ Bertelmann startete verschiedene Versuche, im Musikgeschäft Fuss zu fassen, rappte zeitweise sogar, wurde vom Label fallengelassen, rappelte sich auf, gründete eine Familie, schrieb Musik zu Werbespots, Serien und Kinofilmen. Seit drei Jahren widmet er sich wieder dem Klavier und träumt davon, mit einem Orchester die Musik zu einem richtig grossen Kinofilm zu machen. Diskographie: > Substantial (2004) > The Prepared Piano (2005) > Room To Expand (2007) > Versions Of The Prepared Piano (2007)
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