Langsam, ganz langsam schichtet Keith Kenniff Synthie-Fläche auf
Synthie-Fläche, setzt mit einer Gitarre gezielte Akzente und unterlegt
das Ganze mit einem leisen, zurückhaltenden Beat...
Nach vier Minuten friedlicher Idylle setzt eine leichte Steigerung ein, welche, vor allem auch wegen der nun erklingenden Frauenstimme und dem sich intensivierenden Rhythmus, einen mitreissenden Sog zu erzeugen vermag. Mit diesem Track, welcher sehr passend „Hope Valley Hill" heisst, beginnt das fünfte Album von Kenniffs Projekt Helios. Ein Titel, welcher in seiner Machart an Bands wie
Sigur Rós erinnert und es versteht, den Hörer geschickt zu verzaubern. Vor dem geistigen Auge erscheinen unberührte Naturkulissen. Der Hörer wähnt sich in einer hügeligen Winterlandschaft, die von einem eisbedeckten Bergsee dominiert wird. Vielleicht gerade weil dieser Titel so gut funktioniert, beging Kenniff den Fehler, das genau gleiche Muster bei den folgenden Tracks wieder und wieder aufzugreifen und spätestens beim vierten Track erinnert sich der Hörer daran, dass die Bergregionen nicht nur für eine unverbrauchte Naturkulisse, sondern auch für sich kaum verändernde Strukturen und einen gewissen Konservativismus stehen. Wie der Sonnengott Helios, welcher Tag für Tag mit seinem Sonnenwagen über den Himmel zieht, werden hier Track für Track ruhige Synthielandschaften erstellt, immer von einer Gitarre und einem wenig dominanten Beat ergänzt.
Wer nun aber das Album nach den ersten vier Tracks abschreibt, macht einen grossen Fehler. Während bei den meisten Platten die besten Titel auf den vordersten Positionen liegen, glänzt "Caesura" vor allem gegen das Ende hin. Ein erster Ausbruch aus den gewohnten Mustern, wenn auch, anders als der Titel des Albums vielleicht erwarten lässt, keine wirkliche Zäsur, gelingt mit Nummer 5. Ein schleppender Beat, Knarzen und Walgesang bewegen das Album einen kleinen Schritt in Richtung Boards Of Canada. Während die Idylle bei den ersten paar Tracks nie hinterfragt wird, wird nun wie in Goldfrapps „Felt Mountain" die friedliche Stimmung immer wieder angekratzt. Wunderbar auch „A Mountain Of Ice", wo das Klirren des Eises richtigehend gespürt werden kann. Eine kraftvolle Gitarre und eine feenhafte Shoegaze-Frauenstimme sorgen dafür, dass der Titel immer wieder überrascht und sehr eigenständig klingt. Auch „Shoulder To Hand", welcher Harmonien immer wieder durchbricht, einen sehr abwechslungreichen Rhythmus bietet und ein bisschen wie BoC mit einem Schuss
Radiohead klingt, bleibt im Gehör hängen.
Das ganze Album betrachtend, muss festgestellt werden, dass sich Helios ruhig öfter hätte trauen dürfen, aus dem Muster von Track 1 auszubrechen, denn immer wenn Kenniff dies versucht, wird der Hörer mit aussergewöhnlich guten Tracks belohnt. Alles in allem ist "Caesura" ein ganz gelungenes Album, welches aber einige überflüssige Titel aufweist. Ein Kauf der CD lohnt sich schon nur wegen dem hübschen winterlichen Cover von Matthew Woodson.
Seit 11. November 2008 im Handel.
> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > MySpace > Label
Diskographie:
> Unomia (2004)
> Eingya (2006)
> Ayres (2007)
> Aires Rising (2007)
> Caesura (2008)
Ähnliche Künstler:
> Xela
> Arovane
> Goldmund
> Sigur Rós
> Boards of Canada
Eine Rezension unserer Partnerseite
out-of-space.ch