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Hella - There’s No 666 In Outer Space

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von Michael Zuckschwerdt am Mittwoch, 25. April 2007 in Neuerscheinungen   
Genre: Experimental Prog Noise Rock
Label: Ipecac Recordings
CH-Vertrieb: Irascible Distribution
Unsere Wertung:Hella - There’s No 666 In Outer Space


Schwindelerregend
There’s No 666 In Outer SpaceHella sind a) Kult, b) musikalische Koryphäen und c) schwer zu ertragen.

Das Spezialflugzeug der NASA KC 135, in dem das Verhalten in der Schwerelosigkeit trainiert wird, trägt den bezeichnenden Übernamen „Kotzbomber“. Wie der Kotzbomber seine Reinigung, hat man nach dem Genuss von „There’s No 666 In Outer Space“ eine Spülung des Gehörgangs dringend nötig, haben sich darin doch bestimmt Abermillionen von Noten wie Schlacke in der Innenohrtrompete abgelagert. Was beim Kotzbomber bloss Reinigung ist, kommt bei Hella einer Läuterung gleich und manch einer hätte wohl lieber nie erfahren, dass es keinen Deibel im Weltall gibt.
Hella machen es auch Anhängern von „Primus“ und den frühen „The Mars Volta“, mit denen man die Band am ehesten vergleichen kann, alles andere als leicht. Diese Platte hat unzählige grosse, toll gespielte, ja witzige Momente, doch meist lässt sie einem nicht mal die Zeit, um für ein kurzes Staunen die Kinnlade runterfallen zu lassen; schon folgt wieder ein neuer Part, ein unerwartetes Break, ein Bombardement vom Schlagzeug und rhtythmisch, sagen wir mal recht frei phrasierten Gitarrenlicks. Eine volle Stunde dauert das Werk, auf dessen einzelne Songs detailliert einzugehen, mich wohl diesen Job hier kosten würde.

Nichtsdestotrotz ist „There’s No 666 In Outer Space“ beileibe keine schlechte Platte, bloss so was von anstrengend, dass einem Hören und live wohl auch Sehen vergeht. Nehmen wir mal als Beispiel „2012 And Countless – Hella“:
Die ersten zwei Minuten hat man den Eindruck, ein Satellit übt ein Burnout um die eigene Rübe (mit Kopfhörer tönt’s super), für die weiteren zwei Minuten wird einem dann völlig unvermittelt ein im wahrsten Sinne des Wortes wahnwitziger Part um die Ohren geprügelt und dann ist Schluss. Völlig verdattert kann man feststellen, dass Hella instrumental voll auf der Höhe sind, aber hat man den erwähnten Part mal begriffen, bleibt einfach kaum was übrig.
Das darauf folgende „Anarchists Just Wanna Have Fun“ gehört zu den Songs mit gut nachvollziehbaren Strukturen und ist fast schon eingängig, es gibt Strophe und es gibt Refrain – Hella-luja! Dazu gesellt sich zwischendurch immer mal wieder ein wildes Herumfuhrwerken auf den Instrumenten; insbesondere Schlagzeuger Zach Hill ist so was wie der Duracell-Hase auf Speed – immer! Sänger Aaron Ross hat den nicht beneidenswerten Job, dazu Gesangsmelodien zu finden. Diese Aufgabe meistert er eigenwillig bravourös und vermag den Sound von Hella wirklich substanziell aufzuwerten. Seine oft nölige Stimme erinnert etwas an Les Claypool von Primus, ist aber insgesamt deutlich variantenreicher und die mehrstimmigen Gesangspassagen zeugen doch von einem ernsthafteren, sprich nicht primär humoristischen Ansatz.

Hella werden sich mit diesem Album in die Herzen einiger Fans spielen, für die meisten Menschen dürfte „There’s No 666 In Outer Space“ aber zuviel des gar nicht mal so Guten sein. Ich persönlich habe eine Schwäche für Gitarristen, die sich ein Instrument anfertigen lassen und die eigenen Bartstoppel in den Finish einlackieren lassen, gebe gerne drei Punkte und bin gespannt auf weitere Untaten.


Seit 30. Januar 2007 im Handel.

Anspieltipps:
Worlds Series; Anarchists Just Wanna Have Fun; Dull Fangs
Trackliste: 1)World Series; 2) Let Your Heavies Out; 3) The Ungrateful Dead; 4) Friends Don’t Let Friends Win; 5) The Things People Do When They Think No One’s Looking; 6) Hand That Rocks The Cradle; 7) 2012 And Countless - Hella; 8) Anarchists Just Wanna Have Fun; 9) Dull Fangs; 10) Sound Track To Insecurity; 11) There’s No 666 In Outer Space
similar artists: The Mars Volta, Primus, Melvins on 45 rpm

> Hören und Kaufen
> Offizielle Webseite > MySpace > Label > CH-Vertrieb

Bio:
Scott Seim (Gitarre) und Zach Hill (Schlagzeug), nach wie vor der Kern der Band Hella, begannen bereits zu High School Zeiten zusammen Musik zu machen. Trotz diversen anderen Projekten haben sie diese Zusammenarbeit immer weiter geführt und schliesslich unter dem Namen Hella 2002 das erste Album „Hold Your Horse Is“ herausgebracht. Ihr musikalischer Ansatz ist von Beginn weg sehr unkommerziell gewesen, ihre Songs wie auch die Konzerte folgen keinen üblichen Strukturen und durch die Reduktion auf lediglich zwei Musiker schaffen sich die beiden viel Freiraum zum Experimentieren, wovon sie auch in exzessiver Manier Gebrauch machen.
Im Jahre 2003 erschienen nicht weniger als drei Releases von Hella; angefangen bei der EP „Bitches Ain’t Shit But Good People“, gefolgt von „Total Bugs Bunny On Wild Bass“ und schliesslich den Live-Aufnahmen auf der Split-Scheibe mit Dilute. Mit „Bitches…“ hielten diverse Neuerungen im Hella-Sound Einzug, der befreundete Dan Elkan steuerte erstmals Gesang bei und die Band verwendete Bass, Synthesizer und Drumcomputer.
Weitere drei Releases folgten 2004: „The Devil Isn’t Red“, „Fourtet“, sowie die 2006 wiederveröffentlichte, vormals nur in Japan erhältliche „Acoustics“ EP.
„Church Gone Wild / Chirpin Hard“ (2005), ist ein Doppel-Soloalbum, für das Zach Hill und Spencer Seim (beide Multi-Instrumentalisten) je eine ganze Platte eingespielt haben. Im selben Jahr erweiterten Hella die Live-Band mit Dan Elkan (Gesang, Rhythmusgitarre, Synthesizer) und Jonathan Hirschke (Bass). 2005 erschien auch die EP und DVD „Concentration Face“.
Die beiden Neuzugänge verliessen Hella und im Jahre 2006 wurden drei neue Mitglieder rekrutiert. Gitarrist Josh Hill (Zach’s Cousin), Bassist Carson McWrither und Sänger Aaron Ross komplettieren das aktuelle Hella Line-up. Das erste Mal entstand mit dem aktuellen Release „There’s No 666 In Outer Space“ (2007) ein Album im Studio in kompletter Bandbesetzung.

Hella
Diskographie:
>Hold Your Horse Is (2002)
>Falam Dynasty, 7’ (2002)
>Bitches Ain’t Shit But Good People, EP (2003)
>Total Bugs Bunny On Wild Bass, EP (2003)
>Live Hella/Dilute, Split (2003)
>The Devil Isn’t Red, EP (2004)
>Hella/Fourtet, Split 7’ (2004)
>Church Gone Wild / Chirpin Hard, Double LP (2005)
>Concentration Face, EP&DVD (2005)
>Acoustics, EP (2006)
>There’s No 666 In Outer Space (2007)


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