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Her Name Is Calla - The Heritage

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von Philipp Gautschi am Mittwoch, 20. Januar 2010 in Neuerscheinungen   

Genre: Postrock/Slowcore  |  Label: Denovali (Irascible)  |  Unsere Wertung: 8.5/10

The HeritageVorsicht, zerbrechlich!
Viel zu lange gammelte diese vorerst unscheinbare Perle auf meinem chaotischen Pult vor sich hin. Hiermit wird das großartige Album „The Heritage“ von Her Name Is Calla endlich gebührend gewürdigt.

Nicht zwingend positive Adjektive wie verstörend, deprimierend, düster oder gar schaurig könnte man verwenden, um voreilig und unüberlegt das Werk ’The Heritage’ zu umschreiben. Tatsächlich habe ich unzuverlässigen Quellen entnommen, dass das Genre Postrock bereits wieder als veraltet, durchgekaut und somit nicht mehr ’aktuell’ gilt. Die ständige Suche nach dem neuen, noch grösseren, noch eigenartigeren, noch unbekannteren musikalischen Kick scheint vereinzelt zu ziemlich unpräzisen Hüftschüssen zu führen.

Die sieben Briten/innen um Her Name Is Calla erfinden zwar das Genre Postrock auch nicht neu, kombinieren dieses jedoch unwahrscheinlich geschickt mit rabenschwarzem Slowcore, entsprechend rührseligem Gesang und ungeheuerlich viel Gefühl für Stimmungen jenseits des Glücks. Mit ’Nylon’ beginnt deas Album sehr ruhig und gemütlich. Wohlige Erinnerungen an Savoy Grand tauchen auf, die dem Lied immanente Spannung verspricht jedoch mehr als angenehm belämmerndes Gitarrengedusel. Nach viereinhalb Minuten sorgt eine gewaltig tiefe Gitarre sowie leidender Gesang für einen ersten, jedoch sanften kalten Postrock-Schauer. Mit ’New England’ folgt sogleich der Höhepunkt des Albums (verdientermassen Platz 5 meiner Jahresbestenliste 2009). Sanfte Streicher und  Bläser sowie monotone, wiederum gemächlich angeschlagene Gitarrentöne sorgen für eine beinahe morbide, jedenfalls verdächtig düstere Stimmung. Nach etwa 5 Minuten zeigt das insgesamt neunminütige Meisterwerk sein zweites, noch böseres Gesicht. Bass und Schlagzeug gwinnen an Intensität, das Tempo wird erhöht, die Streicher verbleiben schleierhaft im Hintergrund, die Leadgitarre gibt verstörende Laute von sich. Nach 7 Minuten ist dezentes Headbanging erlaubt bzw. erwünscht. Gesungen wird nicht mehr. Postrock der allerfeinsten und allerdüstersten Sorte.

„Paying for Your Funeral“ ist ein unspektakuläres, synthetisches Irgendwas von Song, wobei ausschliesslich eine verstörende Klanglandschaft erschaffen wird. Bei „Wren“ wird dann wieder scheu gesungen. Sehr zärtlich und wiederum, dank eindringlichen Streichern, düster. Diesmal ist zwischen den Tönen jedoch eine dezente, jedoch angenehm hoffnungsvolle Note herauszuhören. Der mehrstimmige, schleppende, beinahe klassische Gesang sowie der ausgiebige Streicherpart gegen Ende des Liedes berühren einem im tiefsten Innern. „Motherfucker! It’s Alive and It’s Bleeding“ könnte dem Titel zufolge von einer schlechten Deathmetalband stammen, ist jedoch ein minimalistisches, emotional verstörendes Unding von Slowcore-Song. Leise Piano- und Streichertöne ergänzen den beinahe gehauchten, mehrstimmigen Gesang. Erst nach 6 Minuten hört man erstmals Wut und Verzweiflung vielleicht gar Hass im Gesang, musikalisch wird Höchstspannung erzeugt und nicht (wie üblicherweise erwartet) gewitterhaft aufgelöst. Mit „Rebirth“ schliesst das Album, wobei der Hiddentrack „Long Distance Runner“ erstaunlich freundliche, an Sigur Ros erinnernde Töne anschlägt.

Insgesamt hinterlassen Her Name Is Calla mit „The Heritage“ kein leicht verdauliches Erbe. Unbequeme, mysteriöse Dunkelheit dominiert. Zeit, Interesse und ein gewisser Hang zu ausufernder Melancholie sind unentbehrlich, wenn man die Komplexität und Schönheit des Albums erfassen will. Der präzise Einsatz verschiedener, vielseitiger Instrumente sowie das erschreckend gute Gefühl der Musizierenden für Spannung und klangliche Dichte machen das Werk zu einem Must-Have für Querdenker bzw. -hörer, die bei Wörtern wie „Sonne“, „Party“, „Tanzen“ oder „Menschenmasse“ verständlicherweise Brechreiz empfinden.

Seit  24. Oktober 2009 im Handel.

> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > MySpace > Label > CH-Vertrieb

Her Name Is CallaAnspieltipps:
> New England
> Wren

Diskographie:
> Condor and River EP (2007)
> The Heritage (2009)

Ähnliche Künstler:
> ILiKETRAiNS
> The Twilight Sad
> Blueneck
> Sigur Ros
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