Genre: NeoFolk | Label: City Slang (TBA) | Unsere Wertung: 6.5/10
Davidsstern
Herman Düne sind mal wieder nirgends und überall. Aber nächstes Jahr in Zion.
Rezensionen sind oft geprägt von unverständlichen Metaphern und elitären Fachsimpeleien. Man informiert sich schnell (und wenn es denn überhaupt möglich ist) mithilfe der Bewertung und/oder scrollt herunter, um zumindest noch die „ähnlichen Künstler“ zu konsultieren. Nur selten ist der Hörer zugleich Leser, er möchte nicht wissen, ob Devendra Banhart und Nathalie Portman noch zusammen sind. Und manchmal möchte er bloss wissen, ob Devendra und Nathalie noch zusammen sind.
Bei der neuen Scheibe der Gebrüder Herman Düne aus Schweden/Israel/Paris/New York/Genf kann ich ausnahmsweise relativ schnell beantworten, ob man erstens diese Platte kaufen soll, zweitens sie auch über längere Zeit geniessbar ist und schliesslich drittens einen Vergleich zu der restlichen Diskographie ziehen kann.
Erstens: „Next Year in Zion“ ist eine wunderbare Einstiegsplatte: Zitate zum Schmunzeln en masse, stimmige Liebeslieder, freundliche Perkussion mit lieblichen Backgroundvocals der Babyskins. Wer in die herrlichschräge Welt von David-Ivar Herman Düne eintauchen möchte, auf friedlichen und spartanischen, aber anspruchsvollen Folk steht, dem kann ich „Next Year in Zion“ vorbehaltlos empfehlen.
Zweitens: „Next Year in Zion“ ist kurzweilig, aber ohne Langzeitwirkung. Schön ist, dass jedem Hörer ein anderer Song besser gefällt, weil David Herman Düne ja bloss über sich selbst schreiben kann und man sich stets irgendwo findet, ganz egal wie authentisch oder absurd die Lyrics sind. Diese Platte funktioniert oft, aber bitte nicht zu lange.
Drittens: „Next Year in Zion“ ist spätestens seit „Not On Top“ mit Bruder André Herman Düne ein weiteres Mal dasselbe. Klar haben wir hier wieder mehr Gitarrensoli, Bläser und Némans bemühte Versuche zu den etwas einfallslosen Melodien von David neue Trommeln mit neuen Rhythmen zu vereinen. Es bleibt eine ambivalente Haltung zwischen „Beständigkeit steht ihnen gut“ und „jeder Song könnte auf jeder Herman Düne Platte stehen“. Man merkt mittlerweile sogar, dass sein beinahe identischer musizierender Bruder André nicht mehr dabei ist.
Hier handelt es sich ausnahmsweise um eine Rezension, die mehr ein Fazit ist. Herman Düne sagen zuviel, um sich irgendwo festhalten zu können und gleichzeitig zuwenig, um seine Begeisterung klar kundzutun.
Übrigens: die Wertung steht oben rechts und unter diesem Text gibt’s noch weitere Informationen, falls ihr es noch nicht wisst und trotzdem soweit gekommen seid. Vielen herzlichen Dank übrigens!
Seit 19. September 2008 im Handel.
> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > MySpace > Label
Anspieltipps:
> My Home is Nowhere Without You
> My Baby Is Afraid of Sharks
> Someone Knows Better Than Me
> (Nothing Left But) Poison in the Rain
Diskographie:
> Turn Off the Light (2000)
> Switzerland Heritage (2001)
> They Go to the Woods (2001)
> Mash Metal Concrete Mushroom (2002)
> Mas Cambios (2003)
> Not On Top (2005)
> Giant (2006)
> Next Year in Zion (2008)
Ähnliche Künstler:
> Stanley Brinks /André Herman Düne
> Julie Doiron
> Moldy Peaches
> Adam Green
> Kimya Dawsom
> Turner Cody
> Devendra Banhart
> Bonnie „Prince“ Billy
> Daniel Johnston
> Leonard Cohen