Das dritte Album der zwei Briten ist ihr Bestes. Meint zumindest Ninja Tune, wir eher weniger.
Noch immer sind Hexstatic mit dem Ruf gesegnet, zu den kreativsten und innovativsten Köpfen der britischen Elektronik-Szene zu gehören. Tüftler im wahrsten Sinne des Wortes, sind sie vor allem für Multimedia-Projekte wie “Master-View“ oder für den Gebrauch von innovativen Techniken berühmt. Aufregend war auch ihr Sound auf den ersten beiden Alben oder ihrem grandiosen Beitrag zur Solid Steel-Reihe. Die Reaktion nach dem Anhören ihres jüngsten Werkes fällt nun etwas ernüchternd aus. Nicht nur der Computer verschwand vom Cover, auch Mut und Innovationen scheinen aus den Klängen gewichen zu sein. 2007 springt der britische Robo-Zweier auf den Electroclash/Rock-Schnellzug auf. Mit knackigen, aber altbackenen Gitarren-Riffs, ziemlich dumpfen, durch den Vocoder gejagten Zeilen und tanzbaren Trash-Beats legen Stuart Warren Hill und Robin Brunson im Opener los. Keine Frage, ein Clubhit mit einigen netten Passagen, aber schon zu oft in der Art gehört und so auch ziemlich austauschbar.
Verbindungen von Acid-House, Rave, Funk und Rock dürften eigentlich wirklich interessant klingen – Hexstatic bleiben diesmal allerdings weit unter ihren Möglichkeiten, es gelingt selten, Klänge zu bilden, die auch ausserhalb eines Clubs funktionieren würden. Besonders schwach, nicht mal wegen zuvor angedeuteter Plumpheit, sondern vielmehr ob den kläglichen Vocals (B+), fallen “Freak Me“ und das abgeschmackte “A Different Place“ aus.
Eine gute Figur hingegen macht UK-Rapper Profisee im schicken “Move On“ oder “Subway“, bei dem die Huldigungen zu zwei anderen Robotern aus Frankreich auf angenehme Art deutlich werden. “Roll Over“ dürfte der stärkste Titel auf dem Album sein. Zwar geht auch diesem Titel erst mal jegliche Originalität ab, hätte er auch von den späteren Goldfrapp stammen können, verdankt aber besonders dem Kontraste setzenden Gesang Sabirajades eine ganz besondere Wirkung .
Die beiden Briten lassen ihrer Vorliebe zu clubbigem Retro-Elektro auf diesem Album deutlich mehr Platz als auf den Werken zuvor. Andere Qualitäten, die Hexstatic bislang auszeichneten, wurden dabei aber sträflich missachtet und so sollte auch vorsichtshalber erst mal reinhören, wer Hexstatic bislang hoch schätzte.
Seit 6. Juli 2007 im Handel erhältlich.
Anspieltipps: Roll Over (ft. Sabirajade), Tokyo Traffic, Move On (ft. Profisee & Ema J)
Trackliste: 1) Red Laser Beam; 2) Roll Over (ft. Sabirajade); 3) Tokyo Traffic; 4) Freak Me (ft. B+); 5) Prom Night Party (Hexstatic Remix); 6) TLC; 7) Move On (ft. Profisee & Ema J); 8) A Different Place (ft. B+)9) Subway (ft. Profisee); 10) Lab Rat interlude; 11) Newton's Cradle; 12) Newaves; 13) Bust
similar artists: Coldcut, Hex, Neotropic
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Bio:
Stuart Warren Hill und Robin Brunson sind zwei britische VJ-Pioniere, die 1997 begannen, gemeinsam zu arbeiten. Das Duo übernahm das Konzept der Ninja Tune’schen VJ-Gruppe Hex, die sich in den späten 90er-Jahren auflöste, und nannten sie in Hexstatic um. Ein kleiner Meilenstein gelang den beiden dank der Zusammenarbeit mit den Labelkollegen von Coldcut, aus welcher der A/V-Classic “Timber“ entstand. Später zeichneten Hexstatic für zahlreiche Videos anderer Elektronik-Künstler verantwortlich. Nach ihrem im Jahr 2000 veröffentlichten ersten Album, erschien vier Jahre später mit “Master-View“ eine CD/DVD-Combo, bei der die visuelle Untermalung zu den Klängen gleich mitgeliefert wurde. In stilistischer Hinsicht liessen sie sich dabei gleichermassen von Jazz, Funk, und europäischer Elektronik beeinflussen. Nebenbei wurden auch zwei Mixes auf CD veröffentlicht, wovon vor allem “Listen&Learn“ für die Solid Steel-Reihe empfehlenswert ist.