Momentan ist es offenbar trendy, ein wenig Elektro unter
die Gitarren zu mischen... Sogar ich als (nicht ganz disziplinierte)
Rock-Puristin führe momentan Klaxons und die neue Bloc Party auf meinem
MP3-Player spazieren. Was von dieser Welle zu halten ist, wird sich
live zeigen.
Besser als die ewiggleichen Singer-Songwriter-Jungs und -Mädchen ist dieser Trend aber allemal, da wenigstens originell. Denn langsam mag ich nicht mehr zuhören, wenn irgendwo eine einsame Gitarre schrummelt und ein sensibler (vorzugsweise skandinavischer oder sonst depressionsanfälliger) Junge dazu seine selbstgeschriebenen Klagelieder singt. Leider gehört auch Høgni Lisberg in diese Kategorie. Einzig drei Lichtblicke finden sich auf „Morning Dew“: „Desert“, eine ruhig anfangende Ballade, die einen schönen Rhythmus entwickelt und mit einer netten Mehrstimmigkeit endet. Dann der Titeltrack – so was wunder-, wunderschönes hab ich noch selten gehört! Eine dieser Melodien, die Gänsehaut hervorrufen und einfach berühren. Das kann Høgni, so viel sei gesagt. Und der Dylan-Klassiker „All Along The Watchtower“, den Lisberg mit einem souligen Einstieg angeht und zu einem beinahe Hendrix-würdigen Abschluss steigert.
Dann aber kommen Fragen auf: Warum diese Steve-Vai-Gitarre auf „Just Dig“ und „Stargazers“? Mein Gott, wir haben 2007... Auch die Mundharmonika auf „Love Letters“ kann mich nicht besänftigen – gepaart mit der Dolly-Parton-esken Stimme der Co-Sängerin ist mir das zu Albisgüetli-mässig und viel zu kitschig, erst recht durch die pompösen Hintergrund-Effekte. Nein. Danach geht es zwar aufwärts, wenn Lisberg rockig lernt „To Ride On Waves“. Doch schon bei „Léla“ werden wieder unangenehme Assoziationen wach – in meinem Kopf tanzt zum hymnischen Refrain ein New-Wave-Zirkel händchenhaltend im Kreis...
Damit man mich richtig versteht: Ich hab es versucht. Aber nachdem ich die Platte eines Winterabends beim Kuscheln etwa vier Mal durchgehört hatte (und beim Kuscheln bin ich tolerant), war das Verdikt klar: Nix für mich. Das Pop-Ohr verwöhnt Høgni aber einwandfrei (ach, wären doch alle Songs wie „Morning Dew“!) und das Zielpublikum „breite Masse“ könnte der Färöer zweifelsohne erreichen. Mir jedoch stossen Effekte wie oben beschrieben sauer auf. Fazit: Lieber ein wenig auf der aktuellen Elektro-Welle reiten. Und Høgni kriegt eine 2.5. Aber nur wegen meiner Kuscheltoleranz.
Seit 19. Januar 2007 im Handel.
Anspieltipps: Morning Dew; Desert; All Along The Watchtower
Trackliste: 1) Morning Dew; 2) Just Dig; 3) Stargazers; 4) Love Letters; 5) Beauty Of It All; 6) Learn To Ride On Waves; 7) All Along The Watchtower; 8) Desert; 9) Léla; 10) Stand By My Side; 11) How Many Times; 12) Rise And Shine
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Bio:
Irgendwo zwischen Grossbritannien und Island liegt das gottverlassene Inselgrüppchen der Färöer, wo Høgni Lisberg herkommt. Neben Teitur ist er wohl der bekannteste Singer/Songwriter dieser Region. Der Gitarren-Autodidakt erblickte im Jahr 1982 das Licht der Welt. Bevor er das singen und songwriten entdeckte, war er allerdings als Schlagzeuger in diversen Formationen tätig, von denen Clickhaze die grössten Erfolge feiern konnte. Als eine der „bedeutendsten färöischen Rockgruppen bisher“ (Wikipedia) konnte die Band sogar einen Auftritt am Roskilde-Festival verbuchen. 2003 versuchte es Lisberg mit dem Album „Most Beautiful Things“ auf Solopfaden. Doch erst mit der Veröffentlichung von „Morning Dew“ gelang dem Barden der Durchbruch auf den Färöern: Die Single „Learn To Ride On Waves“ schaffte es bis auf Platz 3 der Charts und das Album wurde vom Magazin Sosialurin zur Platte des Jahres 2006 gewählt.