„Exotic Interlude is a mature work, slow brewed.“ Dieser Satz ist pures Understatement. Welche ganzheitliche Medizin uns Homelife mit ihrem neuen Album liefern, kann nur herausfinden, wer genau hinhört – und seine eigenen Krankheitssymptome erkennt.
Exotik liegt im Auge des Betrachtenden. Dabei geht es um eine ganz bestimmte Art, die Dinge zu sehen. Und zwar so, als betrachte man sie zum ersten mal. Exotik heisst die Jungfräulichkeit in der Betrachtung. Einfach: tu es, als tätest du’s zum ersten Mal! Tu es so, wie nie zuvor!
Ein Statement, verlesen vom grossen Gedanken hinter Homelife, - Paddy Steer. Der Multiinstrumentalist überlässt kaum etwas dem Zufall. Exotische Instrumente ins Klangbild miteinzubeziehen ist dabei das eine. Lieber aber erfindet er die töne-spuckenden Gerätschaften, zusammen mit seinem Eingeweihten Anthony Burnside, gleich selbst.
Dennoch dominiert auf „Exotic Interlude“ ein bestimmtes Instrument. Es ist die hawaiianische Gitarre. Sie ist für uns der Inbegriff des Exotischen. Und das war sie schon in den 50ern und 60ern, als die grossen Exotica Alben, von Martin Denny etwa oder Les Baxter veröffentlicht wurden. Damals gerieten die Reize des Fremden und Unbekannten, gepaart mit den Sehnsüchten einer statisch gelebten Gesellschaft, erstmals in den Horizont der Unterhaltungsindustrie. Der tropische Touch, der dieser perkussiven und lasziven Musik anhing, rief bei uns eine westliche Vorstellung vom Paradies hervor. Man sieht sich selbst bei einem kühlen Drink in die schillernde Brandung blinzeln, während über einem die sanfte Brise die Palmblätter in sanftes Rauschen versetzt. Die Bambus Möbel, welche einen umgeben, verkörpern dabei ebenso den westlichen Traum vom Paradies, wie der Barkeeper, welcher mit Schwung eine Kokosnuss entzweit.
Mit „Exotic Interlude“ werden all die Sachen und Situationen, welche sich für uns in greifbarer Nähe befinden, sprich unseren Alltag bedeuten, etwas reizvoller. Denn der Geist dieser Musik ist, wie Homelife es beweisen, übertragbar. Übertragbar auf eine Gesellschaft, die eine neue Vision von erlösender Ruhe braucht. Übertragbar auf das letzte Quentchen westlichen Alltags. Wir können dem hiermit einen neuen Anstrich verleihen. Und was macht sich besser, als diesen oft grauen Motor westlichen Funktionierens in den Farben des Paradies’ zu halten?
Seit 5. Oktober 2009 im Handel.
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Anspieltipps:
> Along the Verge
> More Vine
Diskographie:
> Homelife (1998)
> Cho Cho (1999)
> Flying Wonders (2002)
> Guru Man Hubcap Lady (2004)
> Exotic Interlude (2009)
Ähnliche Künstler:
> Beck (Mutations)