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I Like Trains - He Who Saw the Deep

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von Michael Messerli am Mittwoch, 10. November 2010 in Neuerscheinungen   

Genre: New Wave, Postrock  |  Label: ILR  |  Unsere Wertung: 8.5/10

He Who Saw the DeepThe Devil We Know Best
Das erste Album von I Like Trains war nicht nur etwas für Ferophile oder Historiker. Und dieses hier ist nicht nur etwas für Seemannsromantiker. Es ist aber sicher eines für alle, die lieber Dark anstatt New Wave schreiben.

Manchmal genügen ein Schlagzeug-Beat und eine Gitarrenmelodie, um als Leuchtturm ins Dunkle zu scheinen. I Like Trains aus Leeds haben für ihr neues Album das wunderschöne „A Father’s Son“ vorausgeschickt und ein bisschen fühlt man sich zu Beginn wie bei Sigur Rós. Gleiche Stimmung – nur ungleiche Stimmlage. David Martin singt konsequent tief. Und dunkel. Ein Hauptthema in diesem Fall. „He Who Saw the Deep“ bewegt sich in Küstennähe und ist sicher mehr Heimkehr als Aufbruch. „Home is where the heart is“, konstatiert Martin reumütig. „It was our time to sink or swim“, heisst es anderswo. Er ist keine Sirene, welche das Schiff ins falsche Fahrwasser führt. Er bringt die Dinge nüchtern auf den Punkt, weil auch er weiss: Der Teufel steckt im Detail. Mit viel Hingabe lässt sich der Rest der Band zu einer wärmenden Melancholie hinreissen, die wie aus einem Guss daherkommt. Herausgegeben auf dem bandeigenen Label ILR emanzipiert sich „He Who Saw the Deep“ vom Debüt, das sich lieber in der Vergangenheit austobte. Das Sterben aber bleibt ein Thema.

“Some things are better left forgotten/ Or the weight of the world will crush your bones”. Und gebrochene Knochen halten kein Schiff zusammen. I Like Trains kündigen harte Zeiten für das Herz an. Manchmal verbünden sie sich dabei mit My Latest Novel, Konstantin Gropper oder den Editors. Martin haucht den Songs mit seiner Grabesstimme im wahrsten Wortsinn Leben ein. Paradox ist das nicht: Leute, die mit Shirts rumlaufen, wo „sad songs make me happy“ draufsteht, wissen, was gemeint ist. Es liegt Trost für diejenigen in der Luft, die mit leeren Händen dafür aber mit dem Wissen um die Vergänglichkeit nach Hause kommen. Nur heisst das noch lange nicht, dass die Hoffnung alleine ausreicht: „Nothing says it's over/ Quite like the way you hit the sea“. Und wenn der Fortschritt uns schliesslich zwingt, eine Arche zu bauen und Millionen von Menschen vor der grossen Flut zu retten, wird auch Reue niemandem mehr helfen. Vielleicht aber dieses grandiose Album, das uns den Weg nach Hause leuchtet.

Seit 1. November 2010 im Handel.

> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > MySpace > Label

I Like TrainsAnspieltipps:
> A Father’s Son
> Progress Is a Snake
> Sea of Regrets

Diskographie:
> Elegies to Lessons Learnt (2007)
> He Who Saw the Deep (2010)

Ähnliche Künstler:
> Editors
> My Latest Novel
> A Whisper In The Noise
> Get Well Soon
> British Sea Power

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